Steigende Energiekosten und verändertes Konsumverhalten stellen kleine Nahversorger in Gemeinden vor immense Herausforderungen. Maria Fischer und Lisa Tavare, Betreiberinnen lokaler Geschäfte in Spital am Semmering, berichten über Maßnahmen zur Bewältigung dieser Probleme. Fischer leitet einen Sparmarkt in Steinhaus, während Tavare ein Nah und Frisch-Geschäft im Zentrum von Spital am Semmering betreibt. Darüber berichtet Welt Stimme.
Wirtschaftliche Schwierigkeiten für Nahversorger
Im Heimatort einkaufen zu gehen, ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Demografischer Wandel und hohe Betriebskosten machen es lokalen Kaufleuten schwer, ihre Geschäfte rentabel zu führen. Dies zeigt sich auch bei den beiden Nahversorgern in Spital am Semmering, die immer wieder vor neuen Herausforderungen stehen.
Maßnahmen zur Kostenreduktion
„Ich musste vor ein paar Wochen eine Mitarbeiterin kündigen und bei einer weiteren die Stunden kürzen, weil es sich einfach nicht mehr ausgeht“, erklärt Maria Fischer, Betreiberin des Sparmarkts in Steinhaus und Bürgermeisterin der Gemeinde. Die Einkäufe der Anwohner allein reichen nicht mehr aus, um nachhaltig wirtschaften zu können.
„Wir hatten jetzt jahrelang sehr viele Aufträge aufgrund der Tunnelbaustelle, das Geschäft geht jetzt zurück, weil auch die Arbeiter weniger werden. Wenn es nicht das Zusatzgeschäft mit Catering und Brötchen gäbe, wäre es schon lange zum Zusperren.“
Maria Fischer, Spar Fischer in Steinhaus am Semmering
In den vergangenen zwölf Monaten musste Fischer monatlich eigenes Geld zuschießen, um die Betriebskosten zu decken. „Für Strom und Gas zahle ich im Monat rund 1.700 Euro, da kommen dann noch die Versicherungen dazu“, betont sie. Derzeit ist sie bereit, ihr Geschäft sogar mietfrei zu überlassen, da das Gebäude in ihrem Eigentum ist.
Die Bedeutung des regionalen Einkaufs
Fischer hebt hervor, wie wichtig es ist, dass die Bevölkerung auch in der eigenen Gemeinde einkauft, um die Existenz der Nahversorger zu sichern. „Nur weil man einen Liter Milch kauft, können wir mit unseren Geschäften nicht überleben. Wir haben die gleichen Angebote wie ein großer Spar“, sagt sie.
Um mit den steigenden Energiekosten umzugehen, hat sie in diesem Jahr eine Photovoltaikanlage auf ihrem Haus installieren lassen. „Wir hoffen, dass sich die Energiekosten dadurch massiv senken lassen. Genaueres wissen wir dann bei der ersten Abrechnung.“
Zusatzangebote als Überlebensstrategie
Lisa Tavare, die ihr Nah und Frisch-Geschäft vor fünf Jahren übernommen hat, stimmt Fischer zu. „Wir bieten ein Partyservice an, Kundinnen und Kunden können Brettljausen oder belegte Brötchen und Brezen bestellen. Ohne ein zweites Standbein ginge es auch bei uns nicht“, berichtet sie.
„In den Jahren 2022 und 2023 hatte ich 1.500 Euro Stromkosten im Monat plus eine Nachzahlung von 1.000 Euro. Derzeit zahle ich 600 bis 900 Euro nur für den Strom“, so die Kauffrau.
Zusätzlich kämpft Tavare gegen hohe Betriebskosten, die sie ebenfalls belasten. Eine Baustelle direkt vor ihrem Geschäft hatte in den letzten zwei Jahren ihre Zugänglichkeit stark beeinträchtigt. „An manchen Tagen war mein Geschäft gar nicht zugänglich oder ich hatte nur 200 Euro Einnahmen“, erzählt Tavare.
Unterstützung während der Bauarbeiten
Die Bauarbeiten zur Erneuerung der Ortsdurchfahrt sind mittlerweile abgeschlossen, und Tavare hofft, dass ihre treuen Kunden zurückkehren. „Von der Gemeinde habe ich drei Monate einen Fixkostenersatz bekommen und die Unigruppe war so nett und hat mir von Mai bis Ende Oktober die Miete übernommen. Ansonsten hätte ich bereits zugesperrt“, fügt sie hinzu.


