Die Kanzlei des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki weist Vorwürfe zurück, wonach Unternehmen beim polnisch-amerikanischen Wirtschaftsgipfel in New York bis zu 100.000 US-Dollar für einen persönlichen Kontakt mit dem Staatsoberhaupt angeboten worden seien. Die Berichte über Sponsorenpakete im Wert von 25.000 bis 100.000 Dollar hatten am 21. September 2026 eine politische Debatte in Polen ausgelöst.
Nach Berichten von „Radio ZET“ und „Newsweek“ sollen die Organisatoren des Gipfels Unternehmen unterschiedliche Sponsorenpakete angeboten haben. Das teuerste Paket habe demnach die Möglichkeit einer individuellen Unterhaltung mit Nawrocki enthalten können. Die Darstellung legte den Verdacht nahe, dass der Zugang zum Präsidenten mit einer finanziellen Gegenleistung verbunden werden sollte.
Die Präsidentschaftskanzlei bestreitet diese Darstellung kategorisch. Ein Zugang zum Präsidenten sei nicht käuflich gewesen. Ebenso sei die Teilnahme an der Veranstaltung nicht davon abhängig gewesen, ob ein Unternehmen Geld einzahle. Für die Organisation des Gipfels sei zudem nicht die Präsidentschaft, sondern eine private Stiftung verantwortlich gewesen.
Präsidentschaft verweist auf begrenzte Rolle
Nawrocki sollte nach Angaben der Kanzlei lediglich bei der Eröffnung des Wirtschaftsgipfels auftreten. Eine weitergehende Rolle bei der Vermarktung der Veranstaltung oder bei der Zusammenstellung von Sponsorenangeboten wird in der Zurückweisung nicht genannt. Damit trennt die Präsidentschaft den Auftritt des Staatschefs von den kommerziellen Angeboten, die den Organisatoren zugeschrieben werden.
Die Berichte bezogen sich auf die Vorwürfe zu den geplanten Sponsorenpaketen und Treffen mit Karol Nawrocki. Aus ihnen ging hervor, dass die teuerste Variante einen individuellen Kontakt mit dem Präsidenten in Aussicht gestellt haben könnte. Eine bestätigte Vereinbarung über ein solches Treffen wurde in den vorliegenden Angaben nicht genannt.
Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe forderten politische Gegner des Präsidenten Erklärungen zur Vorbereitung und Durchführung des Gipfels. Im Mittelpunkt steht die Frage, wer die Sponsorenpakete entworfen hat, unter welchen Bedingungen sie angeboten wurden und ob dabei tatsächlich ein persönlicher Kontakt mit Nawrocki in Aussicht gestellt wurde.
Forderungen nach Aufklärung
Oppositionspolitiker brachten den Vorgang mit dem Vorwurf möglicher „politischer Korruption“ in Verbindung. Dabei geht es nicht um eine festgestellte Rechtsverletzung, sondern um politische Forderungen nach einer Überprüfung der Umstände. Die Kritiker verlangen Auskunft darüber, welche Rolle die private Stiftung, mögliche Sponsoren und die an der Veranstaltung beteiligten Stellen hatten.
Die Präsidentschaftskanzlei weist die Verantwortung für die finanziellen Angebote der privaten Organisation zu. Gleichzeitig bestreitet sie, dass ein Unternehmen durch eine Zahlung Zugang zum Staatsoberhaupt hätte erwerben können. Die beiden Darstellungen stehen damit im Zentrum der politischen Auseinandersetzung: Auf der einen Seite stehen Medienberichte über abgestufte Sponsorenleistungen, auf der anderen die Erklärung der Kanzlei zur begrenzten Beteiligung des Präsidenten.
Die Debatte betrifft damit sowohl die Organisation des polnisch-amerikanischen Wirtschaftsgipfels als auch die Frage, wie öffentliche Auftritte des Präsidenten bei privat veranstalteten Treffen abgegrenzt werden. Im Fall Nawrocki beschränkte sich die von der Kanzlei bestätigte Funktion nach den vorliegenden Angaben auf den Auftritt zur Eröffnung.
Weitere Erklärungen sollen klären, wer die Angebote formulierte, ob die genannten Beträge tatsächlich verlangt wurden und wie die mögliche Gesprächsmöglichkeit mit dem Präsidenten in den Sponsorenpaketen beschrieben war. Eine abschließende Bewertung der Vorwürfe liegt in den vorliegenden Angaben nicht vor.


