Symposium in Neutal: interreligiöser Dialog über Frieden und die Rolle der Schule

September 7, 2025 19:35
Symposium in Neutal: interreligiöser Dialog über Frieden und die Rolle der Schule

Wie gelingt Frieden in einer pluralen Gesellschaft, und welche Rolle spielen Religionen und Schulen dabei? Diese Leitfrage stand im Zentrum des Symposiums des Instituts für Religionspädagogik und transformative Bildung (IRTB) der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland (PPH Burgenland), das in Neutal stattfand. Darüber berichtet Welt Stimme.

NEUTAL. Unter dem Motto „grenzen | los | tolerant – Religionen und Frieden?“ diskutierten Expertinnen und Experten aus Judentum, Christentum und Islam gemeinsam mit Pädagoginnen und Pädagogen die entscheidende Rolle des Religionsunterrichts sowie des interreligiösen Dialogs für ein friedliches Zusammenleben.

Die Veranstaltung umfasste eine hochkarätige Podiumsdiskussion, praxisnahe Workshops und die Präsentation des „Liederbuchs der burgenländischen Vielfalt“. Höhepunkt war ein feierlicher Gottesdienst, musikalisch gestaltet vom Chor „mehr:stimmig“, bei dem neue Religionslehrer:innen die Missio canonica erhielten und pensionierte Kolleg:innen geehrt wurden. Langjähriger Institutsleiter Harald Mandl wurde in den Ruhestand verabschiedet und mit dem Martinsorden in Gold ausgezeichnet.

Podiumsdiskussion mit Experten

Die Modération übernahm Maria Harmer (ORF, Religion & Ethik), während Regina Polak (Universitätsprofessorin für Praktische Theologie und Interreligiösen Dialog), Landesrabbiner Schlomo Hofmeister und Imam Ramazan Demir die Möglichkeiten und Herausforderungen für Frieden in einer pluralen Gesellschaft erörterten. Rektorin Sabine Weisz betonte die Rolle der Schule als Lernort für Demokratie, Respekt und gemeinschaftliches Zusammenleben. Doris Ziniel, Leiterin des IRTB, hob hervor, dass Frieden im Kleinen beginnt – in der Familie, im Klassenzimmer und in zwischenmenschlichen Begegnungen –, aber auch den Einsatz für Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität erfordert.

Regina Polak wies auf die ambivalente Rolle von Religionen hin: Sie fördern gesellschaftlichen Zusammenhalt, bergen jedoch auch Konfliktpotenzial. Landesrabbiner Hofmeister stellte fest, dass Frieden eine aktive Dimension hat, die bewusst gefördert werden muss, während Imam Demir die Bedeutung von Prävention gegen Radikalisierung und die Vermittlung von Demokratieverständnis im islamischen Kontext in den Vordergrund stellte.

Schule als Schlüsselinstitution

Die Schule wurde besonders hervorgehoben als Ort des Lernens für Demokratie und interreligiösen Dialog. Besuche von Hofmeister und Demir in Schulklassen zeigten, dass interreligiöse Begegnungen nachhaltige Eindrücke bei Jugendlichen hinterlassen können und Vorurteile abbauen.

Konfliktfelder und Herausforderungen

Im Rahmen der Diskussion wurden auch Themen wie Alltagsrassismus, die Instrumentalisierung von Religionen und die Rolle sozialer Medien bei der Radikalisierung behandelt. Beide Religionsvertreter:innen forderten differenzierte Aufklärung und Mut zum Dialog, um antisemitische und antimuslimische Ressentiments zu verringern.

Das Symposium endete mit einer klaren Botschaft: Frieden ist möglich, er erfordert jedoch Mut, Offenheit und die Bereitschaft, immer wieder aufeinander zuzugehen – Schulen spielen dabei eine zentrale Rolle.

Hintergrund zu den Gästen:

  • Regina Polak: Universitätsprofessorin für Praktische Theologie und Interreligiösen Dialog, Wien
  • Schlomo Hofmeister: Landesrabbiner Burgenland, Niederösterreich und Wien, Oberrabbiner Steiermark, Tirol, Vorarlberg
  • Ramazan Demir: Imam und Religionspädagoge, engagiert in Schulen, ehemaliger Gefängnisseelsorger, spezialisiert auf Prävention von Radikalisierung

Alle drei wurden von der Stadt Wien als „Botschafterinnen und Botschafter des sozialen Zusammenhalts“ ausgezeichnet.

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