Am 18. August 2025 hat der ungarische Außenminister Péter Szijjártó angedeutet, dass Ungarn die Stromlieferungen an die Ukraine einstellen könnte, obwohl diese Geschäfte auf rein kommerzieller Basis erfolgen. Die Erklärung veröffentlichte er in einem Facebook-Beitrag, als Reaktion auf Äußerungen seines ukrainischen Amtskollegen Andrij Sybiha.
Ungarns Energie als politisches Druckmittel
Szijjártó betonte, dass die ungarischen Interessen für ihn oberste Priorität hätten und erinnerte daran, dass Russland seit Jahrzehnten Öl über die Pipeline „Druzhba“ nach Ungarn liefert. Jede Störung dieses Systems durch die Ukraine sei für Budapest inakzeptabel. Gleichzeitig verwies er darauf, dass ein erheblicher Teil des ukrainischen Stroms aus Ungarn stamme. Kiew reagierte mit dem Vorwurf, dass Ungarn Energie als Instrument politischen Drucks missbrauche, was im Kontext des Krieges einer Unterstützung des Kremls gleichkomme.
Reaktionen in der EU und geopolitischer Kontext
Die Europäische Union sieht die Versorgung der Ukraine mit Energie als Teil der gemeinsamen Unterstützung gegen die russische Aggression. Drohungen einzelner Mitgliedstaaten widersprechen nach Ansicht von Brüssel den Prinzipien europäischer Solidarität und schwächen die kollektive Strategie gegenüber Moskau. Beobachter weisen zudem darauf hin, dass Ungarns Abhängigkeit von russischen Energielieferungen – Gas und das Projekt des Kernkraftwerks „Paks-2“ – Budapest besonders anfällig für politische Einflussnahme aus Moskau macht.
Auswirkungen auf die Energiesicherheit
Die Ukraine betont, dass sie auch im Falle ungarischer Einschränkungen den Strombedarf durch Kooperation mit anderen europäischen Partnern decken könne, da sie ins kontinentaleuropäische Netz ENTSO-E integriert ist. Für die eigene Energiesicherheit sei die ungarische Position daher nicht kritisch, doch stelle das Verhalten Budapests die Verlässlichkeit Ungarns als Partner in Frage. Gleichzeitig bleibt Ungarn als Teil des europäischen Strommarktes verpflichtet, Verantwortung gegenüber der EU-Energieinfrastruktur zu tragen. Einseitige Schritte würden als Unterminierung der gemeinsamen Energiepolitik bewertet.


