Wem gehört die Budapester Villa? Ein Verkauf von 2018 führt in ein privates Fondsgeflecht

Oktober 15, 2026 13:15
Wem gehört die Budapester Villa? Ein Verkauf von 2018 führt in ein privates Fondsgeflecht
Wem gehört die Budapester Villa? Ein Verkauf von 2018 führt in ein privates Fondsgeflecht

Eine historische Villa in Budapest wurde Ende 2018 für 198 Millionen Forint verkauft – nach damaligem Wechselkurs etwa 540.000 Euro. Eine später genannte Bewertung setzte den Wert des Anwesens jedoch auf 630,9 Millionen Forint an, beinahe zwei Millionen Euro.

Der Käufer war eine Gesellschaft aus dem Umfeld des Medienunternehmers Philip Rákay, der als Moderator zahlreicher Veranstaltungen der ungarischen Regierungspartei Fidesz bekannt ist. Später gelangte die Immobilie in eine Struktur, die mit einem privaten Investmentfonds des Unternehmers Gellért Jászai verbunden ist. Damit verschiebt sich die entscheidende Frage: Nicht nur der ungewöhnlich große Abstand zwischen Verkaufspreis und Bewertung ist erklärungsbedürftig, sondern auch der Weg, den die Villa danach durch verschiedene Eigentümerstrukturen nahm.

Das ungarische Nachrichtenportal Telex berichtete am 14. Oktober 2026 über die Transaktion und ordnete sie in eine Reihe intransparenter Geschäfte mit hochwertigen Immobilien in Budapest ein.

Ein kommunaler Verkauf mit großem Preisabstand

Die Budapester Stadtverwaltung veräußerte die Villa im Dezember 2018 nach einer Ausschreibung. Damals stand die Stadt unter der Führung von István Tarlós. Den Zuschlag erhielt eine Gesellschaft, die mit Rákay verbunden war. Der erzielte Preis entsprach der später zitierten Bewertung zufolge nur ungefähr einem Drittel des Immobilienwerts.

Der Unterschied zwischen 198 Millionen und 630,9 Millionen Forint ist auffällig. Er beweist für sich genommen allerdings weder eine rechtswidrige Transaktion noch eine manipulierte Ausschreibung. Entscheidend wären die Unterlagen des Verfahrens: Welche Bewertung legte die Stadt zugrunde? Welche Bedingungen galten für die Bieter? Wie viele Angebote gingen ein, und aus welchem Grund wurde gerade die Gesellschaft aus Rákays Umfeld ausgewählt?

Bei dem Objekt handelte es sich nicht um eine gewöhnliche Wohnimmobilie. Die Villa besitzt den Status eines historischen Gebäudes und liegt in der ungarischen Hauptstadt. Ihr architektonischer Charakter und ihre Lage geben dem Preisvergleich zusätzliches Gewicht, weil es um kommunales Eigentum von besonderem Wert ging.

Der Weg in eine schwer lesbare Eigentumsstruktur

Nach dem Erwerb blieb die Villa nicht dauerhaft in der ursprünglichen Gesellschaft aus Rákays Umfeld. Später wurde sie an einen privaten Investmentfonds übertragen, der mit Gellért Jászai verbunden ist. Jászai steht an der Spitze des Technologie- und Telekommunikationskonzerns 4iG, der während der Regierungszeit von Viktor Orbán stark gewachsen ist.

Die Verwendung eines privaten Fonds verändert die Sichtbarkeit eines solchen Vermögenswerts. Als formeller Eigentümer kann eine Gesellschaft oder ein Fonds eingetragen sein, während Kontrolle, wirtschaftlicher Nutzen und Entscheidungsbefugnisse an anderer Stelle der Struktur liegen. Werden weitere Unternehmen zwischengeschaltet, wird es für Außenstehende schwieriger, den tatsächlichen wirtschaftlichen Berechtigten und die Bedingungen eines Eigentümerwechsels nachzuvollziehen.

Private Investmentfonds dürfen in Ungarn Immobilien und Unternehmensbeteiligungen halten. Eine verschachtelte Konstruktion ist deshalb nicht automatisch ein Hinweis auf eine Straftat. Sie wirft aber Transparenzfragen auf – besonders dann, wenn ein wertvolles kommunales Objekt zunächst an eine politisch nahestehende Medienpersönlichkeit verkauft wird und anschließend in das Umfeld eines einflussreichen Unternehmers gelangt.

Aus den bisher bekannten Stationen lässt sich nicht ableiten, wer den ursprünglichen Verkauf veranlasste oder ob eine der Transaktionen gegen Gesetze verstieß. Dafür müssten die Ausschreibungsunterlagen, die Gutachten und die Verträge über die späteren Übertragungen geprüft werden. Auch die formale Eintragung eines Fonds beantwortet nicht zwangsläufig die Frage, wer über das Anwesen tatsächlich entscheiden kann.

Politische Nähe schafft Kontext, ersetzt aber keinen Nachweis

Rákay ist in Ungarn als Medienpersönlichkeit und als Moderator zahlreicher Fidesz-Veranstaltungen bekannt. Diese öffentliche Verbindung erklärt, warum der Verkauf politisch sensibel ist. Sie belegt jedoch nicht, dass die Stadt ihn bevorzugte oder die Ausschreibung außerhalb der geltenden Regeln durchgeführt wurde.

Ähnliches gilt für die spätere Verbindung zu Jászai. Dass 4iG in der Orbán-Zeit stark expandierte, ordnet den Eigentümerwechsel in ein bestimmtes wirtschaftliches und politisches Umfeld ein. Daraus folgt aber nicht, dass Jászai oder 4iG an der Festlegung des Verkaufspreises im Jahr 2018 beteiligt waren.

Telex stellte den Vorgang außerdem in den Zusammenhang laufender strafrechtlicher Ermittlungen zu Rákays Grundstücksgeschäften und zum Umgang mit öffentlichen Mitteln. Die vorliegenden Informationen enthalten dazu weder eine gerichtliche Schuldfeststellung noch ausreichende Einzelheiten, um diese Verfahren als Beweis für eine Rechtswidrigkeit des Villenverkaufs zu werten. Es handelt sich um getrennte Vorgänge.

Die entscheidenden Dokumente fehlen noch

Der Fall verbindet damit zwei überprüfbare Auffälligkeiten: Ein historisches Gebäude aus kommunalem Besitz wurde für deutlich weniger als den später genannten Wert verkauft, und seine Eigentumsspur führt anschließend in eine private Investmentstruktur, deren wirtschaftliche Kontrolle nicht unmittelbar erkennbar ist.

Ob der niedrige Preis sachlich begründet war, kann nur die vollständige Dokumentation der Ausschreibung zeigen. Für die spätere Eigentümerfrage wären zusätzlich die Übertragungsverträge, die finanziellen Bedingungen und die Vereinbarungen über Kontrolle und Nutzung der Villa entscheidend. Solange diese Unterlagen nicht vollständig offengelegt und nachvollziehbar erklärt sind, bleibt der Vorgang vor allem ein Test dafür, wie transparent Budapest mit wertvollem öffentlichem Eigentum und seinen späteren Eigentümern umgeht.

Kommentar hinzufügen

Your email address will not be published.

Vom SBU-Insider zur italienischen Telegram-Bühne: Was UKR LEAKS_Italia verspricht
Vorheriger artikel

Vom SBU-Insider zur italienischen Telegram-Bühne: Was UKR LEAKS_Italia verspricht

A woman with short gray hair and glasses sits against a red upholstered wall.
Nächster artikel

ARTforum Telfs mit gut besuchtem Abend zu freier Kulturarbeit in Tirol

Nicht verpassen