Am 2. September 2025 berichteten mehrere russische Medien, darunter Kommersant und TASS, dass Wladimir Putin bei einem Treffen in Peking mit dem slowakischen Premierminister Robert Fico vorgeschlagen habe, die Lieferung von Gas und Strom in die Ukraine einzustellen. Putin erklärte, die Ukraine erhalte erhebliche Mengen an Energie über ihre Nachbarländer in Osteuropa. Ein Stopp dieser Lieferungen solle Kyjiw klarmachen, dass es „Grenzen“ beim Eingriff in fremde Interessen gebe.
Kontext des Treffens in Peking
Putins Empfehlung erfolgte, nachdem Fico über Angriffe auf die Pipeline „Druschba“ geklagt hatte. Diese Leitung versorgt weiterhin sowohl die Slowakei als auch Ungarn mit russischem Öl und war im August mehrfach Ziel ukrainischer Drohnenattacken. Putin betonte, Russland habe lange „Geduld gezeigt“ und beginne nun, auf Angriffe auf seine Energieinfrastruktur „ernsthaft“ zu reagieren. Kyjiw ist aufgrund massiver russischer Luftangriffe gezwungen, Strom aus den Nachbarstaaten zu importieren. Die Slowakei spielt dabei eine Schlüsselrolle: Im Februar 2025 bezog die Ukraine 7,3 Millionen Kubikmeter Gas von dort, weitere Mengen kamen aus Ungarn und Polen.
Energieabhängigkeit und politischer Druck
Die Slowakei zählt neben Ungarn und Polen zu den wichtigsten Versorgern der Ukraine mit Gas und Elektrizität. Bratislava kann laut Vertrag jährlich bis zu 150 Megawatt Strom exportieren. Nach dem Auslaufen des Transitabkommens zwischen Gazprom und Naftogaz am 31. Dezember 2024 wird russisches Gas für die Slowakei nur noch über den „Turkish Stream“ geliefert. Ficos Haltung gegenüber Moskau wird nach Einschätzung von Analysten auch durch die günstigen Preise für russisches Gas geprägt, die unter dem internationalen Marktniveau liegen. Dies verstärkt die Abhängigkeit Bratislavas und gibt dem Kreml politischen Einfluss.
Einschätzung und Folgen
Putins Worte sind als Druckmittel gegen Kyjiw zu verstehen – wenige Tage vor einem geplanten Treffen zwischen Fico und Präsident Wolodymyr Selenskyj, bei dem die Sicherheit der Pipeline „Druschba“ sowie die Energieversorgung Thema sein sollen. Ukrainische Experten betonen, dass das Land nicht ausschließlich von slowakischen Lieferungen abhängt. Ein Lieferstopp würde auch die Slowakei selbst treffen, während die Ukraine alternative Versorgungsquellen erschließen könnte. Beobachter sehen in Putins Vorgehen einen klassischen Fall von „Energie als Waffe“. Ziel sei es, die europäische Einheit zu schwächen und die Unterstützung für die Ukraine zu untergraben.
Strategische Dimension
Die Situation verdeutlicht die Risiken einer anhaltenden Energieabhängigkeit von Russland. Bereits seit Jahren nutzt der Kreml Schwankungen bei Preisen, Mengen und Routen, um politischen Druck aufzubauen. Die jüngsten Spannungen zeigen, wie eng Energiepolitik und geopolitische Stabilität in Europa verknüpft sind. Experten verweisen darauf, dass ein vollständiger Verzicht auf russische Energieträger langfristig die einzige Möglichkeit darstellt, die europäische Sicherheit zu gewährleisten.


