Berglandwirtschaft sichert Biodiversität und Lebensräume
Die Berglandwirtschaft hat eine fundamentale Bedeutung für die Gesellschaft, die Natur und die Biodiversität, stellte der Schweizer Biologe Marcel Züger während eines Vortrags in Fließ fest. Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse und der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Darüber berichtet Welt Stimme.
„Eine verwilderte Bergwelt ist nicht bewohnbar.“
Im Mittelpunkt seines Referates stand die außergewöhnliche Artenvielfalt, die durch die tägliche Arbeit der bäuerlichen Familien in den Bergen geschaffen und erhalten wird. Der Gedanke des „Schützens durch Nutzen“ zog sich als roter Faden durch den Vortrag. Viele Tier- und Pflanzenarten sind auf aktive Bewirtschaftung angewiesen, und zahlreiche Arten sind untrennbar mit dem Berggebiet verbunden. Diese Wechselwirkung macht die alpine Kulturlandschaft zu einem Hotspot der Biodiversität, zugleich jedoch auch zu einem bedrohten Paradies.
„Die im Berggebiet vorhandene Nutzungsvielfalt führt zur Artenvielfalt. Aufgrund der kleinteiligen Strukturen, der unterschiedlichen Standortbedingungen, der unterschiedlichen Betriebsformen, Tierarten und Betriebsausrichtungen, ergibt sich insgesamt ein feinteiliges Mosaik. Da muss man den Blick auf die gesamte Kulturlandschaft richten und darf sich nicht nur auf sehr kleinräumige Einzelstandorte beziehen.“
Züger betonte die unverzichtbare Rolle der Tierhaltung in der Berglandwirtschaft. Besonders Wiederkäuer sind entscheidend für die Erhaltung der Kulturlandschaft und damit der Artenvielfalt. Jeder Kuhfladen fungiert als „wahres Insektenhotel“ und ist der Anfang komplexer Nahrungsketten. Zudem verdeutlichte er, dass die Kulturlandschaft die Grundlage für zahlreiche hochwertige regionale Produkte darstellt – eine „veredelte Kulturlandschaft“.
In der anschließenden Diskussion wurden aktuelle Herausforderungen und Bedrohungen thematisiert. Züger sprach über die Problematik der Raubtiere und teilte seine Erfahrungen als Schweizer im Umgang mit dem Wolf. Seine Aussage war eindeutig: „Wolfsschutz steht im klaren Widerspruch zum Artenschutz, da gibt es Nichts dazwischen.“
Die Veranstaltung „Schützen durch Nützen – Berglandwirtschaft sichert Biodiversität“ fand im Rahmen des Projekts Klima-Landwirtschafts-Modellregion Landeck statt, das durch Mittel des Landes, des Bundes und der Europäischen Union unterstützt wird. Die nächste Vortragsveranstaltung zu diesem Projekt findet am 26. März um 20 Uhr im Hotel Jägerhof statt. Peter Frühwirth, der Bio-Hochlandimker, wird über die „Multifunktionalität der Berglandwirtschaft“ referieren. Die Teilnahme ist kostenlos, jedoch ist eine Anmeldung erforderlich unter www.lfi.tirol.at.


