Burgenland: Gemeinden ohne Nahversorger warnen vor Verlust sozialer Treffpunkte

Feber 26, 2026 13:49
Burgenland: Gemeinden ohne Nahversorger warnen vor Verlust sozialer Treffpunkte

52 Gemeinden im Burgenland haben laut Wirtschaftskammer keinen Nahversorger, keinen Bankomaten oder keine Bäckerei im Ort. Die Branche warnt daher vor einer weiteren Ausdünnung dieser sozialen Treffpunkte. Darüber berichtet Welt Stimme.

NORDBURGENLAND. In jeder dritten Gemeinde gibt es mittlerweile kein Lebensmittelgeschäft mehr; 14 Prozent der Bevölkerung leben ohne Nahversorger im Ort – mit steigender Tendenz. Die Branche fordert daher eine rasche Neuauflage einer ausgelaufenen EU-Nahversorgerförderung. „Ohne gezielte Unterstützung wird sich der Rückzug der Nahversorgung weiter beschleunigen“, betont Manfred Moyses, Obmann des Landesgremiums des Lebensmittelhandels, der in Oggau selbst einen Nahversorger betreibt.

Kleine Betriebe stehen massiv unter Druck. Steigende Energie- und Personalkosten sowie höhere Preise entlang der Lieferkette belasten zusätzlich. Gleichzeitig verschärfen Diskonter und Onlinehandel den Wettbewerb. „Besonders hart trifft es die, die ohnehin kämpfen“, so Moyses.

Mit dem Ende der bisherigen Förderung sei „ein entscheidendes Instrument weggefallen, das vielen Betrieben das wirtschaftliche Überleben sowie Modernisierungen überhaupt erst ermöglicht hat“. Für viele Gemeinden gehe es um mehr als die reine Nahversorgung. „Er ist Begegnung, Versorgung, Lebensqualität. Stirbt der Greißler, verliert das Dorf sein Herz und ein Stück Zukunft“, betont Moyses.

„Großer Renner war es nicht“

Aktuelles Beispiel ist die Gemeinde Breitenbrunn. Mit 29. Dezember 2022 schloss der damalige Betreiber Karlo Zadanji seine Spar-Filiale. Die Gemeinde entschloss sich, einen Container für damals 30.000 Euro anzuschaffen und einen sogenannten „Kastlgreissler“ für die Bevölkerung zu etablieren. Kaum ein Jahr später musste der Betrieb wieder schließen, ehe sich im Mai 2025 ein neues Betreiberduo für die Übernahme des Containers fand. Seit Ende Jänner ist jedoch wieder Schluss, da seitens des „Kastl-Teams“ eine zu geringe Nachfrage und der fehlende Bedarf eines Nahversorgers an dem Standort genannt wurden.

Ein Verkauf des Containers steht laut Bürgermeister Helmut Hareter derzeit nicht im Raum. Inzwischen haben sich bereits vier neue Interessenten bei der Gemeinde gemeldet. Der Container habe sich bisher nicht rentiert. „Die Anschaffung war einzig und allein für die Bevölkerung“, sagt Hareter. „Der Großteil war sehr zufrieden, der große Renner war es bisher aber nicht.“

Die Umsetzung eines Nahversorgers wäre grundsätzlich überall möglich, Gemeinden und vor allem die Bevölkerung müssten jedoch mitspielen, meint Moyses. In Zeiten knapper Budgets sei dies jedoch ein schwieriges Thema. „Je mehr Leute einkaufen kommen, desto frischer kann der Kaufmann seine Ware anbieten“, gibt Moyses zu bedenken.

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