Russische Hacker haben E‑Mail‑Konten und Zugangsdaten britischer Staatsbediensteter sowie von Mitarbeitern kritischer Infrastrukturen erbeutet und die gestohlenen Daten im Darknet zum Verkauf angeboten. Betroffen sind unter anderem Angestellte der britischen Botschaften in Thailand und Mauritius sowie Beamte in der Grafschaft Derbyshire und in London. Die Angreifer verlangen rund 60 000 US‑Dollar für den Zugang zu den kompromittierten Konten.
Nach Informationen der britischen Zeitung „The Telegraph“ haben die Hacker bei dem Angriff mehr als 80 000 Firewalls des Sicherheitsunternehmens Fortinet infiltriert. Die gestohlenen Daten ermöglichen den Zugriff auf IT‑Systeme von Organisationen, die für die britische kritische Infrastruktur essenziell sind. Dazu zählen Energieunternehmen sowie die staatliche Gesundheitsbehörde National Health Service (NHS), die Apotheken, Labore und Zulieferer für Medikamente betreibt.
Sicherheitsexperten zufolge stammen die Angreifer aus Russland. Die britischen Behörden gehen davon aus, dass die Regierung in Moskau die Aktivitäten solcher Hackergruppen entweder stillschweigend duldet oder direkt koordiniert. Der Verkauf der gestohlenen Daten im Darknet zeige, wie eng russische Staatsstellen mit transnationaler organisierter Kriminalität zusammenarbeiteten.
Ziel: Kritische Infrastruktur und Gesundheitssystem
Besonders schwer wiegt der Zugriff auf Systeme des NHS. Sollten die Hacker in der Lage sein, die Versorgung mit Medikamenten oder den Betrieb von Krankenhäusern zu stören, könnte dies unmittelbare Gefahr für Patienten bedeuten. Die Attacke geht über klassische Spionage hinaus und wird als gezielter Angriff auf die humanitäre Sicherheit des Landes gewertet. Auch Energieunternehmen sind Ziel: Russland setze damit seine traditionelle Politik des Energiedrucks nun im digitalen Raum fort, warnen Experten.
Großbritannien ist nicht der einzige Adressat solcher Angriffe. Bereits zuvor hatten Deutschland, Polen und Dänemark über Cyberoperationen aus Russland berichtet. Die Vorfälle reihen sich in eine Serie systematischer Attacken ein, die westliche Demokratien in einer anhaltenden hybriden Auseinandersetzung mit Moskau sehen. Ziel sei es, Chaos zu stiften, das Vertrauen in staatliche Institutionen zu untergraben und die Unterstützung der europäischen Länder für die Ukraine zu schwächen.
Hintergrund und Reaktionen
Der jüngste Vorfall unterstreicht die Notwendigkeit, Cybersicherheitsstrategien zu verschärfen. Die deutsche Welle berichtete über die Erkenntnisse der britischen Ermittler. Bisher gibt es keine offizielle Stellungnahme der britischen Regierung zu dem Vorfall. Die betroffenen Behörden arbeiten eigenen Angaben zufolge daran, die Sicherheitslücken zu schließen und die kompromittierten Systeme zu überprüfen.
Beobachter fordern, dass Angriffe auf Energie‑ und Gesundheitseinrichtungen künftig als bewaffneter Angriff betrachtet werden sollten – mit entsprechenden politischen und rechtlichen Konsequenzen für die Verantwortlichen in Russland. Die Diskussion über eine härtere Gangart gegenüber Cyberkriminalität und ihre staatliche Förderung wird in der EU und der NATO zunehmend lauter.


