Neue Netzgebühren: PV-Anlagen-Besitzer in Gänserndorf müssen künftig selbst verbrauchen oder speichern

August 5, 2025 09:25
Neue Netzgebühren: PV-Anlagen-Besitzer in Gänserndorf müssen künftig selbst verbrauchen oder speichern

Netz-Tarife: PV-Anlagen-Besitzer müssen künftig verbrauchen oder speichern, sonst wird es teuer.

BEZIRK. In Niederösterreich existieren über 140.000 Photovoltaikanlagen, 9.636 davon im Bezirk Gänserndorf. Diese Anlagen sind in der Lage, den Energiebedarf von rund 846.000 Haushalten zu decken – eine Verdreifachung innerhalb der letzten zwei Jahre.

Im Zuge des neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (EIWG) soll die Verantwortung für Netzkosten künftig auf die Besitzer von PV-Anlagen übertragen werden. Die anfängliche Begeisterung über die „kostenlose“ Sonnenenergie weicht zunehmend dem Unmut, da künftig für die Einspeisung selbst erzeugten Stroms ins Netz ein Entgelt zu entrichten ist, das leistungsabhängig und teilweise höher als die gegenwärtige Netzanschluss-Pauschale von etwa 50 Euro pro Jahr ausfallen kann.

Jetzt wird neu gerechnet

Das Gesetz befindet sich derzeit in der Diskussion, eine politische Entscheidung steht noch aus. „Für jene, die möglichst viel des selbst erzeugten Stromes verbrauchen, könnte es sogar günstiger werden“, erklärt Daniel Hantigk von der e-control. Allerdings steigen die Kosten mit zunehmender Einspeisung, was die benötigte Netzleistung beeinflusst.

Die Amortisation der Investition in eigene PV-Anlagen muss in Gänserndorf nun neu berechnet werden. Der Erwerb eines Stromspeichers oder sogar von E-Autos könnte sich in dieser neuen Situation rentieren.

PV-Initiative in Weikendorf

Eine Initiative zur Errichtung von PV-Anlagen wurde von Martin Zimmermann aus Weikendorf gestartet. In Dörfles entstanden Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 450 kW. Er selbst hat bereits seit Langem eine PV-Anlage und erklärt: „Ich bin überzeugt, dass das die günstigste Variante auf dem Markt ist, billiger als fossile Energie und deutlich günstiger als Atomstrom.“

Für den selbst verbrauchten Strom fallen keine Netzkosten an, was ihn dazu veranlasst hat, einen großen Speicher zur Vorbeugung eines Blackouts anzuschaffen. Zudem profitiert er von überschüssigem Strom, den er an die WEB verkauft. Familie Zimmermann betreibt zudem drei E-Autos, die an der eigenen Stromtankstelle aufgeladen werden. „In zehn Jahren werden die Lkw und die meisten Traktoren elektrisch angetrieben werden“, ist er überzeugt.

Netzgebühren als Abzocke

Werner Scheidl aus der Siedlung Neuwörth in Weikendorf ließ sich 2013 eine PV-Anlage mit 4,5 kW installieren. „Das war eine unkomplizierte und effiziente Lösung“, berichtet er. Fünf Jahre später erweiterte er seine Anlage um weitere 3,7 kW, und erneut fünf Jahre danach auf 13,5 kW. Um unabhängiger zu sein, erwarb er einen Speicher mit 11 kW, den er im Vorjahr um weitere 11 kW aufstockte. Damit hat er seine Investitionen in diese Richtung jetzt abgeschlossen.

Obwohl er kurz überlegte, ein E-Mobil anzuschaffen, entschied er sich schließlich für ein Hybridfahrzeug. „Die bevorstehenden Netzgebühren halte ich für eine unverschämte Abzocke“, äußert Scheidl seinen Unmut. „Erst werden PV-Anlagen angepriesen und wenn sie dann flächendeckend installiert sind, greifen die Energieunternehmen ungeniert in unsere Geldbörse.“

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