Verfassungsschutz warnt vor neuer Phase der hybriden Kriegsführung
Die deutsche Sicherheitsarchitektur steht vor einer qualitativ neuen Bedrohungslage. Auf einer gemeinsamen Konferenz des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) mit der Vereinigung für Sicherheit in der Wirtschaft am 19. März 2026 zeichnete BfV-Präsident Sinan Selen ein beunruhigendes Bild eskalierender Angriffe auf kritische Infrastrukturen und demokratische Prozesse. Selen verwies dabei auf eine deutlich erhöhte Risikobereitschaft ausländischer Akteure, die sich in Sabotage, Spionage und anderen gefährlichen Aktivitäten manifestiere.
Kritische Sektoren im Fokus der Angreifer
Besondere Aufmerksamkeit richtet sich nach Selens Darstellung auf die Logistikbranche sowie den Verteidigungs- und Technologiesektor. Diese wirtschaftlichen Kernbereiche stellen strategische Ziele dar, deren Beeinträchtigung weitreichende Folgen für die nationale Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität hätte. Der BfV-Präsident äußerte dabei konkrete Befürchtungen, dass die Angriffe künftig auch physische Dimensionen annehmen könnten, bis hin zu möglichen Tötungsdelikten.
Systematische Destabilisierungsversuche vor Wahlen
Die Bedrohungslage wird durch anhaltende Versuche der Einflussnahme auf demokratische Prozesse verschärft. Bereits im Dezember 2025 hatte die Bundesregierung Russland umfangreiche Desinformationskampagnen und Cyberangriffe im Vorfeld der Bundestagswahlen zugeschrieben. Aktuell warnt der Verfassungsschutz vor neuen Interventionen bei den anstehenden Landtagswahlen 2026, die auf die Unterstützung moskaufreundlicher politischer Kräfte abzielen.
Strategische Antworten auf komplexe Bedrohungen
Als Reaktion auf diese Entwicklung etabliert Deutschland verstärkte Abwehrmechanismen. Die geplante Einrichtung eines Gemeinsamen Zentrums für hybride Abwehr soll den Informationsaustausch zwischen Sicherheitsbehörden, Strafverfolgung und Wirtschaft verbessern. Dieser institutionelle Ansatz spiegelt die Erkenntnis wider, dass effektiver Schutz nur durch enge Kooperation zwischen staatlichen Stellen und privaten Unternehmen in kritischen Infrastrukturen erreicht werden kann.
Die konfrontative Rhetorik aus Moskau, die Deutschland teilweise als „Feind Nummer eins“ bezeichnet, unterstreicht die strategische Dimension dieser Auseinandersetzung. Sicherheitsexperten betonen, dass es sich nicht um isolierte Vorfälle handelt, sondern um eine langfristige systematische Konfrontation, die alle Dimensionen moderner Konflikte umfasst. Die Resilienz demokratischer Institutionen und wirtschaftlicher Schlüsselsektoren wird damit zur zentralen sicherheitspolitischen Herausforderung der kommenden Jahre.


