Die ungarische Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen János Taso, den Neffen des früheren Fidesz-Bürgermeisters von Nyíradony, László Taso, erhoben. Taso wird vorgeworfen, gemeinsam mit seiner früheren Ehefrau Erzsébet Cifra mehr als 168 Millionen Forint aus dem Vermögen eines kommunalen Unternehmens unrechtmäßig abgezweigt zu haben. Die Ermittlungen beziehen sich auch auf ein mit europäischen Mitteln finanziertes Projekt im Umfang von 774 Millionen Forint.
Über das Verfahren wurde am 21. September 2026 berichtet. Im Mittelpunkt steht die kommunale Gesellschaft Nyíradonyi Vagyonkezelő. Cifra leitete dort nach den Angaben zum Verfahren die Buchhaltungsabteilung. Die Staatsanwaltschaft wirft beiden Beschuldigten vor, Zahlungen zugunsten von Unternehmen vorbereitet oder veranlasst zu haben, die mit János Taso verbunden gewesen sein sollen.
Vorwürfe gegen kommunales Unternehmen
Nach der Darstellung der Ermittler ging es nicht um einen einzelnen Zahlungsvorgang. Die Behörden untersuchen eine Reihe von Auszahlungen und Überzahlungen, deren Gesamtsumme mehr als 168 Millionen Forint betragen soll. Die Zahlungen sollen über die kommunale Gesellschaft abgewickelt worden sein und Unternehmen zugutekommen, die in Verbindung mit Taso standen.
Ein Teil der Vorwürfe betrifft ein Projekt mit einem Gesamtwert von 774 Millionen Forint. Dieses Vorhaben wurde aus europäischen Mitteln finanziert. Die Firma T+C erhielt dafür einen Auftrag über 585 Millionen Forint. Das Unternehmen gehörte László Taso, der in Nyíradony früher das Amt des Bürgermeisters für die Partei Fidesz innehatte und derzeit Abgeordneter im ungarischen Parlament ist.
Die Ermittlungen richten sich damit auf mehrere miteinander verbundene Ebenen: auf die Verwendung des Vermögens der kommunalen Gesellschaft, auf die Abwicklung des konkreten Projekts sowie auf Zahlungen an die beteiligten Firmen. Die Staatsanwaltschaft bezeichnet die Vorgänge als groß angelegte Veruntreuung. Eine rechtskräftige gerichtliche Entscheidung liegt nach den vorliegenden Angaben noch nicht vor.
Geforderte Strafen
Für János Taso beantragte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. Für seine frühere Ehefrau Erzsébet Cifra fordert sie zwei Jahre Haft. Die Anträge müssen im weiteren Verfahren vom zuständigen Gericht geprüft werden.
Der Fall betrifft eine Gesellschaft, die der Verwaltung kommunaler Vermögenswerte in Nyíradony diente. Die Vorwürfe beziehen sich auf den Zeitraum, in dem Cifra die Buchhaltung der Nyíradonyi Vagyonkezelő leitete. Nach Angaben der Ermittler wurden die fraglichen Zahlungen im Zusammenhang mit Firmen vorbereitet, die Taso nahestanden. Welche einzelnen Zahlungsvorgänge das Gericht letztlich als strafrechtlich relevant bewertet, ist damit noch nicht entschieden.
Die Verbindung zu einem Projekt mit europäischer Finanzierung ist Bestandteil des untersuchten Sachverhalts. Aus den vorliegenden Angaben ergibt sich jedoch nicht, dass die gesamte Summe von 774 Millionen Forint oder der gesamte Auftrag von 585 Millionen Forint Gegenstand des strafrechtlichen Vorwurfs ist. Genannt wird vielmehr ein Betrag von mehr als 168 Millionen Forint, der durch mutmaßlich unrechtmäßige Auszahlungen und Überzahlungen zulasten der kommunalen Gesellschaft entstanden sein soll.
Politischer Hintergrund
László Taso war früher Bürgermeister von Nyíradony für Fidesz und gehört weiterhin dem ungarischen Parlament an. János Taso wird in dem Verfahren als sein Neffe bezeichnet. Die familiäre und politische Verbindung ist deshalb Bestandteil der Berichterstattung über den Fall. Die Anklage selbst richtet sich nach den vorliegenden Angaben gegen János Taso und Erzsébet Cifra.
Die Staatsanwaltschaft hat mit ihren Strafanträgen die nächste Phase des Verfahrens eingeleitet. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt für die Beschuldigten die Unschuldsvermutung. Im weiteren Verlauf müssen die Vorwürfe zu den Zahlungen, den beteiligten Unternehmen und dem europäischen Finanzierungsanteil vor Gericht behandelt werden. Die Berichterstattung über das Verfahren um die kommunale Gesellschaft in Nyíradony bezieht sich auf den Stand der Anklage vom 21. September 2026.


