Litauen macht russischen Militärgeheimdienst für Brandanschlag auf Rüstungszulieferer verantwortlich

Jänner 17, 2026 11:45
Litauen macht russischen Militärgeheimdienst für Brandanschlag auf Rüstungszulieferer verantwortlich
Litauen macht russischen Militärgeheimdienst für Brandanschlag auf Rüstungszulieferer verantwortlich

Litauische Strafverfolgungsbehörden haben am 16. Januar 2026 erklärt, dass der russische Militärgeheimdienst GRU hinter dem versuchten Brandanschlag auf ein Werk der Firma UAB TVC Solutions im Jahr 2024 stehe. Das Unternehmen mit Sitz in Šiauliai produziert mobile Stationen zur Analyse des Funkfrequenzspektrums, die an die ukrainischen Streitkräfte geliefert werden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft zielte der Anschlag darauf ab, Lieferketten zu stören, die für die militärische Leistungsfähigkeit der Ukraine von Bedeutung sind, wie aus den Ermittlungen zu dem versuchten Brandanschlag auf ein litauisches Werk mit Verbindungen zur Ukraine-Unterstützung hervorgeht.

Internationale Tätergruppe und formelle Anklagen

Im Zusammenhang mit dem Fall wurden sechs Personen mit Staatsangehörigkeiten Russlands, Belarus’, Spaniens, Kolumbiens und Kubas angeklagt. Ihnen werden die Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung, der Versuch eines terroristischen Anschlags sowie die Finanzierung terroristischer Aktivitäten vorgeworfen. Der Anklageschriftsatz wurde am 12. Januar erstellt und zwei Tage später an das Bezirksgericht Šiauliai übermittelt. Die litauische Polizei betont, dass die Tatverdächtigen im Auftrag einer in Russland ansässigen Steuerungsgruppe gehandelt hätten, die Verbindungen zum GRU unterhalte.

Serie gescheiterter Anschläge in mehreren EU-Staaten

Nach Darstellung von Polizei und Staatsanwaltschaft handelte es sich nicht um einen Einzelfall. Dieselbe Gruppe habe versucht, ähnliche Sabotageakte in Polen, Rumänien und Tschechien durchzuführen. Diese Vorwürfe stützen die Einschätzung der Ermittler, dass es sich um eine koordinierte Kampagne handelte. Der stellvertretende Leiter der litauischen Kriminalpolizei erklärte, die Befehle seien aus Russland erteilt worden, was den systematischen Charakter der Operation unterstreiche.

Chronologie des Angriffs in Šiauliai

In der Nacht zum 17. September 2024 versuchten zunächst zwei spanische Staatsbürger, gelagerte Produkte des Unternehmens in Brand zu setzen. Nachdem der Versuch scheiterte, verließen sie Litauen und wurden später in Lettland festgenommen. Wenige Tage später unternahmen zwei weitere Täter, Bürger von Belarus und Russland, einen zweiten Versuch. Sie gingen fälschlich davon aus, erfolgreich gewesen zu sein, doch nach Angaben der Behörden entstand kein Schaden. Details zum Ablauf und zur Einordnung als „terroristisches Szenario nach GRU-Muster“ wurden in der Analyse der litauischen Ermittlungen zum Fall Šiauliai veröffentlicht.

Hybridbedrohung und Konsequenzen für Europas Sicherheit

Der Fall wird in Vilnius als Teil einer breiteren hybriden Strategie Russlands gewertet, mit der Unterstützung für die Ukraine auch auf dem Gebiet der EU unter Druck gesetzt werden soll. Die gezielte Auswahl eines zivilen Unternehmens mit militärischer Relevanz zeigt nach Einschätzung litauischer Sicherheitskreise, dass Russland bereit ist, industrielle Infrastruktur in EU-Staaten als legitimes Ziel zu betrachten. Für die Europäische Union und die NATO verstärkt der Vorfall den Handlungsdruck, den Schutz sensibler Produktionsstätten zu erhöhen und die nachrichtendienstliche Zusammenarbeit auszubauen, um weitere Sabotageakte zu verhindern.

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