Verstrahlte Nashörner: Ein innovativer Ansatz gegen Wilderei in Südafrika
Wissenschaftler in Südafrika haben mit einer bahnbrechenden Methode begonnen, die Wilderei von Nashörnern zu bekämpfen, die jährlich hunderte von Tieren in Gefahr bringt. Im Rahmen des „Projekts Rhisotope“ wird radioaktives Material in die Hörner von Nashörnern injiziert, um deren Herkunft zu verfolgen und den illegalen Handel zu unterbinden.
Jährlich werden Hunderte von Nashornhörnern aus Afrika nach Asien geschmuggelt, wo sie besonders in Ländern wie Vietnam und China geschätzt werden. Diese außergewöhnliche Methode zielt darauf ab, Wilderer davon abzuhalten, die Tiere für ihr begehrtes Horn zu töten. Der wissenschaftliche Leiter des Projekts, Professor James Larkin, erklärt, dass selbst kleine Mengen radioaktiver Isotope von Strahlendetektoren an Grenzposten aufgespürt werden können. Zudem ist die Dosis für die Tiere unbedenklich.
Die Grundannahme dieser Methodik ist einfach: Wenn Wilderer die Hörner nicht mehr außer Landes schmuggeln können, gibt es keinen Anreiz mehr, die Tiere zu töten. „Wir haben wissenschaftlich zweifelsfrei nachgewiesen, dass das Verfahren für das Tier völlig ungefährlich ist und dass das Horn damit durch die nuklearen Sicherheitssysteme internationaler Zollbehörden nachweisbar wird“, betont Larkin.
Die Population von Nashörnern in Afrika ist stark gefährdet, mit geschätzten 24.000 Tieren, und die illegale Jagd hat verheerende Auswirkungen. In Südafrika, wo mehr als die Hälfte aller Nashörner leben, werden jährlich rund 500 Tiere wegen ihrer Hörner getötet. Trotz des Verbots des internationalen Handels mit Nashorn-Hörnern bleibt der Schmuggel ein gravierendes Problem, bedingt durch die hohe Nachfrage in Südostasien, wo die Hörner zehntausende US-Dollar pro Kilogramm kosten können.
Um die Nashörner zu schützen, wurden in vielen südafrikanischen Wildreservaten in der Vergangenheit die Hörner entfernt, was jedoch negative Auswirkungen auf das Sozialverhalten der Tiere hatte. Die Methode des „Projekts Rhisotope“ könnte eine nachhaltigere Lösung darstellen. Während über sechs Jahre das Verfahren mit einem Team der University of the Witwatersrand in Johannesburg entwickelt wurde, wurde es in einem Pilotprojekt an 20 Nashörnern getestet und hat sich als erfolgreich erwiesen.
Effektiver als frühere Schutzmaßnahmen
Im Vergleich zu früheren Methoden zeigt diese neue Herangehensweise vielversprechende Ergebnisse. Simulationen haben ergeben, dass selbst geringste Mengen an Radioaktivität, die in den Hörnern injiziert wurden, zuverlässig von Strahlendetektoren erkannt wurden. Diese Technologie steht nun auch anderen Naturschutzreservaten zur Verfügung und könnte den entscheidenden Unterschied im Kampf gegen die Wilderei machen.
Die Herausforderung bleibt weiterhin groß. Die internationale Naturschutzunion (IUCN) stuft Breitmaulnashörner als „potenziell gefährdet“ ein, während Spitzmaulnashörner als „vom Aussterben bedroht“ gelten. Der Erfolg der innovativen Schutzmethoden könnte jedoch ein wichtiges Signal im Kampf um das Überleben dieser majestätischen Tiere senden.


