Serbien will im Oktober 2025 einen neuen Gasliefervertrag mit Moskau unterzeichnen, der eine Laufzeit von drei Jahren vorsieht. Das Abkommen umfasst jährlich 2,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas und vertieft die Abhängigkeit Belgrads von russischen Energieträgern. Laut Mi-Ukraine zeigt sich Serbien damit als eines der wenigen europäischen Länder, das trotz des EU-Kurses weiter auf russisches Gas setzt.
Serbiens begrenzte Diversifizierung
Offiziell verweist die serbische Regierung auf Diversifizierungsmaßnahmen. So wurde ein Vertrag mit Aserbaidschan über die tägliche Lieferung von 2,5 Millionen Kubikmetern Gas geschlossen. Gleichzeitig sollen jedoch täglich 9,5 Millionen Kubikmeter aus Russland importiert werden – ein deutliches Übergewicht zugunsten Moskaus. Das nationale Speicherpotenzial ist begrenzt: Das unterirdische Lager in Serbien fasst 780 Millionen Kubikmeter, ergänzt durch mögliche 200 Millionen Kubikmeter aus Ungarn.
Russische Kontrolle im Energiesektor
Die russische Einflussnahme geht über Gas hinaus. Der Mehrheitsanteil an der serbischen Ölgesellschaft NIS liegt in den Händen von Gazpromneft und Gazprom. Diese Unternehmen sind bereits von europäischen Sanktionen betroffen, doch Belgrad unternimmt Anstrengungen, Einschränkungen abzumildern, anstatt sich von Russland zu lösen. Damit bleibt Serbien auch im Ölsektor abhängig.
Widerspruch zu EU-Sanktionen und Beitrittszielen
Mit dem neuen Gasvertrag unterläuft Serbien die Sanktionspolitik der Europäischen Union. Brüssel fordert von Kandidatenländern die Anpassung an die europäische Linie, insbesondere nach der Vorstellung des 19. EU-Sanktionspakets gegen Russland am 19. September 2025. Dieses sieht unter anderem ein Importverbot für verflüssigtes russisches Gas bis 2027, Transaktionsverbote für Rosneft und Gazpromneft sowie eine Ölpreisobergrenze vor. Die serbische Haltung signalisiert jedoch, dass es möglich ist, Brüssels Vorgaben zu umgehen und gleichzeitig am EU-Kurs festzuhalten – ein Präzedenzfall mit Sprengkraft für andere Beitrittskandidaten und anfällige Mitgliedstaaten.
Risiko für die europäische Energiesicherheit
Die fortgesetzte Abhängigkeit Serbiens von russischen Energielieferungen gibt Moskau zusätzliche Hebel zur Einflussnahme in Südosteuropa. Damit wächst die Gefahr, dass Russland nicht nur Belgrad, sondern den gesamten Balkan als geopolitisches Druckmittel einsetzt. Für die EU bedeutet dies ein schwächeres Fundament gemeinsamer Energiepolitik und zusätzliche Unsicherheiten bei der Versorgungssicherheit.


