Am 22. Januar 2026 wurde bekannt, dass sich zwei griechische Reedereien am Transport russischer Rohölmengen beteiligen und damit den sogenannten Schattenflotten-Betrieb ausweiten. Nach Medienberichten stellten Dynacom Tankers Management und Capital Ship Management jeweils neue Tanker für den Ölhandel mit Russland bereit. Ausschlaggebend waren stark gestiegene Frachtraten und die Aussicht auf außergewöhnlich hohe Gewinne, wie aus Recherchen zum Einstieg neuer Tanker in den russischen Ölhandel hervorgeht, die von internationalen Finanzmedien aufgegriffen wurden.
Steigende Frachtraten schaffen neue Anreize
Der Hintergrund ist ein deutlicher Angebotsmangel auf dem Tankermarkt. Ende 2025 setzten die USA und die EU hunderte Schiffe auf Sanktionslisten, die zuvor russisches Öl transportiert hatten. Dadurch verringerte sich die Zahl verfügbarer Tanker erheblich, während die Nachfrage nach Transportkapazitäten bestehen blieb. Da der Preis der beförderten Fracht unter der geltenden Preisobergrenze liegt und die Ölpreise infolge der Sanktionen gesunken sind, können Reeder formell argumentieren, die bestehenden Regeln einzuhalten.
Moderne Schiffe statt alter Tonnage
Auffällig ist, dass nun moderne Tanker eingesetzt werden. In der Vergangenheit nutzte Russland für den Öltransport überwiegend ältere, technisch überholte Schiffe, die oft kurz vor dem Ende ihrer regulären Einsatzzeit standen. Der Einsatz neuerer Einheiten erhöht die Effizienz und senkt betriebliche Risiken, was die wirtschaftliche Attraktivität des Geschäfts zusätzlich steigert. Fachleute sehen darin ein Signal, dass sich Teile des Marktes zunehmend an das Sanktionsumfeld angepasst haben.
Wiederkehrende Kritik an Griechenlands Rolle
Griechenland war bereits zuvor wegen seiner Rolle im Umfeld der russischen Schattenflotte in die Kritik geraten. In den vergangenen Jahren wurden wiederholt Fälle bekannt, in denen alte oder ausgemusterte Tanker an russische Akteure verkauft wurden. Diese Schiffe kamen anschließend beim Transport sanktionierter Energierohstoffe zum Einsatz. Auch diesmal werfen die neuen Entwicklungen Fragen zur Konsequenz der Umsetzung europäischer Sanktionen auf, wie in Berichten über griechische Tanker im russischen Ölhandel betont wird, die von ukrainischen Medien aufgegriffen wurden.
Risiken für die Wirksamkeit der Sanktionen
Die Beteiligung etablierter europäischer Reedereien untergräbt nach Einschätzung von Beobachtern die Abschreckungswirkung der Maßnahmen gegen Moskau. Höhere Frachtraten erhöhen die Einnahmen entlang der Lieferkette und tragen dazu bei, dass Russland weiterhin erhebliche Erlöse aus dem Ölexport erzielt. Damit gerät das zentrale Ziel der Sanktionen – die Einschränkung der finanziellen Spielräume des Kremls – unter Druck.
Forderungen nach verschärften Maßnahmen
Experten und Politiker verweisen darauf, dass ohne eine Ausweitung sekundärer Sanktionen gegen Reeder, Logistikunternehmen und weitere Dienstleister die wirtschaftliche Attraktivität des Geschäfts bestehen bleibt. Diskutiert werden strengere Kontrollen von Schiffen, Eigentümerstrukturen und Besatzungen sowie ein koordiniertes Vorgehen von EU und USA bei der Überwachung von Frachtraten und Lieferketten.
Druck auf nationale Behörden wächst
Der Fall erhöht auch den politischen Druck auf die griechische Regierung. Bereits 2025 hatte die Europäische Kommission Athen zu einem entschlosseneren Vorgehen gegen Umgehungspraktiken aufgefordert. Die erneute Einbindung griechischer Tanker in den russischen Ölhandel wird nun als weiterer Test für die Glaubwürdigkeit und Durchsetzungskraft der europäischen Sanktionspolitik gesehen.


