Russisches Verteidigungsministerium will Zahlungen von verurteilten Soldaten zurückfordern

September 9, 2026 16:05
Russisches Verteidigungsministerium will Zahlungen von verurteilten Soldaten zurückfordern
Russisches Verteidigungsministerium will Zahlungen von verurteilten Soldaten zurückfordern

Das russische Verteidigungsministerium hat einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der die teilweise Rückzahlung bereits gewährter Einmalzahlungen durch verurteilte Soldaten vorsieht. Betroffen wären Angehörige der russischen Streitkräfte und der Nationalgarde, die wegen Straftaten verurteilt wurden, ihre Freiheit aber nicht verlieren und weiterhin im Dienst bleiben. Die Regelung betrifft damit auch Vertragssoldaten, die im russischen Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden.

Über den Entwurf wurde am 8. September 2026 berichtet. Nach den vorliegenden Angaben geht es um staatliche Einmalzahlungen in Höhe von 195.000 oder 400.000 Rubel. Der zurückzufordernde Betrag soll sich danach richten, wie viele Monate bis zum Ende des jeweiligen Vertrags noch verbleiben. Je länger die vertragliche Bindung zum Zeitpunkt der Verurteilung dauert, desto höher könnte damit der zu erstattende Anteil ausfallen.

Die geplante Regelung ist in einem Bericht über den Gesetzentwurf des russischen Verteidigungsministeriums mit einer angeblichen „Erhöhung der Motivation zur Einhaltung der Gesetzgebung“ begründet worden. Eine Rückzahlung wäre demnach nicht an eine Entlassung aus dem Militärdienst gebunden. Auch Soldaten, die nach einer Verurteilung weiter eingesetzt werden, könnten einen Teil der zuvor erhaltenen staatlichen Unterstützung verlieren.

Rückforderung nach einer Verurteilung

Der Entwurf zielt auf Fälle, in denen ein Militärangehöriger wegen einer Straftat verurteilt wurde, ohne dass ein Freiheitsentzug angeordnet wurde. Nach der Darstellung der Initiative soll die finanzielle Sanktion zusätzlich zu den bestehenden rechtlichen Folgen greifen. Die Zahlung, die ursprünglich mit dem Abschluss eines Vertrags oder der Teilnahme am Einsatz verbunden war, würde damit nachträglich teilweise in eine rückforderbare Leistung umgewandelt.

In den vorliegenden Angaben werden als mögliche Anwendungsfälle unter anderem Desertion, das eigenmächtige Verlassen einer Militäreinheit und die Nichtbefolgung von Befehlen genannt. Der Entwurf selbst wird dabei als Versuch dargestellt, auf Verstöße gegen das Militär- und Strafrecht mit einem finanziellen Druckmittel zu reagieren. Ob und in welchem Umfang die genannten Delikte in den vergangenen Monaten zugenommen haben, wird durch die Initiative allein jedoch nicht quantifiziert.

Die geplante Rückzahlung würde sich nicht an einem einheitlichen festen Abzug orientieren. Maßgeblich soll vielmehr die verbleibende Vertragsdauer sein. Damit wäre die Höhe der Forderung vom Zeitpunkt der Verurteilung und von der ursprünglichen Vertragslaufzeit abhängig. Der Mechanismus soll die Rückführung eines Teils der staatlichen Einmalzahlung in den föderalen Haushalt ermöglichen.

Finanzielle Verpflichtungen des Staates

Die Maßnahme fällt in eine Phase, die in den vorliegenden Einschätzungen mit einem wachsenden Defizit im russischen Staatshaushalt verbunden wird. Experten werden mit der Einschätzung wiedergegeben, dass die Rückforderung nicht nur disziplinarischen Zwecken dienen könnte, sondern auch dem Ziel, Ausgaben für Militärangehörige zu verringern. Eine konkrete Summe, die der Staat durch die Regelung einsparen würde, ist in den Angaben nicht genannt.

Die bisherige Konstruktion der Einmalzahlungen sollte Vertragssoldaten finanzielle Anreize für den Dienst bieten. Der neue Entwurf würde diese Zahlungen unter bestimmten Bedingungen nachträglich teilweise entziehbar machen. Aus einer ursprünglich zugesagten Unterstützung könnte damit eine Leistung werden, deren endgültige Höhe erst nach dem weiteren Verlauf des Dienstverhältnisses und einem möglichen Strafverfahren feststeht.

In den vorliegenden Thesen wird dieser Schritt als Verschiebung eines Teils der finanziellen Lasten des lang andauernden Kriegseinsatzes auf die Soldaten beschrieben. Die russischen Behörden würden demnach nicht nur neue Ausgaben begrenzen, sondern auch bereits ausgezahlte Mittel wieder in den Haushalt zurückführen. Ob der Gesetzentwurf in dieser Form verabschiedet wird, geht aus den Angaben nicht hervor.

Druck auf Vertragssoldaten

Die Initiative verbindet finanzielle Nachteile mit der Einhaltung straf- und militärrechtlicher Vorgaben. Das Verteidigungsministerium könnte damit neben disziplinarischen Maßnahmen ein weiteres Instrument gegen Soldaten erhalten, die gegen Befehle oder Dienstpflichten verstoßen. In den vorliegenden Bewertungen wird die Regelung als Reaktion auf Probleme bei der Aufrechterhaltung von Disziplin in den russischen Streitkräften eingeordnet.

Genannt werden dabei insbesondere Fälle von Desertion, eigenmächtigem Entfernen aus Einheiten und Befehlsverweigerung. Die finanzielle Rückforderung soll den betroffenen Vertragssoldaten nicht aus dem Dienst entfernen, sondern einen Teil der früheren Zahlungen an den Staat zurückführen. Der Entwurf setzt damit auf eine materielle Sanktion, die neben die bereits bestehenden Strafen tritt.

Für die betroffenen Soldaten verändert sich dadurch die Bedeutung der bei der Rekrutierung zugesagten Zahlungen. Werden diese nach einer Verurteilung teilweise zurückgefordert, hängt die tatsächliche finanzielle Absicherung nicht mehr allein vom Vertragsabschluss und der geleisteten Dienstzeit ab. Die genaue Berechnung soll sich nach den verbleibenden Monaten des Vertrags richten.

Die russische Führung begründet den Vorschlag offiziell mit der Motivation zur Einhaltung der Gesetze. Zugleich wird die Maßnahme in den vorliegenden Analysen als Teil eines Versuchs beschrieben, die Kosten des Militäreinsatzes zu begrenzen. Die weitere Behandlung des Gesetzentwurfs und seine mögliche Umsetzung bleiben offen.

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