Das russische Nachrichtenportal The Insider hat am 2. Oktober ein Investigativstück veröffentlicht, in dem die neuen Korrespondenten der staatlichen Nachrichtenagentur TASS in Wien, Olga Kukla und Maxim Cherevik, mit der russischen Auslandsaufklärung (SWR) in Verbindung gebracht werden. Beide Journalisten trafen im August 2025 in der österreichischen Hauptstadt ein. Ihre Vorgänger, Iwan Popow und Arina Davidjan, waren bereits im Juni 2024 ihre Akkreditierung wegen Spionageverdachts entzogen worden.
Verdächtige Profile der Journalisten
Olga Kukla absolvierte das Moskauer Staatliche Institut für Internationale Beziehungen mit Schwerpunkt Energieökonomie. Sie sammelte praktische Erfahrungen in Unternehmen wie Novatek, Gazprom Geologorazvedka und Transneft und arbeitete später bei Novatek. Vor ihrem Einsatz in Österreich war sie nie journalistisch tätig.
Maxim Cherevik studierte am selben Institut internationale Wirtschaftsbeziehungen, ergänzte seine Ausbildung mit Deutschkursen und Rhetorik und war kurzzeitig als Korrespondent in Peking stationiert. Auffällig ist, dass er dort lediglich vier Meldungen veröffentlichte, bevor er nach Moskau zurückbeordert wurde.
Indizien für enge Verbindung zum Geheimdienst
Recherchen von The Insider deuten auf eine direkte Verbindung der beiden zu Einrichtungen des SWR hin. Kukla und Cherevik bestellten mehrfach Lebensmittel an Adressen in Moskau, die bekannten Wohnanlagen von Geheimdienstoffizieren zugeordnet sind. Darüber hinaus stand Cherevik kurz vor seiner Abreise nach Wien in Kontakt mit Swetlana Strelkowa, einer früheren Agentin, die unter dem Deckmantel von Aeroflot in Deutschland tätig gewesen sein soll und heute an der Akademie des SWR lehrt.
Wien als Zentrum russischer Geheimdienstaktivität
Wien gilt seit dem Kalten Krieg als einer der wichtigsten Standorte für russische Spionage. Die österreichische Hauptstadt beherbergt zahlreiche internationale Organisationen wie die IAEA und die OSZE. Diese Dichte an diplomatischen Vertretungen und internationalen Strukturen bietet ideale Voraussetzungen für Informationsgewinnung und Einflussoperationen.
Angesichts der fachlichen Hintergründe von Kukla und Cherevik – beide mit Spezialisierung auf Energie und Wirtschaft – sehen Experten mögliche Ziele ihrer Tätigkeit insbesondere in Fragen der europäischen Energiesicherheit, in der Arbeit großer Energiekonzerne sowie in Bezug auf internationale Sanktionen gegen Russland.
Zunehmende hybride Operationen
Parallel zur Eskalation des Krieges in der Ukraine intensiviert Moskau seine hybriden Aktivitäten in Europa. Neben Cyberangriffen und Desinformationskampagnen registrierten Organisationen wie Globsec und das Internationale Zentrum zur Terrorismusbekämpfung seit 2022 mindestens 110 Fälle von Sabotageakten oder -versuchen mit bestätigtem Russlandbezug. Diese reichen von Brandanschlägen bis zu physischen Angriffen auf kritische Infrastruktur.
Druck auf Österreichs Behörden wächst
Die Enthüllungen erhöhen den Druck auf die österreichischen Behörden, ihre Gegenspionage zu verstärken. Ein verstärkter Fokus auf die Aktivitäten russischer Diplomaten und Journalisten gilt als notwendig, um eine Unterwanderung von Behörden und Unternehmen zu verhindern.
Zuletzt sorgte ein Fall innerhalb der OMV für Aufsehen: Ende September entließ das Unternehmen einen leitenden Mitarbeiter, nachdem dieser im Verdacht stand, für Russland zu spionieren. Der Verdächtige war durch Kontakte zu einem Mitarbeiter der russischen Botschaft aufgefallen.


