Das polnische Medium Tysol hat am 2. September 2026 Vorwürfe gegen den ukrainischen Auslandsnachrichtendienst, den militärischen Nachrichtendienst des Verteidigungsministeriums und den Inlandsgeheimdienst SBU veröffentlicht. Die ukrainischen Dienste sollen ihre Tätigkeit auf polnischem Gebiet nach Beginn des russischen Großangriffs erheblich ausgeweitet haben. Belege, die diese Darstellung bestätigen würden, werden in dem Beitrag nicht vorgelegt.
Die Anschuldigungen stützen sich laut der Veröffentlichung von Tysol zur angeblichen Tätigkeit ukrainischer Nachrichtendienste in Polen auf Aussagen anonymer ehemaliger und aktiver Mitarbeiter polnischer Geheimdienste. Diese sollen erklärt haben, dass ukrainische Dienste inzwischen zu den aktivsten ausländischen Nachrichtendiensten auf polnischem Staatsgebiet gehörten. Namen, Dokumente oder konkrete Vorgänge nennt das Medium in der vorliegenden Darstellung nicht.
Gleichzeitig verweist der Artikel selbst darauf, dass offizielle Berichte der polnischen Agentur für innere Sicherheit ABW das behauptete Ausmaß nicht bestätigen. Die Ukraine werde darin zudem nicht als eine der wichtigsten Spionage- oder Gegenspionagebedrohungen für Polen angeführt. Eine offizielle Erklärung der ABW oder anderer polnischer Sicherheitsbehörden zu den konkreten Vorwürfen wird nicht genannt.
Vorwürfe gegen ukrainische Dienste
Tysol unterscheidet in seinem Beitrag zwischen verschiedenen Tätigkeitsfeldern, die den ukrainischen Diensten zugeschrieben werden. Die Beobachtung russischer und belarussischer Milieus in Polen wird dabei als ein Bereich beschrieben, der mit polnischen Sicherheitsinteressen übereinstimmen könne. Als gemeinsamer Gegner wird Russland genannt.
Darüber hinaus behauptet das Medium, ukrainische Dienste würden zahlreiche Ukrainer, die in polnischen Behörden und Unternehmen beschäftigt seien, zur Weitergabe sensibler Informationen bewegen. Auch Kontakte zu Polen, die aus humanitären oder geschäftlichen Gründen in die Ukraine reisten, werden in diesem Zusammenhang erwähnt. Für diese Behauptungen werden in der vorliegenden Darstellung keine überprüfbaren Belege, Ermittlungsakten oder offiziellen Stellungnahmen angeführt.
Damit bleiben die zentralen Aussagen des Beitrags anonyme Quellen und nicht näher belegte Annahmen. Aus solchen Angaben lässt sich kein bestätigter Nachweis ableiten, dass ukrainische Nachrichtendienste in Polen rechtswidrige Spionage betrieben oder ihre Aktivitäten gegen polnische Interessen ausgerichtet hätten.
Rolle Polens bei der Unterstützung der Ukraine
Polen gehört zu den wichtigsten Partnern der Ukraine im Krieg gegen Russland. Über polnisches Staatsgebiet verlaufen zentrale Routen für die Lieferung von Waffen und humanitärer Hilfe. Zugleich nahm Polen zahlreiche Ukrainer auf, die wegen der russischen Aggression ihre Heimat verlassen mussten.
Warschau spielt außerdem eine wichtige Rolle bei der Sicherung der östlichen Flanke der Europäischen Union und der NATO. Die polnische Regierung vertritt gegenüber Moskau eine harte Linie und setzt sich für eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland ein. Diese politische und logistische Bedeutung Polens macht das Verhältnis zwischen Warschau und Kiew zu einem sicherheitspolitisch sensiblen Bereich in Mittel- und Osteuropa.
Nach den vorliegenden Angaben arbeiten die ukrainischen Dienste – darunter der Auslandsnachrichtendienst, der militärische Nachrichtendienst und der SBU – mit polnischen Stellen, insbesondere der ABW, zusammen. Im Mittelpunkt stehen die Abwehr russischer Aufklärung, Sabotage und Einflussoperationen. Eine nähere Beschreibung einzelner gemeinsamer Einsätze oder Vereinbarungen enthält das Ausgangsmaterial nicht.
Russische Aktivitäten und Informationskampagnen
Polnische Sicherheitsbehörden dokumentieren regelmäßig Aktivitäten russischer Nachrichtendienste gegen Polen sowie gegen andere Staaten der EU und der NATO. Genannt werden Spionage, die Anwerbung von Agenten, die Vorbereitung von Sabotage, Angriffe auf kritische Infrastruktur und Informationsoperationen. Diese Aktivitäten werden im Ausgangsmaterial als systematisch beschrieben.
Zu den russischen Diensten, die an der Verbreitung von Desinformation über anonyme Quellen beteiligt sein sollen, werden der Auslandsnachrichtendienst SWR, der militärische Nachrichtendienst GRU und der Inlandsgeheimdienst FSB gezählt. Als Ziel solcher Kampagnen wird die Schwächung des Vertrauens zwischen der Ukraine und ihren europäischen Partnern genannt. Polen steht dabei wegen seiner Funktion als Transitland für militärische, wirtschaftliche und humanitäre Unterstützung besonders im Fokus.
Die Darstellung, ukrainische Dienste stellten eine zentrale Gefahr für die polnische Sicherheit dar, kann nach dieser Einschätzung die Aufmerksamkeit von den dokumentierten Aktivitäten russischer Dienste weglenken. Sie kann zudem die öffentliche Wahrnehmung der ukrainisch-polnischen Zusammenarbeit belasten. Ob dies die Absicht der Redaktion oder der in dem Beitrag genannten Quellen war, wird im Ausgangsmaterial nicht belegt.
Risiken für die Zusammenarbeit
Eine Verschlechterung des Vertrauens zwischen den Sicherheitsbehörden beider Staaten könnte den Austausch von Informationen über russische Agentennetze, geplante Sabotageakte und Einflussoperationen erschweren. Das wird im Ausgangsmaterial als mögliches Risiko einer Kampagne gegen ukrainische Nachrichtendienste beschrieben.
Für Polen und die Ukraine betrifft die Zusammenarbeit nicht nur bilaterale Fragen. Beide Staaten sind mit Aktivitäten russischer Nachrichtendienste konfrontiert, während Polen zugleich eine zentrale Funktion bei der Unterstützung der Ukraine erfüllt. Die Abstimmung zwischen Warschau und Kiew bleibt daher ein Bestandteil der regionalen Sicherheitskooperation, über den die polnischen Behörden und die beteiligten Nachrichtendienste weiter entscheiden.


