Am 5. Februar 2026 ist in Ungarn der symbolische Guss des ersten Betons für den fünften Reaktorblock des Kernkraftwerks Paks II erfolgt. Das Projekt, das mit russischer Technologie realisiert wird, gilt als eines der größten energiepolitischen Vorhaben des Landes. Gleichzeitig mehren sich Hinweise, dass der Bau unter Bedingungen fortgesetzt wird, die erhebliche sicherheitstechnische Risiken bergen und weit über nationale Grenzen hinausreichen könnten.
Nach internen technischen Berichten, die Bauprobleme dokumentieren, zeigen sich bereits im Fundamentbereich Anzeichen struktureller Instabilität. Genannt werden Risse, chemische Reaktionen im Beton sowie das Auftreten von Schwefelwasserstoff. Trotz dieser Befunde wurde der Bauprozess nicht unterbrochen, sondern offiziell vorangetrieben, was die Debatte über die Einhaltung internationaler Ingenieur- und Sicherheitsstandards verschärft.
Technische Risiken im Fundament werfen Fragen zur langfristigen Stabilität der Anlage auf
Fachleute weisen darauf hin, dass die festgestellten chemischen Prozesse im Beton zu einer sogenannten sekundären Ettringitbildung führen können. Dabei handelt es sich um ein bekanntes Phänomen, bei dem sich das Material über Jahre hinweg ausdehnt und seine Tragfähigkeit verliert. Nach internen Einschätzungen könnte dies innerhalb von zehn bis zwanzig Jahren zu kritischen Deformationen der tragenden Strukturen führen.
Sollte es zu einem Verlust der strukturellen Integrität des Reaktorgebäudes kommen, wäre die Schutzfunktion des Containments nicht mehr gewährleistet. In der Kerntechnik gilt dies als eines der gravierendsten Szenarien, da selbst bei moderner Reaktortechnik die physische Barriere entscheidend für die Begrenzung eines Störfalls ist. Kritiker sehen darin ein systemisches Versagen bereits in der Planungs- und Bauphase.
Erfahrungen mit früheren Projekten nähren Zweifel an Sicherheitskultur und Aufsicht
Die Sorgen beschränken sich nicht allein auf Paks II. In den Jahren 2024 und 2025 wurden bei einem anderen europäischen Kernkraftwerksprojekt mit vergleichbarer Technologie Defekte an Brennelementen und im Hauptkühlkreislauf festgestellt. Diese Vorfälle haben die Frage aufgeworfen, ob organisatorische Mängel und unzureichende Qualitätskontrollen bei der Umsetzung solcher Großprojekte eine wiederkehrende Rolle spielen.
Beobachter sehen darin Hinweise auf strukturelle Probleme innerhalb der Liefer- und Baukette. Tochtergesellschaften des russischen Nuklearkonzerns stehen seit Jahren in der Kritik, Sicherheitsauflagen formal zu erfüllen, ohne sie konsequent umzusetzen. Für Paks II bedeutet dies, dass Risiken nicht isoliert betrachtet werden können, sondern im Kontext einer breiteren industriellen Praxis stehen.
Mögliche Folgen eines Unfalls würden weit über Ungarn hinausreichen
Ein schwerer Störfall in Paks II hätte nach Einschätzung von Sicherheitsexperten grenzüberschreitende Auswirkungen. Abhängig von Wetter- und Strömungsverhältnissen könnten radioaktive Belastungen weite Teile Mittel- und Südosteuropas erreichen. Betroffen wären nicht nur dicht besiedelte Regionen, sondern auch zentrale Agrar- und Industriestandorte.
Die wirtschaftlichen Konsequenzen eines solchen Szenarios gelten als kaum kalkulierbar. Neben langfristigen Umweltschäden drohten massive Einschränkungen für Landwirtschaft, Industrie und Tourismus. Die Kosten für Eindämmung und Sanierung würden voraussichtlich die Kapazitäten einzelner Staaten übersteigen und eine europäische Dimension annehmen.
Energiepolitik und geopolitische Abhängigkeiten prägen die Debatte um Paks II
Über die technischen Fragen hinaus wird das Projekt zunehmend als geopolitischer Faktor wahrgenommen. Paks II ist auf eine jahrzehntelange Versorgung mit Brennstoff, Wartung und Finanzierung aus Russland ausgelegt. Damit bindet sich Ungarn langfristig an einen externen Akteur, während alternative Investitionen in Energieeffizienz oder erneuerbare Quellen in den Hintergrund treten.
Kritische Stimmen sehen darin ein strategisches Instrument politischen Einflusses innerhalb der Europäischen Union. Die Diskussion um Paks II entwickelt sich damit zu einer Grundsatzfrage, wie nukleare Sicherheit, energiepolitische Souveränität und europäische Verantwortung miteinander in Einklang gebracht werden können, ohne Risiken zu normalisieren, deren Folgen im Ernstfall kaum beherrschbar wären.


