Spanien: Desinformationskampagne verantwortlich für Migrantenansturm
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez hat Russland und Israel beschuldigt, in Zusammenarbeit mit rechtsextremen Gruppen eine Desinformationskampagne zur Ursache des massiven Ansturms von Migranten auf die Exklave Ceuta Ende Juli gemacht zu haben. Bei diesem Vorfall überquerten mehr als 72.000 Migranten irregulär die Grenze von Marokko nach Ceuta.
Sánchez wies am Montag gegenüber dem Radiosender SER Spekulationen über eine marokkanische Beteiligung entschieden zurück. Laut den örtlichen Behörden kamen bei diesen Ereignissen mindestens 100 Menschen ums Leben. Auch spanische Oppositionsparteien und Menschenrechtsgruppen hatten Marokko vorgeworfen, den Massenansturm absichtlich zugelassen zu haben.
Der Ministerpräsident erklärte, dass über soziale Medien wie Instagram und TikTok Falschmeldungen verbreitet wurden. Diese hätten fälschlicherweise behauptet, Migranten, die auf dem Seeweg nach Ceuta kommen, dürften in Spanien bleiben. Sánchez betonte, dass diese Desinformation gezielt von Netzwerken verbreitet wurde, um Spanien für seine kritische Haltung zu den Konflikten in der Ukraine und im Gazastreifen zu diskreditieren.
Am 30. und 31. Juli schwammen oder kletterten rund 72.000 Migranten über die Grenzbarrieren, wobei die meisten innerhalb weniger Stunden zurückkehrten. Der Innenminister Fernando Grande-Marlaska berichtete jedoch, dass zu diesem Zeitpunkt noch etwa 5.000 Migranten in Ceuta verblieben, darunter 1.200 Minderjährige. Diese Situation hat zu zunehmend gewalttätigen Protesten in der Bevölkerung geführt, was die Regierung Sánchez unter Druck setzt.
Einordnung
Die Vorwürfe Sánchez‘ verdeutlichen die gespannten Beziehungen zwischen Spanien und den beiden genannten Ländern. Dies könnte langfristig die diplomatischen und sicherheitspolitischen Strategien Spaniens in Bezug auf Migration und internationale Zusammenarbeit beeinflussen.


