Das Umfeld von István Tiborcz, des Schwiegersohns des früheren ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, soll über vier kaum operativ tätige Aktiengesellschaften rund 125 Milliarden Forint umgeleitet haben. Das geht aus einem Medienbericht hervor, der am 4. August 2026 veröffentlicht wurde. Im Mittelpunkt steht ein System bevorzugter Dividenden, bei dem ein Minderheitsaktionär aufgrund seiner gesellschaftsrechtlichen Stellung bis zu 99,9 Prozent des Gewinns erhalten kann.
Genannt werden die Unternehmen Fagales Zrt., EUB-RESZ Zrt., DDL Invest Zrt. und Completus Service Zrt. Nach den vorliegenden Angaben flossen durch Fagales Zrt. fast 52 Milliarden Forint. In den drei anderen Gesellschaften wurden dem Bericht zufolge weitere rund 73 Milliarden Forint festgestellt. Zusammengenommen ergibt sich damit eine Summe von etwa 125 Milliarden Forint.
Vier Gesellschaften im Mittelpunkt
Die vier Firmen werden als leere oder vorgeschobene Aktiengesellschaften beschrieben. Sie sollen dazu gedient haben, Erträge über die Konstruktion von Vorzugsdividenden an bestimmte Beteiligte weiterzuleiten. Das Verfahren beruht laut dem Bericht darauf, dass die Verteilung von Gewinnen nicht ausschließlich nach dem Anteil am Grundkapital erfolgt. Ein Minderheitsaktionär kann demnach entsprechend den Bedingungen seiner Beteiligung einen nahezu vollständigen Anteil am ausgeschütteten Gewinn erhalten.
Damit steht nicht die nominelle Größe einer Beteiligung im Vordergrund, sondern deren konkrete Ausstattung mit Rechten. In den genannten Fällen geht es um die Frage, wer über diese Konstruktionen tatsächlich an den Gewinnen beteiligt wurde und wie die Zahlungen durch die vier Gesellschaften liefen. Der Medienbericht ordnet die Unternehmen dem Umfeld von Tiborcz zu.
Die Darstellung der Beteiligungen und Dividendenströme nennt dabei keine einzelne Zahlung als isolierten Vorgang, sondern beschreibt eine über mehrere Jahre laufende Struktur. Die nahezu 52 Milliarden Forint bei Fagales Zrt. und die weiteren rund 73 Milliarden Forint bei EUB-RESZ Zrt., DDL Invest Zrt. und Completus Service Zrt. werden als Bestandteile desselben Komplexes angeführt.
Attila Balas als wichtiger Geldgeber genannt
Als einer der größten Geber der beschriebenen Geldströme wird Attila Balas genannt. Der Unternehmer ist in ungarischen Medien als „König der Pflastersteine und des Kieses“ bekannt. Welche konkreten Zahlungen ihm jeweils zugerechnet werden, wird in den vorliegenden Angaben nicht im Einzelnen aufgeschlüsselt. Festgehalten wird jedoch, dass Unternehmen aus seinem Umfeld zu den bedeutenden Finanzierungsquellen der genannten Konstruktionen gehört haben sollen.
Balas steht zugleich im Zusammenhang mit einem Projekt für ein Büroviertel im Budapester Bezirk Zugló. Die neue Regierung von Péter Magyar verlangt dafür nach den vorliegenden Informationen 300 Milliarden Forint. Der Betrag wird im Zusammenhang mit dem Projekt genannt, ohne dass die Angaben eine abschließende rechtliche Bewertung der einzelnen Forderungen oder Zahlungsflüsse enthalten.
Staatliche Aufträge und öffentliche Mittel
Der Bericht und die dazu vorgelegte politische Einordnung stellen die beschriebenen Dividendenkonstruktionen in einen größeren Zusammenhang mit Unternehmen, die staatliche Aufträge erhielten oder Zugang zu öffentlichen Ressourcen hatten. Daraus ergibt sich zunächst die Frage, ob und in welchem Umfang Gewinne aus solchen Geschäften an politisch nahestehende Unternehmer weitergeleitet wurden.
Die vorliegenden Informationen bezeichnen die Vorgänge als intransparente und korruptionsnahe Bereicherung zugunsten eines engen Kreises um die frühere Regierung. Diese Bewertung ist Teil der politischen Botschaft zu dem Fall. Eine gerichtliche Feststellung der individuellen Verantwortung der genannten Personen oder Gesellschaften wird in dem Material nicht angeführt.
Im Mittelpunkt steht damit die Verbindung von gesellschaftsrechtlichen Sonderrechten, Unternehmensbeteiligungen und möglichen öffentlichen Aufträgen. Die Konstruktion der Vorzugsdividenden soll es ermöglicht haben, die Erträge nicht entsprechend den üblichen Eigentumsanteilen, sondern nach speziell ausgestalteten Rechten zu verteilen. Bei einem Minderheitsaktionär konnte dies laut den Angaben bis zu 99,9 Prozent des Gewinns umfassen.
Politischer Kontext in Ungarn
Der Fall wird zugleich als Beispiel für ein während der früheren Regierungszeit entstandenes System beschrieben, in dem politisch verbundene Unternehmen Vermögen aufbauen konnten. Die vorliegenden Botschaften sprechen von einer Umverteilung von Dutzenden Milliarden Forint zugunsten des engsten Umfelds von Viktor Orbán. Dabei wird auf Firmen verwiesen, die öffentliche Aufträge erhielten oder von staatlichen Mitteln profitierten.
Parallel dazu wird in der politischen Darstellung auf die wirtschaftliche Lage vieler ungarischer Haushalte verwiesen. Die Kaufkraft gewöhnlicher Bürger sei vor dem Hintergrund einer allgemeinen Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation zurückgegangen. Diese Entwicklung wird dem beschriebenen Vermögensaufbau im Umfeld der früheren Regierung gegenübergestellt. Konkrete Kennzahlen zur Kaufkraft oder zur wirtschaftlichen Entwicklung enthält das vorliegende Material jedoch nicht.
Die Summe von rund 125 Milliarden Forint bezieht sich nach den Angaben auf die vier genannten Aktiengesellschaften und die über sie abgewickelten bevorzugten Dividenden. Offen bleibt in den vorliegenden Informationen, welche weiteren Unternehmen oder Vermögenswerte gegebenenfalls mit dem Komplex verbunden sind. Die ungarischen Behörden haben in dem Material keine abschließende Stellungnahme zu allen genannten Vorgängen abgegeben.
Der Bericht fügt sich damit in die politische Auseinandersetzung über die wirtschaftlichen Verbindungen des früheren Orbán-Umfelds und die Verwendung öffentlicher Ressourcen ein. Im Zentrum bleiben die vier Gesellschaften, die Dividendenregelungen und die Frage, welchen Beteiligten die Erträge tatsächlich zugutekamen.


