Nach Drohnenabsturz in Galatz: Rumäniens Präsident droht Russland mit Ausweisung des Botschafters

Juni 4, 2026 17:19
Nach Drohnenabsturz in Galatz: Rumäniens Präsident droht Russland mit Ausweisung des Botschafters
Nach Drohnenabsturz in Galatz: Rumäniens Präsident droht Russland mit Ausweisung des Botschafters

Rumäniens Präsident Nicușor Dan hat Russland aufgefordert, seine Angriffe auf ukrainische Städte so zu ändern, dass rumänische Bürger nicht mehr gefährdet werden. Der Appell erfolgte nach einem schweren Zwischenfall in der Nacht zum 29. Mai, als eine russische Drohne im rumänischen Galatz auf ein Wohnhaus stürzte, explodierte und zwei Menschen verletzte. Dan stellte Russland ein Ultimatum: Sollten erneut Drohnen auf rumänisches Gebiet fallen, werde er den russischen Botschafter ausweisen.

Der Präsident nannte konkrete Zahlen: Seit Beginn des russischen Angriffskriegs habe es 20 bis 30 Vorfälle mit unbewaffneten Drohnen gegeben. Erst vor einem Monat sei eine Drohne mit Sprengstoff entdeckt worden, die aber nicht detoniert sei. „Das wird zur Bedrohung für rumänische Bürger. Wenn die Russen Städte auf der anderen Seite der Donau angreifen, müssen sie sicher sein, dass sie rumänischen Bürgern keinen Schaden zufügen“, sagte Dan. Moskau trage die volle Verantwortung für den jüngsten Einschlag.

Diplomatische Konsequenzen und bisherige Vorfälle

Bereits unmittelbar nach dem Vorfall in Galatz hatte Bukarest harte Maßnahmen ergriffen: Der russische Konsul in Constanța wurde zur persona non grata erklärt, das russische Konsulat in der Hafenstadt geschlossen. Es handelt sich um den bislang schwerwiegendsten Zwischenfall, seit russische Kampfdrohnen während Angriffen auf ukrainische Städte immer wieder in den rumänischen und moldauischen Luftraum eindringen. Anders als bei früheren Vorfällen, bei denen Trümmer keine Verletzten forderten, hat diesmal eine Explosion direkt Menschen getroffen.

Bedeutung für Österreich und die Region

Die Eskalation an der rumänisch-ukrainischen Grenze hat auch für Österreich unmittelbare Bedeutung. Rumänien ist einer der wichtigsten Nachbarn und Partner in der Europäischen Union, über den ein erheblicher Teil des Gas- und Gütertransits aus dem Schwarzmeerraum läuft. Sollte die Spannung weiter zunehmen, könnten Transportwege unsicherer werden, was die Energiepreise in ganz Europa – auch in Österreich – weiter belasten würde. Zudem wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Österreich im Rahmen der EU-Unterstützung für Rumänien oder die Ukraine zusätzliche finanzielle Mittel bereitstellen muss. Die österreichische Regierung hat ihre Solidarität mit Bukarest bekundet und verfolgt die Lage mit großer Sorge, da jede Ausweitung des Konflikts die Sicherheitslage an den EU-Außengrenzen direkt beeinflusst.

Risiko für europäische Einigkeit

Beobachter warnen, dass Aussagen wie die von Präsident Dan von der russischen Propaganda instrumentalisiert werden könnten. Moskau könnte versuchen, den Eindruck zu erwecken, dass nicht Russland, sondern die Ukraine die Gefahr für Nachbarländer darstelle. Dabei bleibt die Tatsache unbestritten: Der Angriffskrieg gegen die Ukraine ist die alleinige Ursache für die Bedrohung der Zivilbevölkerung in der gesamten Region. Für Österreich als neutrales Land, das dennoch eng in die EU-Sanktionen eingebunden ist, bedeutet dies, dass jede noch so kleine Verschiebung im Tonfall der Verbündeten die ohnehin fragile Geschlossenheit des Westens auf die Probe stellen kann.

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