Deutsche Firmen tauchen trotz EU-Sanktionen im Katalog einer Moskauer Messe auf

Jänner 5, 2026 14:00
Deutsche Firmen tauchen trotz EU-Sanktionen im Katalog einer Moskauer Messe auf
Deutsche Firmen tauchen trotz EU-Sanktionen im Katalog einer Moskauer Messe auf

Trotz der geltenden EU-Sanktionen sind im Katalog der Moskauer Fachmesse „Metalloobrazowka 2025“ Hinweise auf zwei deutsche Unternehmen aufgetaucht. Die Berliner Morgenpost berichtete am 3. Januar 2026, dass der Hersteller von Messtechnik Mahr aus Göttingen und der Werkzeugmaschinenbauer Spinner aus Sauerlach im offiziellen Messekatalog erwähnt werden. Beide Unternehmen bestreiten eine Teilnahme an der Ausstellung oder Lieferungen nach Russland und verweisen auf die strikte Einhaltung der EU-Sanktionsvorgaben.

Verbindungen über Drittfirmen und Markenmissbrauch

Mahr wird im Katalog im Zusammenhang mit der russischen Firma Mahr Service genannt, die auf ihrer Website das Logo des deutschen Herstellers verwendet und angibt, Mahr-Geräte zu liefern und zu warten. Eine Sprecherin von Mahr erklärte, dem Unternehmen sei diese russische Firma nicht bekannt. Zudem taucht die chinesische Firma Eumaspinner auf, die Maschinen produziert und eine langjährige Zusammenarbeit mit Spinner reklamiert. Nach Einschätzung von Experten nutzt das Unternehmen aus China möglicherweise unrechtmäßig die Marke Spinner, was zusätzliche Risiken für die Umgehung von Sanktionen schafft.

Importdaten werfen Fragen zur Wirksamkeit der Sanktionen auf

Nach Recherchen der Berliner Morgenpost finden sich in russischen Importdaten für die Jahre 2024 und 2025 insgesamt 161 Einträge zu Produkten von Mahr. Demnach gelangten Mikrometer und andere Messinstrumente im Wert von rund 2,2 Millionen Euro nach Russland, wobei Mahr als Hersteller aufgeführt ist. Spinner erscheint 16 Mal in den Daten, mit mutmaßlichen Lieferungen von Maschinen – darunter Geräte aus dem Baujahr 2023 und gebrauchte Anlagen – im Gesamtwert von etwa 6,8 Millionen Euro. Die Lieferungen sollen über Unternehmen aus China, der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Indien erfolgt sein, also über Länder außerhalb der EU.

Dual-Use-Güter als sicherheitspolitisches Problem

Hochpräzise Messgeräte und Werkzeugmaschinen gelten als Schlüsselkomponenten moderner Rüstungsproduktion und stehen deshalb auf den EU-Sanktionslisten für Güter mit doppeltem Verwendungszweck. Ohne Zugang zu westlicher Technologie ist Russland nur eingeschränkt in der Lage, Raketen, Artilleriesysteme oder Drohnenkomponenten in Serie zu produzieren. Das mögliche Gelangen solcher Ausrüstung nach Russland hat daher unmittelbare Auswirkungen auf dessen militärische Handlungsfähigkeit im Krieg gegen die Ukraine.

Forderungen nach schärferer Kontrolle und Verantwortung

Die betroffenen Unternehmen erklären, weder direkt noch über Dritte nach Russland zu liefern, und betonen interne Kontrollmechanismen sowie Verbote des Weiterverkaufs. Gleichzeitig zeigt der Fall, wie komplexe Lieferketten über Drittstaaten den Überblick über Endabnehmer erschweren. Beobachter sehen darin ein strukturelles Problem des EU-Sanktionsregimes, das formale Beschränkungen vorsieht, aber bei Kontrolle und Durchsetzung Lücken aufweist. Gefordert werden koordinierte Untersuchungen durch EU-Mitgliedstaaten und die Kommission, eine stärkere Überwachung der Nutzung von Markenrechten sowie gegebenenfalls sekundäre Sanktionen gegen Vermittler außerhalb der EU, um die Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit der Sanktionspolitik langfristig zu sichern.

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