Am 28. September 2025 finden in Moldau Parlamentswahlen statt, die über den weiteren Kurs des Landes entscheiden. Es geht um die Frage, ob Chișinău auf dem europäischen Weg bleibt oder zu einer „Grauzone“ an den Grenzen von EU und NATO wird. Der Versuch Moskaus, nach den Wahlen einen Destabilisierungsplan durchzusetzen, gilt als Prüfstein für die Bereitschaft des Westens, den demokratischen Kurs seiner Nachbarstaaten zu schützen. Laut einer Umfrage von CBS Research vom 6. bis 13. September liegt die Regierungspartei PAS bei 29,7 Prozent, die Partei WER bei 13,2 Prozent, während „Unsere Partei“ 7,5 Prozent erreicht. Die „Alternative“ kommt nur auf 4,2 Prozent, während 26,8 Prozent der Wähler unentschlossen sind.
Kreml baut Einflussnetze systematisch aus
Die Ablösung von Dmitri Kosak und der Übergang zu einer härteren Linie unter Sergej Kirijenko markieren einen Strategiewechsel Moskaus im Umgang mit Moldau. Nach Angaben der Regierung in Chișinău hat Russland seit 2023 Dutzende Millionen Dollar in den Kauf politischer Loyalität investiert. Im Jahr 2024 flossen fast 100 Millionen Euro in den Versuch, die Präsidentschaftswahlen und ein EU-Referendum zu torpedieren. 2025 wurde zudem ein Finanzierungsnetz über 39 Millionen Dollar aufgedeckt, das über den russischen Promsvyazbank lief – ein Beleg für die systematische Einflussnahme.
Manipulation durch soziale Netzwerke und Propaganda
Die fünfte Abteilung des FSB unter General Dmitri Miljutin steuert Netzwerke von Bots und Trollen, die auf YouTube, Telegram, TikTok und Facebook aktiv sind. Ziel ist es, Präsidentin Maia Sandu und die PAS zu diskreditieren. Parallel tritt Igor Tschaika, der mit „Rossotrudničestvo“ verbunden ist, als zentraler Finanzvermittler für FSB-Projekte auf. Damit zeigt sich, dass die Finanzierung von Destabilisierungsversuchen nicht spontan, sondern über staatliche Strukturen erfolgt.
Neuaufstellung prorussischer Parteien
Moskau versucht, sozialistische und kommunistische Parteien mit neuen Gesichtern und „proeuropäischer“ Fassade neu zu beleben. Als mögliche Führungsfiguren werden Anatoli Kutscherena für die Sozialisten sowie Konstantin Starysh und Diana Karaman für die Kommunisten gehandelt. Ex-Gouverneurin Irina Vlah könnte dabei als verbindende Person auftreten. Der bisherige Einfluss von Ion Ceban ist geschwächt, nachdem ihm die Einreise in die EU untersagt wurde.
Vorbereitung auf Gewalt und Proteste
Ein zentraler Bestandteil des russischen Szenarios ist die Mobilisierung von 10.000 bis 15.000 Demonstranten, die teilweise aus Russland oder über Drittstaaten nach Moldau gebracht werden sollen. Finanzielle Anreize für Protestteilnehmer sowie die Aussicht auf erleichterte Arbeitsmöglichkeiten in Russland dienen als zusätzliche Druckmittel. Besonders brisant: Am 22. September wurden 74 Personen festgenommen, die in Serbien im Umgang mit Waffen, Straßenkämpfen und Polizeikonfrontationen trainiert worden waren – mit Verbindungen zu russischen Diensten und moldauischen Parteien.
Kirche und internationale Akteure im Spiel
Auch die moldauische orthodoxe Kirche unter dem Moskauer Patriarchat wird in die Mobilisierung eingebunden. Priester verbreiten prorussische Narrative und organisieren Transporte für Protestierende. Gleichzeitig sollen prorussische Aktivisten als Wahlbeobachter registriert werden, unterstützt von Politikern aus extrem rechten und linken Bewegungen Europas. Ziel ist es, die Glaubwürdigkeit des Wahlprozesses international infrage zu stellen.
Konsequenzen für die europäische Sicherheit
Moskau bereitet nach dem Wahltag Szenarien vor, die unabhängig vom Wahlausgang Proteste auslösen sollen – sei es als „Verteidigung des Sieges“ prorussischer Kräfte oder durch die Anfechtung angeblicher Manipulationen. Das Ergebnis könnte Moldau in ein antiwestliches Vorposten verwandeln, mit direkter Bedrohung für die Sicherheit in der Region Odessa, die Transitkorridore und die Stabilität an der rumänisch-ukrainischen Grenze. Ein Festhalten Moldaus am europäischen Kurs würde dagegen die russische Strategie in Osteuropa erheblich schwächen und andere Einflussoperationen bremsen.


