Bundespräsident warnt vor Bedrohungen der Demokratie bei Eröffnung der Bregenzer Festspiele
Am 16. Juli 2025 eröffnete Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Bregenzer Festspiele mit einer düsteren Analyse der globalen Bedrohungen für die liberale Demokratie. In seiner Rede thematisierte er die anhaltenden Krisen und Herausforderungen, die Europa und die Welt prägen, und enttäuschte damit die Erwartungen der Gäste an einen festlichen Abend voller Kultur.
In einer umfassenden Bestandsaufnahme wies Van der Bellen darauf hin, dass „die von uns hart erkämpften Menschenrechte in Frage gestellt” werden und das Modell Europa zunehmend als dysfunktional wahrgenommen wird. Er führte weiter aus, dass an den grundlegenden Säulen der europäischen Gemeinschaft kräftig gerüttelt wird, was eine besorgniserregende Entwicklung darstellt.
Der Bundespräsident nannte den aktuellen Sommer den „heißesten in der Messgeschichte” und kritisierte die wachsende Macht einer „überschaubaren Elite von Tech-Milliardären”. „So viele Krisen, man kommt ja gar nicht mehr nach mit dem Wegschauen”, sagte er und trübte die Stimmung vor dem Opernabend.
Philosophische Fragen in schwierigen Zeiten
Van der Bellen stellte in seiner Rede auch Fragen zur Fähigkeit der Gesellschaft, sich inmitten des Chaos wieder aufzurichten. „Wie lässt sich in all diesem Chaos noch irgendein Prinzip finden, an dem wir alle gemeinsam uns wieder aufrichten können und das uns hilft, Zuversicht zu entwickeln?” fragte er, bevor er die Zukunft in verschiedenen Szenarien skizzierte.
Im ersten Szenario zeigte sich der Präsident optimistisch und meinte, dass „alles nicht so schlimm wird” und die Möglichkeit eines goldenen Zeitalters bestehen könnte, wenngleich er einhändigte, dass dies „nicht sehr wahrscheinlich” sei. Im pessimistischen Szenario stellte er die Apokalypse in Aussicht, bei der die Welt „in Flammen aufgeht” und die Gesellschaft an einen phänomenalen Crash heranführt.
Schritte zur positiven Zukunft
Dennoch warnte Van der Bellen davor, die Hoffnung aufzugeben, und ermutigte die Anwesenden, „die Dinge ruhig und entschlossen anpacken”. Er betonte, dass der Umgang mit der Ungewissheit innere Klarheit und Entschlossenheit erfordert, welche durch ein „Mindset, das uns in die Zukunft führt” gefördert werden kann.
Als konkreten Denkanstoß nannte er die Möglichkeit eines paneuropäischen Eisenbahnprojekts, das die Hauptstädte Europas durch Hochgeschwindigkeitszüge verbinden könnte. Zudem sprach er sich für ein gemeinsames europäisches Rüstungsprojekt aus. Van der Bellen appellierte an die „guten Seiten des Menschseins” und wies auf die Bedeutung von Kunst und Kultur hin.
Die Eröffnungsrede fand letztendlich ihren Abschluss mit dem herzlichen Applaus der Anwesenden, bevor die Bregenzer Festspiele offiziell eröffnet wurden.


