In Ungarn sorgt ein neuer Skandal um Premierminister Viktor Orbán für Aufsehen, nachdem der unabhängige Abgeordnete Ákos Hadházy Fotos eines im Bau befindlichen Anwesens in Hatvanpuszta veröffentlichte. Die Aufnahmen zeigen unter anderem einen Palmengarten und einen privaten Zoo. Laut dem für das Kanzleramt zuständigen Minister Gergely Gulyás handle es sich dabei um einen „Gutshof“, Orbán selbst spricht von der noch nicht fertiggestellten Farm seines Vaters.
Fotos und Vorwürfe des Abgeordneten
Hadházy stellte auch ältere Bilder online, die ein Arbeiter vor vier Jahren aufgenommen haben soll. Nach seinen Angaben mussten Bauarbeiter ihre Telefone abgeben und wurden bedroht, um weitere Aufnahmen zu verhindern. Auf den Fotos sind unter anderem Heizkabel unter dem Pflaster eines Parks zu erkennen, um Schneeräumung zu vermeiden. Ebenfalls sichtbar: ein unterirdischer, mit Ziegeln ausgekleideter Gang, der verschiedene Gebäude verbindet.
Tausende Besucher bei improvisierter „Besichtigung“
Am Wochenende organisierte Hadházy eine geführte Besichtigung des Geländes. Tausende Menschen nutzten die Gelegenheit, um einen Blick auf das umzäunte Areal zu werfen. Zu sehen waren neben einer Kapelle, einer Bibliothek, einem unterirdischen Parkhaus, Springbrunnen und einem Teich auch zahlreiche exotische Tiere wie Zebras, Antilopen und Büffel. Ungarische Medien verglichen die Szenerie mit den ersten Eindrücken, als Demonstranten nach dem Sturz des ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch dessen luxuriöse Residenz besichtigten.
Abriss historischer Gebäude und offizielle Dementis
Laut Hadházy mussten für den Bau des Anwesens klassizistische Baudenkmäler weichen. Orbán und Regierungsvertreter betonen jedoch, es handele sich ausschließlich um die Farm des Vaters. Energiezertifikate, die Hadházy einsehen konnte, weisen hingegen auch ein Wohngebäude aus.
Politische Reaktionen und mögliche Ermittlungen
Péter Magyar, Vorsitzender der Oppositionspartei „Tisza“ und einer der Hauptgegner Orbáns bei den kommenden Wahlen, kündigte an, im Falle eines Regierungswechsels umfassende Untersuchungen zu Vermögenswerten aller ehemaligen Regierungsmitglieder und deren Angehörigen einzuleiten. Diese Ermittlungen sollen auch das Anwesen in Hatvanpuszta einschließen.
Hintergrund: Proteste gegen Orbáns Politik
In den vergangenen Monaten gab es in Ungarn wiederholt Massenproteste gegen umstrittene Gesetze der Regierung. Dazu zählen ein Gesetz gegen NGOs und unabhängige Medien sowie ein Verbot von LGBT-Prides. Das Parlament verabschiedete zudem Verfassungsänderungen, die die Rechte der LGBT-Community einschränken. Oppositionsparteien und Demonstranten in Budapest lehnten diese Änderungen geschlossen ab. Ein weiteres Gesetz zur „Transparenz des öffentlichen Lebens“ erlaubt es der Behörde zum Schutz der Souveränität, Organisationen mit ausländischer Finanzierung, darunter auch EU-geförderte Projekte, als Bedrohung einzustufen und auf eine schwarze Liste zu setzen.


