Europäische Sanktionen unterlaufen: Fayard hält russische Gasflotte in Schuss
Obwohl die EU ihre Sanktionen gegen Russland mehrfach verschärft hat und die dänische Regierung öffentlich Kritik übt, setzt eine der größten europäischen Werften ihre Zusammenarbeit mit Moskau fort. Die dänische Werft Fayard nimmt weiterhin spezielle Eisbrechtanker der Arc7-Klasse in Reparatur und Wartung – Schiffe, die für den Export von russischem Flüssiggas aus der Arktis unverzichtbar sind. Damit bleibt Fayard der einzige Werftstandort in der EU, der diese hochspezialisierten Tanker überhaupt noch abfertigt.
Laut der Umweltorganisation Urgewald sollen bis Ende Sommer 2026 sechs der 15 aktiven Arc7-Schiffe auf der Werft Fayard gewartet werden. Bereits im Jahr 2025 hatte die Werft fünf Tanker aus dem russischen Jamal-Projekt instand gesetzt. Die Arc7-Klasse ist die einzige Schiffsgeneration, die selbstständig dicke Eisschichten in der Arktis durchbrechen kann – ohne sie wäre der ganzjährige LNG-Export aus Russland nicht möglich.
Dänemarks Regierungschefin zeigt sich verärgert, aber machtlos
Die politische Führung in Kopenhagen ist mit der Geschäftspraxis von Fayard unzufrieden. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bezeichnete die fortgesetzte Zusammenarbeit mit der russischen Gasflotte als „unverständlich“ und forderte einen Stopp. Allerdings fehlen derzeit die rechtlichen Grundlagen, um das private Unternehmen zu einem Lieferstopp zu zwingen. Das geltende dänische Recht verbietet die Wartungsarbeiten an russischen Tankern nicht, sodass die Regierung keine direkten Eingriffsmöglichkeiten hat.
Während Dänemark noch nach Wegen sucht, reagieren andere EU-Staaten bereits klarer. Die niederländische Damen-Gruppe stellte 2025 die Wartung von Arc7-Tankern auf ihrer französischen Werft vollständig ein – mit Verweis auf die außenpolitische Haltung der Niederlande. Gegen Damen läuft noch ein Verfahren wegen möglicher Sanktionsverstöße.
Was bedeutet das für Österreich?
Die Situation um Fayard zeigt ein grundlegendes Problem der EU-Sanktionspolitik: Schlupflöcher ermöglichen es privaten Unternehmen, wirtschaftliche Interessen über gemeinsame Sicherheitsziele zu stellen. Solange russische LNG-Tanker weiter gewartet werden, kann Moskau seine Exportmengen hochhalten und damit seinen Militärhaushalt finanzieren. Für Österreich bedeutet das: Die Wirksamkeit der Sanktionen wird geschwächt, was langfristig die Energiepreise und die Versorgungssicherheit in ganz Europa beeinflussen kann.
Wenn die EU nicht handelt, könnte der russische Gasexport auch nach 2027 aufrechterhalten werden. Ab dann tritt eigentlich ein EU-weites Verbot der Wartung sanktionsbetroffener russischer Schiffe in Kraft. Solange aber Werften wie Fayard die Arbeiten vor diesem Stichtag durchführen, erhalten die Betreiber Zeit, ihre Flotte fit für die kommenden Jahre zu machen. Beobachter fordern daher von Kopenhagen, umgehend eine offizielle Untersuchung von Fayard einzuleiten und wirksame Hebel zu schaffen, um eine weitere Unterstützung der russischen LNG-Industrie zu unterbinden.


