Ob fehlerhaft berechnete Urlaubszuschüsse oder unzureichend eingestuftes Pflegegeld: Für viele Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und Angehörige wird die Arbeiterkammer zur entscheidenden Unterstützung, wenn es um ihr Recht geht. Auch im Bezirk Schärding zeigen konkrete Fälle aus der Praxis, wie wichtig Beratung und rechtliche Vertretung sind. Darüber berichtet Welt Stimme.
BEZIRK SCHÄRDING. Eine Familie aus dem Bezirk Schärding musste feststellen, dass die tatsächlichen Anforderungen bei der Pflege ihres demenzkranken Vaters wesentlich höher waren als zuvor vom Gutachter angegeben. Der Pflegebedürftige benötigte Unterstützung beim Essen, bei der Körperpflege, beim An- und Ausziehen sowie bei der Verrichtung der Notdurft. Trotzdem wurde zunächst lediglich Pflegegeld der Stufe 3 gewährt. Die Angehörigen suchten daraufhin Unterstützung bei der Arbeiterkammer Schärding, die gegen den Bescheid klagte. Ein vom Sozialgericht bestellter Sachverständiger führte ein neues Gutachten durch – mit dem Ergebnis, dass der Pflegebedarf bei über 180 Stunden im Monat lag. Somit war der Vater berechtigt, Pflegegeld der Stufe 5 zu erhalten.
Urlaubszuschuss eines Mechanikers unvollständig
Im Bereich Arbeitsrecht kommt es ebenfalls häufig zu Fehlern bei der Abrechnung. Ein Mechaniker aus der Region, der im Juli 2025 gekündigt wurde, erhielt zwei Wochen vor seiner Entlassung seinen Urlaubszuschuss. Bei der Nachprüfung der Endabrechnung stellte sich jedoch heraus, dass dieser nur anteilig ausgezahlt worden war. Laut Kollektivvertrag für das eisen- und metallverarbeitende Gewerbe ist dies nicht zulässig. Nach Intervention seitens der Arbeiterkammer musste das Unternehmen den Fehler beheben und dem Mechaniker mehr als 1.300 Euro nachzahlen.
3.300 Beratungen im Jahr 2025
Diese Fälle verdeutlichen laut AK-Bezirksstellenleiter Wolfgang Schwarz, wie wichtig eine leicht erreichbare Anlaufstelle für Beschäftigte ist. Viele Bürgerinnen und Bürger erkennen erst durch eine Beratung, dass ihnen finanzielle Ansprüche oder Leistungen zustehen. Die Arbeiterkammer setzt alles daran, jeden Anspruch – unabhängig von der Höhe – durchzusetzen.
Die Zahlen aus dem vergangenen Jahr belegen die Relevanz dieses Angebots: 3.288 Ratsuchende wendeten sich 2025 an die Arbeiterkammer Schärding. Von diesen fanden 1.633 Beratungen telefonisch statt, 1.293 persönlich – darunter 54 Bildungsberatungen – und 362 per E-Mail. Insgesamt sind im Bezirk 22.819 AK-Mitglieder mit Hauptwohnsitz verzeichnet.
Fälle meistens in Firmen ohne Betriebsrat
Im Bereich Arbeitsrecht wurden im vergangenen Jahr 110 Fälle abgeschlossen. Außergerichtlich konnte die Arbeiterkammer 164.919 Euro an zurückgehaltenem Entgelt einfordern, vor Gericht kamen weitere 66.696 Euro hinzu. In Summe wurden also 231.615 Euro für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durchgesetzt. Auffällig ist, dass 94 dieser Fälle – mehr als 85 Prozent – aus Unternehmen ohne Betriebsrat stammen. Schwarz betont, dass eine betriebliche Interessenvertretung maßgeblich dazu beiträgt, dass arbeitsrechtliche Bestimmungen eingehalten werden.
Im Sozialrecht fiel die Summe noch höher aus: In 122 Fällen erreichte die Arbeiterkammer Schärding insgesamt 3.171.145 Euro, vor allem in Bezug auf Pensionen und Pflegegeld. Darüber hinaus wurden für 92 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus acht insolventen Betrieben im Bezirk 587.799 Euro an Ansprüchen sichern können.
Insgesamt erreichte die Arbeiterkammer Schärding im letzten Jahr Zahlungen von 3.990.559 Euro für ihre Mitglieder. Die Bandbreite reicht von kleinen Beträgen – etwa 78 Euro für unbezahlte Überstunden einer Tankstellenmitarbeiterin – bis hin zu größeren Summen wie 25.493 Euro, die einem Arbeitnehmer nach jahrelanger Unterbezahlung zugesprochen wurden.
Arbeiterkammer OÖ klagte Online-Riesen Zalando – und gewann
Auch auf Landesebene zeigt sich die hohe Nachfrage nach den Dienstleistungen der Arbeiterkammer. In Oberösterreich stellten sich im vergangenen Jahr mehr als 328.000 Menschen mit Fragen und Problemen an ihre Interessenvertretung. Insgesamt wurden knapp 19.000 Rechtsfälle abgeschlossen und ein Rekordbetrag von über 212 Millionen Euro für Mitglieder erkämpft.
Neben Arbeits- und Sozialrecht spielt auch der Konsumentenschutz eine bedeutende Rolle. Oft geht es in diesem Zusammenhang um Mietrecht, Versandhandel oder Gewährleistungsfragen. Ein besonders beachtenswerter Erfolg wurde der Arbeiterkammer in einem Verfahren gegen den Online-Händler Zalando zuteil: Ein Gericht erklärte Vertragsklauseln über Gutscheine – etwa deren Verfall nach fünf Jahren – für rechtswidrig.
Schwarz hebt hervor, dass viele Menschen ihre Rechte ohne Unterstützung nur schwer durchsetzen können. Daher sei es von großer Bedeutung, dass Beratung und Vertretung so nah wie möglich am Wohnort angeboten wird – wie in der Bezirksstelle in Schärding.


