Russische Drohnenangriffe in Region Sumy – Feuerpause unter Druck
In der nordostukrainischen Region Sumy sind bei russischen Drohnenangriffen nach Behördenangaben vier Menschen getötet worden. Trotz der von Kiew ausgerufenen Feuerpause dauern die Angriffe an.
Unter den Toten in Sumy sind den Angaben zufolge zwei Mitarbeiterinnen eines Kindergartens. Kinder hielten sich zum Zeitpunkt des Angriffs nicht in dem Gebäude auf. Eine weitere Person kam ums Leben, als eine Drohne ein Wohnhaus traf.
Ein weiterer Mann wurde laut ukrainischen Stellen durch eine Mine getötet, die von russischen Streitkräften abgeworfen worden sein soll. In Großstädten wie Charkiw, Krywyj Rih und Saporischschja wurden bei Luftangriffen private Gebäude und Infrastruktur beschädigt.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte auf der Plattform X, die Angriffe zeigten, dass Russland den Frieden ablehne. „Putin geht es nur um Militärparaden, nicht um Menschenleben“, schrieb er.
Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach bereits zuvor von zahlreichen Verstößen Russlands gegen die von Kiew ausgerufene Feuerpause. Russland reagiere bisher auf den Vorschlag einer Waffenruhe nur mit neuen Schlägen und Attacken, sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft. Abhängig von der weiteren Lage wolle die Ukraine ihre „völlig angemessene Antwort“ festlegen.
Selenskyj erklärte, Russland habe ein klares Angebot erhalten und wisse, wie die Ukraine oder deren Partner für Detailfragen zu erreichen seien. Damit hielt er an der Möglichkeit einer Feuerpause vorerst fest, stellte deren Fortbestand jedoch infrage.
Zugleich betonte Selenskyj, die Ukraine habe kein Interesse an der von Russland angekündigten Waffenruhe rund um die Feierlichkeiten zum Tag des Sieges am 9. Mai. Wenn es nur darum gehe, dass Kremlchef Wladimir Putin ungestört seine Militärparade abhalte, werde das derzeit gültige Angebot für eine Waffenruhe nicht aufrechterhalten, sagte er.
Einordnung
Die erneuten Angriffe und die gemeldeten Toten in Sumy schwächen die praktische Wirkung der von Kiew verkündeten Feuerpause. Die öffentliche Kritik der ukrainischen Führung erhöht den politischen Druck auf Moskau und auf mögliche Vermittler. Die weitere Entwicklung der Kampfhandlungen hängt nun von der Reaktion auf das bestehende, von Selenskyj erneut bekräftigte, aber zugleich befristete Waffenruheangebot ab.


