Nächtliche Kombinationsattacke am 3. Februar trifft ukrainische Energieziele landesweit schwer bei extremer Kälte
In der Nacht zum 3. Februar 2026 hat Russland eine kombinierte Luftoffensive gegen die Ukraine geführt. Insgesamt wurden nach ukrainischen Angaben 450 Angriffsdrohnen, vier 3M22-Zirkon-Antischiffsraketen, 32 ballistische Iskander-M/S-400, sieben Kh‑22/Kh‑32 und 28 Kh‑101/Iskander‑K eingesetzt. Der Schwerpunkt der Angriffe lag auf Energieanlagen in der Stadt Kiew und der Oblast Kiew sowie in den Regionen Charkiw, Dnipropetrowsk, Sumy, Winnyzja und Odessa. In Kiew wurden fünf Menschen verletzt, und in mehreren Stadtteilen kam es zu erheblichen Schäden. Die Attacken erfolgten bei extremen Temperaturen um minus 25 Grad, was die Folgen für die Versorgungslage verschärft. Landesweit wurden zudem weitere Regionen durch Explosionen erschüttert.
In der Region Kiew standen das Wärmekraftwerk Trypillja und eine 750‑Kilovolt‑Umspannanlage unter Beschuss, die die Kernkraftanlage Riwne mit der Hauptstadt verbindet. In Kiew selbst wurden in fünf Stadtbezirken Gebäude und Infrastruktur getroffen, darunter ein zerstörtes fünfstöckiges Wohnhaus und ein Brand auf dem Gelände eines Kindergartens. Ebenfalls registriert wurden Treffer auf ein Verwaltungsgebäude und offene Flächen, schwere Schäden und ein Feuer im oberen Stockwerk eines Hochhauses sowie ein Brand in einem Mehrfamilienhaus mit zwei weiteren Verletzten. Eine Tankstelle wurde getroffen; Gebäude, mehrere Fahrzeuge und Freileitungen wurden beschädigt. Rund 1.170 Mehrfamilienhäuser in zwei östlichen Bezirken waren anschließend ohne Fernwärme. Die Luftabwehr war durch die breite Mischung aus Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Systemen stark gefordert.
Kiew, Charkiw, Dnipro und weitere Regionen melden schwere Schäden an Heizkraftwerken und Netzknoten
In Charkiw zielte die nächtliche Raketen‑ und Drohnenserie auf Energieanlagen, zwei Menschen wurden verletzt. Die örtliche Heizkraftanlage erlitt kritische Schäden; um ein Einfrieren der Netze zu verhindern, ließ die Stadt den Wärmeträger aus einem System ab, das 820 Gebäude versorgt. In der Oblast Winnyzja wurden in der Stadt Ladyshyn das dortige Wärmekraftwerk und weitere Energieobjekte getroffen, mindestens 50 Ortschaften waren ohne Strom. Die Oblast Dnipropetrowsk meldete einen Schwerpunktangriff auf das Wärmekraftwerk Prydniprowsk, dazu Schäden an einem Infrastrukturkomplex sowie Zerstörungen an Wohnhäusern, einem dreistöckigen Wohngebäude und einem Wohnheim in Dnipro. In der Oblast Sumy wurden zwei Mehrfamilienhäuser beschädigt und in Konotop ein Wohnhaus zerstört; die Behörden berichten von vier Verletzten in der Region. Auch in den Oblasten Tschernihiw, Tscherkassy, Poltawa und Saporischschja wurden Explosionen verzeichnet.
In der Oblast Odessa konzentrierten sich die Schläge auf Energie- und Zivileinrichtungen, mehr als 50.000 Menschen waren zeitweise ohne Strom. Neben Energieanlagen wurden Wohnhäuser, Lagerhallen und Verwaltungsgebäude beschädigt. Die Breite der Zielauswahl deutet auf eine systematische Beeinträchtigung von Erzeugung, Umspannung und Verteilung hin. Durch die gleichzeitige Belastung der Netze bei strenger Kälte erhöhten sich die Risiken für Ausfälle an Heizwerken, Pumpstationen und Fernwärmesystemen. Reparatur- und Notdienste waren in zahlreichen Städten im Dauereinsatz. Regionale Verwaltungen kündigten priorisierte Wiederherstellungen kritischer Dienste an.
Versorgung unter Druck: Ausfälle bei Strom und Wärme, Reparaturen im Notmodus, Risiken für Millionen Einwohner
Nach Angaben des Energieunternehmens DTEK verursachten die Schläge bei minus 25 Grad kritische Schäden an mehreren Wärmekraftwerken. Beschädigungen an Transformatorenknoten und Maschinenhallen legten die Wärmeerzeugung in Bezirken mit Spitzenlasten lahm. Dadurch drohte das Einfrieren von Tausenden Wohngebäuden insbesondere in Kiew, Charkiw und Dnipro. Einschließlich betroffener Kreise in den Oblasten Sumy, Winnyzja und Odessa waren in der Kälte bis zu eine Million Menschen ohne stabile Wärmeversorgung. Parallel führten Angriffe auf Pumpstationen zu zusätzlichen Versorgungsunterbrechungen. Die Netzbetreiber sprachen von einer Stabilisierung unter Vorbehalt weiterer Angriffe.
Militärisch kombinierten die Angreifer laut ukrainischen Stellen Drohnenschwärme zur Sättigung der Luftverteidigung mit anschließenden Salven ballistischer Raketen. Beobachtungen der Flugbahnen weisen auf zielgerichtete Schläge nicht nur auf Erzeugungsanlagen, sondern auch auf Verteilknoten und Umspannwerke hin. Fachleute verweisen zudem auf das wiederholte Auftreten ausländischer Elektronik in neueren Raketentypen, teils mit Produktionsdaten aus Ende 2025. Das unterstreicht die Debatte über Lücken bei der Kontrolle von Gütern mit doppeltem Verwendungszweck. Ein weiterer Schwerpunkt der Angriffe war Hochspannungsausrüstung mit langen Fertigungs- und Ersatzzyklen. Reparaturteams arbeiten im Notmodus unter winterlichen Bedingungen und dem Risiko weiterer Angriffe.
Politische Brisanz vor Gesprächen in Abu Dhabi und NATO-Besuch, Druck auf Washington und Verbündete
Die Eskalation erhöht den politischen Druck vor anberaumten Gesprächen in Abu Dhabi und einem für Kiew angekündigten Besuch des NATO‑Generalsekretärs Mark Rutte. In Kiew wird der Schlag als Versuch gewertet, die Verhandlungsposition Moskaus durch Störungen im Hinterland kurzfristig zu stärken. Zugleich rücken die Belastungen für die zivile Versorgung während der extremen Kälte in den Mittelpunkt der internationalen Aufmerksamkeit. Für die Partnerstaaten stellt sich die Frage nach zusätzlicher Luftverteidigung und resilienteren Energiekomponenten. Die Angriffe treffen damit einen Bereich, der bereits im Winter 2025/26 stark beansprucht ist. Der zeitliche Ablauf verleiht der Sicherheitslage vor den diplomatischen Terminen zusätzliche Brisanz.
Im transatlantischen Kontext steht auch der Präsident der USA, Donald Trump, unter Erwartungsdruck, nachdem er zuletzt Fortschritte bei der Deeskalation betont hatte. Ukrainische Stimmen sehen in der heutigen Angriffswelle ein Zeichen, dass Moskau humanitäre Appelle ignoriert und vereinbarte Pausen taktisch ausnutzt. Die Darstellung verweist darauf, dass ein sogenanntes Energie‑Moratorium ohne robuste Absicherung die Angriffsfähigkeit des Gegners nicht einschränkt. Für Washington und europäische Hauptstädte gewinnt parallel die Eindämmung von Beschaffungspfaden für Elektronik mit doppeltem Verwendungszweck an Dringlichkeit. Ohne wirksame Abwehr und Kontrolle solcher Komponenten bleibt die Gefahr weiterer großangelegter Schläge bestehen. Die Ereignisse verstärken damit die Diskussion über widerstandsfähige Netze und die langfristige Unterstützung der ukrainischen Energieinfrastruktur.


