Am 13. Januar 2026 wurden Informationen veröffentlicht, die auf der Auswertung von Zolldaten und russischen Staatsverträgen beruhen und darauf hindeuten, dass zwei tschechische und ein serbisches Unternehmen bis mindestens zum Frühjahr 2025 tschechisches Bier an den russischen Auslandsgeheimdienst geliefert haben. Alle drei Firmen stehen im Eigentum des Unternehmers Michail Kapitonow. Zentrale Rolle in dem Liefernetz spielte dabei die russische Firma PintaKlab, die seit Jahren alkoholische Getränke an Strukturen mit Nähe zum Geheimdienst vertreibt, wie aus der Analyse der Zoll- und Vertragsunterlagen zu Lieferungen tschechischen Biers an den russischen Auslandsgeheimdienst hervorgeht.
Millionen Liter Bier über Zwischenhändler nach Russland
Den vorliegenden Daten zufolge importierte PintaKlab zwischen September 2024 und Februar 2025 insgesamt 1.283.436 Liter tschechisches Bier im Wert von rund 25 Millionen tschechischen Kronen. Zum Sortiment zählten bekannte Marken wie Budějovický Budvar und Lobkowicz, daneben aber auch Produkte, die gezielt für den russischen Markt entwickelt wurden. Dazu gehörte unter anderem die Marke Svetlovar, die in der Brauerei Liberec Vratislavice gebraut wird. Den größten Anteil machte jedoch das Bier der Marke Velká pinta aus, auf das insgesamt etwa eine Million Liter entfielen.
Staatliches Unternehmen mit Geheimdienstanbindung als Abnehmer
Abnehmer der Lieferungen war das föderale staatliche Unternehmen FKP „Jasen“, das 2002 vom russischen Auslandsgeheimdienst gegründet wurde und Teil seiner Infrastruktur ist. Das Unternehmen verfügt über eine bis 2030 gültige Lizenz für den Alkoholhandel und betreibt Sanatorien in Moskau, Sotschi sowie auf der annektierten Krim. Verträge zwischen PintaKlab und FKP „Jasen“ lassen sich anhand von Einträgen im russischen Staatsregister für die Jahre 2023 und 2024 nachvollziehen, was auf eine längerfristig angelegte Geschäftsbeziehung hinweist.
Grauzonenhandel trotz politischer Abgrenzung
Bier zählt formal nicht zu den sanktionierten Waren, dennoch hatten zahlreiche europäische Hersteller nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ihren Rückzug aus dem russischen Markt angekündigt. Vor diesem Hintergrund entstanden neue Lieferwege über Zwischenhändler und eigens aufgebaute Marken. Bereits 2023 war bekannt geworden, dass der russische Auslandsgeheimdienst weiterhin europäisches Bier bezog, obwohl einzelne Produzenten offiziell ihren Marktaustritt erklärt hatten. Die aktuellen Daten fügen sich in dieses Muster ein und deuten auf einen bewussten Erhalt von Geschäftsbeziehungen hin.
Rekordexporte und sicherheitspolitische Bedenken
Im Jahr 2024 exportierte Tschechien mit mehr als 33.000 Tonnen eine Rekordmenge Bier nach Russland. Innerhalb Europas lieferte nur Deutschland noch größere Mengen. Diese Zahlen verdeutlichen die Diskrepanz zwischen politischen Bekenntnissen zur Solidarität mit der Ukraine und der wirtschaftlichen Praxis. Besonders problematisch erscheinen Lieferungen an Strukturen mit direktem Bezug zu russischen Geheimdiensten, die in Europa mit Spionage, Desinformationskampagnen und Sabotage in Verbindung gebracht werden. Für Tschechien erhält der Fall zusätzliche Brisanz vor dem Hintergrund früherer feindlicher Operationen auf seinem Staatsgebiet.


