Jordanien und Syrien versuchen nach tödlichen Vergeltungsangriffen und gegenseitigen Vorwürfen, die schwerste Krise zwischen beiden Staaten seit dem Sturz Baschar al-Assads zu entschärfen. Im Zentrum stehen jordanische Luftangriffe in Syrien und die Frage, ob sie mit Damaskus abgestimmt waren.
Der jordanische Außenminister Safadi betonte laut einer Erklärung den „vollen Respekt Jordaniens für die Souveränität (…) und die Sicherheit Syriens“. Zugleich äußerte er sein „Mitgefühl und seine Trauer über den Tod unschuldiger Zivilisten“ bei den Angriffen.
Nach der Darstellung der Erklärung sprachen Safadi und sein syrischer Amtskollege über Ziele, die als „Daesh-Stellungen“ bezeichnet wurden. Jordanien teilte mit, bei den Vergeltungsangriffen am Montag seien mehr als 20 Jihadisten getötet worden; außerdem sei ein großes Waffenlager der Islamisten zerstört worden.
Syrien reagierte darauf mit der Schließung eines Grenzübergangs zu Jordanien und warf Amman eine Verletzung seines Luftraums vor. Jordanien beharrte darauf, die Luftangriffe mit Syrien abgestimmt zu haben, während Damaskus diese Darstellung zurückwies.
Nach Angaben der syrischen Zivilschutzbehörde kamen bei den Angriffen sieben Menschen ums Leben, darunter drei Kinder. Die Opferzahlen der beiden Seiten weichen damit deutlich voneinander ab und sind nach den vorliegenden Angaben nicht unabhängig verifiziert.
Die Spannungen stehen auch im Zusammenhang mit dem Anschlag auf die griechisch-orthodoxe St.-Georgs-Kirche in Hammud in der südjordanischen Provinz Karak, bei dem während einer Trauerfeier neun Menschen getötet wurden. König Abdullah II. hatte den Tätern Vergeltung angedroht.
Karak hat eine bedeutende christliche Minderheit; Christen machen in Jordanien rund 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung aus. Der Anschlag löste in dem Land Vergeltungsdrohungen aus, während Syrien seit dem Sturz Assads im Dezember 2024 von Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa geführt wird.
Assad war im Dezember 2024 von islamistischen Milizen unter Führung des heutigen Übergangspräsidenten gestürzt worden. Mit seinem Sturz endete der 13 Jahre währende syrische Bürgerkrieg. Die IS-Miliz war 2019 in Syrien besiegt worden, ist laut der Quelle aber weiterhin aktiv und reklamiert immer wieder Anschläge für sich.


