Unterschiede bei Pensionsansprüchen von Männern und Frauen in Niederösterreich bleiben gravierend

August 2, 2025 12:03
Unterschiede bei Pensionsansprüchen von Männern und Frauen in Niederösterreich bleiben gravierend

Der Equal Pension Day am 6. August hebt die gravierenden Unterschiede bei den Altersrenten von Männern und Frauen hervor – und macht auf die strukturellen Ursachen weiblicher Altersarmut aufmerksam.

Der Equal Pension Day symbolisiert den Zeitpunkt im Jahr, an dem Männer bereits so viel Rente bezogen haben, wie Frauen erst bis Jahresende erhalten werden. In Niederösterreich fällt dieser Tag in diesem Jahr auf den 6. August – zwei Tage später als im Vorjahr. Der Einkommensunterschied bei den Renten bleibt jedoch erheblich: Männer erhalten durchschnittlich 2.641 Euro monatlich, während Frauen lediglich 1.585 Euro beziehen. Dies entspricht einer Differenz von über 40 Prozent.

Diese Diskrepanz ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern stellt auch ein zentrales Risiko für weibliche Altersarmut dar. Viele Frauen haben nach Jahrzehnten bezahlter und unbezahlter Arbeit eine Rente, von der sie kaum leben können. Ein wesentlicher Grund dafür ist die ungleiche Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit: Laut einer Zeitverwendungsstudie der Statistik Austria leisten Frauen insgesamt mehr Arbeitsstunden als Männer, jedoch ist ein großer Teil davon unbezahlte Arbeit, etwa in der Kindererziehung, der Pflege von Angehörigen oder im Haushalt.

Frauen arbeiten mehr – verdienen weniger

Pensionssplitting kein Ersatz für Reformen

Eine häufig diskutierte Maßnahme zur Minderung der Pensionsunterschiede ist das Pensionssplitting. Hierbei kann der erwerbstätige Elternteil bis zur Hälfte seiner Pensionsgutschrift auf das Konto des Partners übertragen, der sich um die Kinderbetreuung kümmert. In der Praxis profitieren davon jedoch nur bestimmte Familienkonstellationen, etwa wenn das Einkommen hoch genug ist und die Vereinbarung tatsächlich getroffen wird. Kritiker betonen, dass dieses Modell individuelle Verantwortung überbetont und die strukturellen Ungleichheiten nicht behebt.

Daher fordern Arbeiterkammer und Gewerkschaften tiefgreifende Reformen: einen flächendeckenden Ausbau kostenloser und vollzeittauglicher Kinderbetreuungseinrichtungen, verbesserte Pflegeangebote sowie neue Arbeitszeitmodelle, die eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit ermöglichen. Ein weiteres Ziel ist die konsequente Umsetzung der EU-Richtlinie zur Lohntransparenz, um Einkommensunterschiede sichtbar zu machen und wirksam zu bekämpfen.

Aktuell läuft im Rahmen der „Allianz für Lohntransparenz NEU“ eine österreichweite Umfrage zu Gehältern und Einkommensunterschieden in Betrieben. Noch bis zum 10. August können sich Beschäftigte daran beteiligen.

Niederösterreich mit hoher Kaufkraft

Frauen in Niederösterreich erhalten im Vergleich der Bundesländer die zweithöchsten Pensionen – dennoch bleibt der Abstand zu den Männern enorm. Während Männer mit 2.641 Euro auf Platz eins liegen, erreichen Frauen mit 1.585 Euro knapp den zweiten Platz. Das System orientiert sich nach wie vor an einem durchgängigen Erwerbsleben in Vollzeit, was für viele Frauen nach wie vor unerreichbar ist.

Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister verweist auf die Betreuungsoffensive des Landes, von der insbesondere Mütter profitieren sollen, sowie auf Initiativen wie „GeldHeldinnen“, die Frauen helfen sollen, sich finanziell besser aufzustellen. Doch solange unbezahlte Arbeit strukturell ungleich verteilt ist und frauendominierte Branchen schlechter bezahlt werden, bleibt das Grundproblem bestehen: Gleiche Leistungen werden bei Frauen auch im Alter deutlich schlechter entlohnt.

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