Ärztekammern fordern Erstattung medikamentöser Adipositasbehandlung
Die Ärztekammern für Wien und Niederösterreich sowie die Österreichische Adipositas Gesellschaft haben eine Erstattung der medikamentösen Adipositastherapie durch die Sozialversicherungen gefordert. Dies geschah am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz, auf der auch die Einbeziehung ärztlicher Beratung und Therapiebegleitung in den Leistungskatalog sowie die Verankerung von Gesundheitskompetenz im Lehrplan thematisiert wurden.
Laut einer Mitteilung steht der Zugang zu effektiven Medikamenten für viele Adipositaspatienten in Österreich aufgrund unzureichender Erstattung im Leistungskatalog der Sozialversicherungen nicht zur Verfügung. Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, erklärte, dass es an der Gesundheitspolitik sei, die bestehenden Versorgungslücken zu schließen. Adipositas stelle eine Volkskrankheit dar und erfordere langfristige Behandlungsansätze.
Die Präsidentin der Österreichischen Adipositas Gesellschaft, Bianca Karla Itariu, wies darauf hin, dass moderne medikamentöse Therapien Erfolge bei der Gewichtsreduktion erzielen, die zuvor nur durch chirurgische Eingriffe möglich waren. Gewichtsverluste von 15 bis 25 Prozent sind ohne Operation erreichbar. Zugleich werde das Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselkrankheiten gesenkt.
Die Adipositas Gesellschaft empfiehlt eine medikamentöse Therapie für Personen mit einem Body-Mass-Index (BMI) ab 30 oder ab einem BMI von 27 bei Vorliegen von Begleiterkrankungen oder Risikofaktoren. Dagmar Fedra-Machacek, Vizepräsidentin der Ärztekammer für Niederösterreich, kritisierte den veralteten gesetzlichen Rahmen, der den Zugang zu modernen Therapien limitiere.
Eine Untersuchung des Instituts für Höhere Studien (IHS) beziffert die wirtschaftlichen Kosten von Adipositas in Österreich auf jährlich etwa 2,4 Milliarden Euro. Auch die Grünen plädierten für eine öffentlich finanzierte Versorgung zur Verbesserung der Situation von Adipositaspatienten und kündigten an, einen entsprechenden Antrag im Nationalrat einzubringen.
Einordnung
Die Forderung nach einer Erstattung der medikamentösen Adipositastherapie könnte signifikante Verbesserungen für betroffene Patienten bewirken, indem sie den Zugang zu effektiven Behandlungsmethoden erleichtert. Dies ist besonders relevant vor dem Hintergrund der zunehmenden gesundheitlichen und wirtschaftlichen Belastungen, die durch unzureichend behandelte Adipositas entstehen.


