Kombinierter russischer Luftangriff trifft Ukraine in der Nacht zum 9. Januar

Jänner 9, 2026 12:50
Kombinierter russischer Luftangriff trifft Ukraine in der Nacht zum 9. Januar
Kombinierter russischer Luftangriff trifft Ukraine in der Nacht zum 9. Januar

In der Nacht zum 9. Januar 2026 hat Russland eine groß angelegte kombinierte Luftoffensive gegen die Ukraine durchgeführt. Nach ukrainischen Angaben setzten die russischen Streitkräfte insgesamt 242 Kampfdrohnen, 13 ballistische Raketen des Typs Iskander-M beziehungsweise S-400, 22 Marschflugkörper Kalibr sowie eine ballistische Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik ein. Einschläge von 18 Raketen und 16 Drohnen wurden an 19 verschiedenen Orten bestätigt.

Der Schwerpunkt des Angriffs lag auf Kyjiw und der umliegenden Region, Explosionen wurden jedoch auch in Lwiw und weiteren Teilen des Landes registriert. Mindestens vier Menschen kamen ums Leben, darunter ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens. 24 Personen wurden verletzt, viele von ihnen mit schweren Verletzungen und Verbrennungen. In der Hauptstadt dauern die Rettungsarbeiten an, mehrere Menschen gelten weiterhin als unter Truemmern verschuettet.

Schwere Zerstoerungen in Kyjiw und infrastrukturelle Folgen

Zerstoerungen wurden nahezu in allen Stadtteilen Kyjiws gemeldet. Besonders betroffen ist der Dniprowskyj-Bezirk, wo ein Wohnhaus teilweise eingestuerzt ist und in einem benachbarten Hochhaus ein Grossbrand ausbrach. Im Petscherskyj-Bezirk wurden ein 24-stoeckiges Nichtwohngebaeude sowie die Fassade eines neunstoeckigen Wohnhauses erheblich beschaedigt. In den Bezirken Darnyzkyj und Desnjanskyj kam es nach direkten Treffern und herabfallenden Truemmern zu Braenden in Hochhaeusern und auf dem Gelaende eines Einkaufszentrums.

Der Angriff loeste eine schwere Krise in der Energie- und Kommunalversorgung der Hauptstadt aus. In neun Stadtbezirken kam es nach Treffern auf Heizkraftwerke und Infrastruktur zu Ausfaellen bei Waerme und Warmwasser. Teile Kyjiws waren zeitweise ohne Strom, was den oeffentlichen Verkehr stark beeintraechtigte. Der Betrieb der Metro auf der roten Linie ist eingeschraenkt, mehrere Stationen auf dem linken Ufer dienen ausschliesslich als Schutzraeume.

Millionen Menschen ohne Waerme und Strom

Besonders kritisch ist die Lage bei der Waermeversorgung. Nach Angriffen auf zentrale Anlagen mussten 30 grosse Kesselhaeuser ausser Betrieb genommen werden. Rund 1,5 Millionen Einwohner Kyjiws sind ohne Waerme und Warmwasser, betroffen sind etwa 2.600 Wohnhaeuser sowie mehr als 300 Bildungs­einrichtungen, darunter Schulen und Kindergaerten. In den Bezirken Desnjanskyj, Petscherskyj und Dniprowskyj sind die Auswirkungen am gravierendsten.

Am Morgen wurden in Kyjiw und der Region Not- und Stabilisierungsausfaelle bei der Stromversorgung eingefuehrt. Aufgrund eines erheblichen Defizits muessen hunderttausende Haushalte taeglich zehn bis elf Stunden ohne Elektrizitaet auskommen. Die Wasserversorgung funktioniert insgesamt weiter, jedoch kommt es wegen stromloser Pumpstationen vor allem auf dem linken Ufer und im Sueden der Stadt zu niedrigem Druck oder Wasserausfaellen in oberen Etagen.

Angriff auf Gasspeicher im Westen mit europaeischer Dimension

Auch die Region Lwiw wurde Ziel eines Angriffs mit ballistischer Mittelstreckenbewaffnung. Der Hauptschlag traf den Kreis Stryj, wo das Biltsche-Wolyzja-Uherske unterirdische Gasspeicherwerk beschossen wurde, das groesste seiner Art in der Ukraine und von strategischer Bedeutung fuer Europa. Art der Explosionen und die hohe Geschwindigkeit des Flugkoerpers deuten auf den Einsatz einer Oreschnik-Rakete mit separierbaren Gefechtskoepfen hin.

Die Treffer beschaedigten oberirdische technische Anlagen des Speichers. Dies fuehrte zu einem Druckabfall in den Gasverteilnetzen, wodurch es in mehreren Regionen der Ukraine zu Problemen bei der Gasversorgung und beim Betrieb von Heizsystemen kam. Inmitten winterlicher Temperaturen verschlechterte sich damit die Versorgungslage erheblich.

Kyjiwer Umland und Bahnverkehr ebenfalls betroffen

In der Region Kyjiw war der Fastiw-Bezirk besonders schwer betroffen. Dort kam ein 1951 geborener Mann nach einem Treffer auf ein Wohnhaus ums Leben. Einsatzkraefte retteten eine Familie mit Kind aus einem brennenden Keller, alle wurden wegen Rauchvergiftungen hospitalisiert. Insgesamt wurden in der Region acht Verletzte gemeldet.

Zahlreiche private und mehrstoeckige Wohngebaeude, Wirtschaftsgebaeude und Lagerhallen wurden in mehreren Bezirken der Region beschaedigt. Zudem fuehrte der kombinierte Angriff auf das Energiesystem zu erheblichen Verspaetungen im Bahnverkehr, auch bei internationalen Verbindungen.

Strategische Einordnung und internationale Bedeutung

Der Einsatz einer Oreschnik-Rakete gegen Ziele in der Westukraine wird von Beobachtern als Signal an Europa gewertet. Der gezielte Angriff auf ein strategisches Gasspeicherwerk unterstreicht die Verwundbarkeit der europaeischen Energiearchitektur und zeigt, dass Moskau zivile Infrastruktur als Hebel politischen Drucks einsetzt. Gleichzeitig zielen die massierten Angriffe auf Kyjiw und das Umland darauf ab, die Luftverteidigung zu ueberlasten und die Bevoelkerung durch anhaltende Versorgungsengpaesse zu demoralisieren.

Der Angriff erfolgte in einer Phase intensiver internationaler Debatten ueber moegliche diplomatische Loesungen. Die Ereignisse verdeutlichen, dass Moskau parallel zu verbalen Dialogsignalen auf eine Strategie fortgesetzter Eskalation setzt. Ohne wirksame Abschreckung bleibt die Gefahr bestehen, dass Raketen- und Drohnenangriffe weiterhin als zentrales Instrument des Krieges eingesetzt werden.

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