Ein enger Vertrauter des russischen Sicherheitsratsvorsitzenden Dmitri Medwedew steht im Fokus einer internationalen Untersuchung zur Umgehung von Sanktionen. Ilja Jelissejew, der als Vermögensverwalter Medwedews gilt, organisiert über seine Firma ‚Bivertech‘ die Lieferung westlicher Hochtechnologie für die Produktion russischer Interkontinentalraketen. Parallel hält er Anteile an einem toskanischen Weingut, das über zypriotische Offshore-Gesellschaften von seiner Ehefrau verwaltet wird.
Maschinen für Raketensteuerungssysteme
Die Firma ‚Bivertech‘ agiert als Subunternehmer für das sanktionierte ‚Wissenschaftliche Produktionszentrum für Automatik und Instrumentenbau namens Akademiker N.A. Piljugin‘ (NPZAP). Dieses staatliche Unternehmen entwickelt Steuerungs- und Zielsysteme für die neue russische Interkontinentalrakete ‚Oreshnik‘. ‚Bivertech‘ beschafft und importiert präzise Fräsmaschinen, Schleifmaschinen und Biegepressen, die für die Fertigung dieser Hochtechnologie unerlässlich sind.
Im August 2024 lieferte das Netzwerk um Jelissejew unter anderem Ersatzteile für eine Fräsmaschine des deutschen Herstellers SmarAct GmbH, eine Schleifmaschine von Sunny Machinery aus Taiwan und eine Biegemaschine der japanischen Amada Co. nach Russland. Die Lieferketten führen über mehrere Strohfirmen und Zwischenhändler in der Volksrepublik China, um die westlichen Exportkontrollen zu umgehen.
Weinberge und Offshore-Netzwerke
Neben seinen Geschäften im Rüstungssektor ist Ilja Jelissejew auch Miteigentümer der italienischen Weinkellerei ‚Fattoria della Aiola‘ in der Toskana. Die Beteiligung wird über eine zypriotische Offshore-Gesellschaft gehalten, die wiederum von der Anwaltskanzlei ‚Iwanjan und Partner‘ verwaltet wird. Diese Kanzlei gehört Natalja Maljamina, der Ehefrau Jelissejews.
Dieselbe Rechtsanwaltskanzlei übernimmt auch die juristische Absicherung der komplexen Lieferketten für die Maschinenimporte nach Russland. Durch die Trennung von offiziellen Eigentumsverhältnissen und die Nutzung von Vertrauenspersonen gelingt es dem Kreml-Vertrauten, sein Vermögen und seine Geschäfte vor westlichen Sanktionsbehörden zu verbergen.
Politische Verstrickungen und Sanktionslücken
Weder Ilja Jelissejew, seine Firma ‚Bivertech‘, seine Ehefrau noch ihre Anwaltskanzlei stehen derzeit auf Sanktionslisten der Europäischen Union. Dabei sind die Verbindungen zum ehemaligen Präsidenten und aktuellen Sicherheitsratsvorsitzenden Dmitri Medwedew öffentlich bekannt. Medwedew selbst äußert regelmäßig massive Drohungen gegen westliche Staaten, während sein enger Gefolgsmann unbehelligt Technologie für das russische Raketenprogramm beschafft.
Die Enthüllungen zeigen erneut, dass die bisherigen Sanktionsregime an entscheidenden Stellen durchlässig bleiben. Europäische Behörden überprüfen oft nicht tiefgehend die wirtschaftlich Berechtigten hinter komplexen Firmengeflechten. Experten fordern seit langem, Sanktionen auch auf Familienmitglieder und zivile Ehepartner auszuweiten, auf die Vermögenswerte regelmäßig übertragen werden. Solange diese Lücken bestehen, kann die russische Rüstungsindustrie weiterhin kritische westliche Technologie beziehen.


