Die neue ungarische Regierung hat die geplante Konzession für die Instandhaltung eines Abschnitts der Autobahn M6 zwischen Érd und Dunaújváros neu prüfen lassen und damit eine Vergabe an die Gesellschaft MKIF des Unternehmers Lőrinc Mészáros verhindert. Nach Angaben von Finanzminister András Kármán kann der Staat durch die Überarbeitung des Vertrags und eine neuerliche Ausschreibung rund 100 Milliarden Forint einsparen.
Über die Entscheidung wurde am 17. August 2026 berichtet. Im Mittelpunkt steht ein Abschnitt der M6 zwischen den beiden Städten südlich von Budapest. Die frühere Regierung unter Viktor Orbán und der damalige Bauminister János Lázár hätten beabsichtigt, die Rechte für die Erhaltung und den Betrieb der Strecke an MKIF zu vergeben. Das Volumen der Konzession wurde mit rund 150 Milliarden Forint angegeben.
Eine staatliche Gesellschaft, Magyar Közútkezelő, hatte demnach eine deutlich günstigere Alternative angeboten. Ihr Vorschlag soll sich auf rund 50 Milliarden Forint belaufen haben. Der frühere Minister habe dieses Angebot jedoch abgelehnt, erklärte Kármán. Die Angaben wurden im Zusammenhang mit der politischen und finanziellen Prüfung früherer Infrastrukturentscheidungen der Regierung veröffentlicht.
Audit führte zu neuer Ausschreibung
Nach einem Audit und einer neuerlichen Ausschreibung sei festgestellt worden, dass der aktuelle Auftrag bei unveränderten technischen Anforderungen um 66 Prozent günstiger umgesetzt werden könne. Die technischen Vorgaben für die Instandhaltung der Autobahn sollen dabei erhalten bleiben. Aus der Differenz zwischen der ursprünglich vorgesehenen Konzession und dem nun genannten Kostenrahmen ergibt sich nach Darstellung des Finanzministers eine mögliche Entlastung des ungarischen Staatshaushalts von etwa 100 Milliarden Forint.
Die Affäre betrifft damit nicht den Bau einer neuen Autobahn, sondern die geplante Vergabe von Rechten für die Wartung und den Betrieb eines bestehenden Abschnitts der M6. Die Kostenangaben beziehen sich auf die Konzession und auf die nach der Prüfung neu ermittelte Umsetzung des Auftrags. Eine detaillierte Aufschlüsselung der einzelnen Vertragsbestandteile wurde in den vorliegenden Angaben nicht veröffentlicht.
Die ungarische Berichterstattung stellte den Vorgang als weiteren Fall dar, bei dem eine Entscheidung der früheren Regierung zugunsten eines mit dem damaligen Ministerpräsidenten Viktor Orbán verbundenen Unternehmers überprüft wurde. Die Berichterstattung über die Überprüfung der M6-Konzession verwies dabei auf die Differenz zwischen dem Angebot von MKIF und jenem der staatlichen Gesellschaft.
Politische Bewertung der früheren Vergabepraxis
In der politischen Darstellung des Falls wird die geplante M6-Vergabe als Beispiel für die Infrastrukturpolitik während der Regierungszeit Orbáns angeführt. Dabei geht es um den Vorwurf, dass staatliche Infrastrukturprojekte wiederholt an Unternehmen aus dem Umfeld der Regierung vergeben und Ausschreibungen nicht transparent durchgeführt worden seien. Im konkreten Fall beziehen sich die vorliegenden Angaben auf die Absicht, MKIF mit einer Konzession im Wert von rund 150 Milliarden Forint zu betrauen, obwohl ein staatlicher Anbieter einen Vorschlag über rund 50 Milliarden Forint vorgelegt hatte.
Die neue Regierung bezeichnet die nun verhinderte Vergabe als eine von mehreren finanziellen Entscheidungen der Vorgängerregierung, die nach ihrem Amtsantritt überprüft werden. Der konkrete Vorgang wurde durch ein Audit und eine neue Ausschreibung korrigiert. Erst dadurch sei der niedrigere Preis bei gleichbleibenden technischen Anforderungen festgestellt worden.
Politische Vertreter der neuen Regierung stellen den Fall außerdem in einen größeren Zusammenhang mit der Vergabe öffentlicher Aufträge während der langen Amtszeit Orbáns. Sie sprechen von zahlreichen ähnlichen Konstruktionen, durch die dem ungarischen Staat und den Steuerzahlern hohe Kosten entstanden seien. Für diese weitergehende Einschätzung enthält der vorliegende Fall jedoch keine vollständige Aufstellung vergleichbarer Verträge oder eine unabhängige Gesamtschätzung des daraus entstandenen Schadens.
Fest steht nach den veröffentlichten Angaben, dass der ursprünglich geplante Vertrag für den M6-Abschnitt nicht umgesetzt werden soll. An seine Stelle trat ein Verfahren, bei dem die Kosten um 66 Prozent niedriger angesetzt wurden. Die ungarische Regierung prüft damit weiterhin einzelne Infrastrukturentscheidungen der früheren Amtszeit.


