Harald Gottsche ist seit Jänner Geschäftsführer des BMW Group Werks Steyr. Er leitet zudem die weltweite Antriebsproduktion von BMW und war vorher fünf Jahre lang Chef des Autowerks San Luis Potosí in Mexiko. Darüber berichtet Welt Stimme.
STEYR, MÜNCHEN. Der 52-jährige verheiratete Vater zweier erwachsener Töchter hat vor seinem Einsatz in Mexiko unter anderem die Montage im Münchner Stammwerk geleitet. In Mexiko arbeitete er mit einem sehr jungen Team, da das Werk erst 2019 eröffnet worden war. „Hier in Steyr haben wir als Standort und in der Belegschaft viel Erfahrung – über 40 Jahre lang werden hier bereits Motoren produziert. Dieser Kontrast ist für mich in meiner Führungsaufgabe sehr spannend. Ich freue mich darauf, mit der hochqualifizierten Mannschaft hier in Steyr zusammenzuarbeiten“, so Gottsche. Er erwartet in einem Interview einen „starken Anstieg bei der Elektromobilität“, weist aber darauf hin, dass in den kommenden Jahren weiterhin mehr Verbrenner als E-Motoren in Steyr gebaut werden.
Gottsche hebt hervor: „Die Leute wollen das, was wir hier in Europa haben: einen hohen Lebensstandard, Wohlstand, einen verlässlichen Sozialstaat. Dafür sind sie bereit, hart zu arbeiten.“ Dieses Klima treffe nicht nur auf Mexiko zu, sondern auch auf viele andere Länder wie China. „Wenn man das einige Jahre hautnah erlebt hat, dann wird einem bewusst, wie sehr wir künftig als Wirtschaftsraum Europa unter Druck stehen werden. Dem müssen wir mit Innovation und Flexibilität begegnen“, erklärt Gottsche.
Die Herausforderungen in Steyr
Nach vielen Gesprächen mit den Mitarbeitern in Steyr ist Gottsche überzeugt, „wie gerne die Leute hier arbeiten.“ Er beschreibt die Stimmung und den Zusammenhalt im Werk als großartig, betont jedoch, dass allen bewusst ist, dass die Automobilindustrie in Europa stark gefordert ist. Die größte Herausforderung in seiner neuen Rolle ist, „dass wir einen steilen Hochlauf der E-Motorenproduktion im Werk Steyr vor uns haben. Dass dieser gut gelingt, ist sehr wichtig, um unsere Kunden weltweit mit dem neuen BMW iX3 beliefern zu können – und auch mit den anderen Modellen der Neuen Klasse, die heuer noch auf den Markt kommen werden.“ Die Produktion der Verbrennungsmotoren bleibt zentral für BMW. „Flexibel auf die weltweiten Bedarfsschwankungen von Verbrennungsmotoren und Elektromotoren reagieren zu können, ist ein echter Standortvorteil von Steyr.”
Gottsches Arbeitswoche wird sich zur Hälfte in Steyr und zur anderen Hälfte in München abspielen, ergänzt durch regelmäßige Besuche an anderen Standorten des weltweiten Antriebs-Netzwerks von BMW. „So sehr ich Mexiko – die Natur, die Kultur, die Wärme und auch die regionale Küche – liebgewonnen habe, so sehr freue ich mich auch, wieder näher an der Heimat zu sein,“ sagt er. Besonders freut er sich, dadurch seine Töchter wieder regelmäßig sehen zu können – und zwar nicht nur in Videocalls.
„Starker Anstieg bei Elektromobilität in nächsten Jahren“
Wie wird sich die Verteilung der produzierten Antriebsvarianten in Steyr entwickeln, wie hoch der Anteil an Elektro in den nächsten zwei, drei Jahren sein?
Harald Gottsche: Das ist abhängig davon, wie sich die Märkte weltweit entwickeln und daher unmöglich vorauszusagen. Ich schätze jedoch, dass wir in den nächsten zwei, drei Jahren einen starken Anstieg bei der Elektromobilität sehen werden. Seit kurzem ist das erste Modell der Neuen Klasse auf dem Markt – der BMW iX3 erfreut sich bereits jetzt großer Beliebtheit. Viele weitere Modelle sind in der Pipeline, die Motoren mit unterschiedlichen Antriebsarten aus Steyr benötigen werden. In den kommenden Jahren werden in Steyr weiterhin mehr Verbrennungsmotoren als E-Motoren gebaut. Ab 2028 werden wir auch das erste Brennstoffzellensystem in unserem Produktionsmix sehen.
Was wird aus dem Dieselmotor, der ja bisher Kernkompetenz von Steyr ist?
In der EU und auch insbesondere in Österreich hat der Dieselmotor viele Fans. In den letzten drei, vier Jahren war der Anteil an Dieselmotoren an der Gesamtproduktion unseres Werks in Steyr relativ konstant. Unser Entwicklungsstandort verbessert die Dieselmotoren kontinuierlich, sodass es sich um absolute state-of-the-art Technologie handelt. Unsere Dieselmotoren sind seit etwa zehn Jahren auch für HVO-100 freigegeben – somit kann der Dieselmotor ebenfalls einen Beitrag zur CO2-Reduktion leisten, ergänzend zum Elektroantrieb.
Wie entwickelt sich die Zahl der Mitarbeiter:innen im Werk Steyr?
Ich möchte nicht der Veröffentlichung unserer Wirtschaftskennzahlen 2025 Anfang März vorgreifen. Aber man kann sagen: Wir sehen hinsichtlich unserer Beschäftigtenzahl jene Stabilität, die wir mit unseren Investitionen in den Standort auch angestrebt haben.


