Die 23-jährige Antonia Siebenbrunner aus Leoben reist für ihre Forschung rund um den Globus. Ob Mur, Drau oder Amazonas – überall sammelt sie Proben, die Aufschluss über die Beschaffenheit unserer Gewässer geben.
LEOBEN. Antonia Siebenbrunner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Allgemeine und Analytische Chemie an der Montanuniversität Leoben. Derzeit arbeitet sie im Rahmen des Projekts „Discover“ an einer innovativen Methode der passiven Probenahme, bei der spezielle Messgeräte eine Woche lang im Wasser verbleiben und am Ende ein umfassendes Bild über die Beschaffenheit und Durchlässigkeit unserer Flüsse liefern. Darüber berichtet Welt Stimme.
Forschung mit Abenteuerfaktor
Siebenbrunners Arbeit führt sie weltweit, angefangen an der Mur in Leoben über die Drau in Slowenien bis hin zum Amazonas in Brasilien. „Es ist ein Privileg, dass ich durch meinen Job so viel reisen darf“, erklärt sie begeistert. Dabei erlebt sie auch abenteuerliche Momente, darunter Begegnungen mit Flussdelfinen, Kapuzineräffchen und Leguanen, sowie spannende Begebenheiten in einem Regenwaldforschungsstandort, wo ein Bootsführer spontan ins Wasser sprang, um Messgeräte zu bergen.
Auszeichnung am Weltfrauentag
Für ihre Bachelorarbeit erhielt Siebenbrunner den Montanistinnenpreis, der Frauen an der Montanuniversität Leoben fördert. „Es war schön, dass die Preisverleihung genau am Weltfrauentag stattfand“, sagt sie. Sie hebt die Bedeutung weiblicher Vorbilder in der Wissenschaft hervor, insbesondere ihre Forschungsleiterin Johanna Irrgeher vom Projekt MURmap.
„In einer perfekten Welt bräuchten wir solche Quoten und Preise für Frauen nicht, aber soweit sind wir noch lange nicht.“
Antonia Siebenbrunner, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Allgemeine und Analytische Chemie
Daten, die Geschichten erzählen
Besonders interessant für Siebenbrunner sind Flusszusammenflüsse, wie der Übergang zwischen dem Amazonas und dem Rio Negro. In ihrer Forschung untersucht sie sogenannte Tracer, wie das Element Strontium, das zeigt, wie Stoffe über Wasser zu Pflanzen oder Lebewesen gelangen. So kann nachgewiesen werden, ob Fischwanderhilfen an Kraftwerken effektiv funktionieren und auch Schadstoffe wie Blei oder Arsen lassen sich nachweisen.
„Flüsse sind für mich unglaublich spannend. Sie sind nicht nur Lebensräume, sondern auch Geschichtenerzähler, wenn man genau hinschaut. Bei der Drau hoffe ich, dass wir wenig Blei und Arsen finden“, erläutert Siebenbrunner. Ihre slowenischen Forschungspartner analysieren die Proben zusätzlich auf Mikroplastik.
Freizeit in Bewegung
Seit September lebt die 23-Jährige mit ihren WG-Kolleginnen in Graz. „Obwohl ich mich während meines Studiums in Leoben sehr wohlgefühlt habe, war es Zeit für etwas Neues“, sagt sie. Sie empfiehlt Studienanfängern die Montanuniversität wärmstens, da das familiäre Umfeld eine hohe Studienqualität gewährleistet. „Ich würde mich wieder dafür entscheiden“, betont sie.
In ihrer Freizeit findet Siebenbrunner Ausgleich in den Bergen der Obersteiermark – sei es beim Gravelbiking, Wandern, Skifahren oder Skitourengehen im Winter.
Zur Person: Antonia Siebenbrunner
- 23 Jahre alt
- Studium: Bachelor in Industriellem Umweltschutz und Verfahrenstechnik, Master in Umwelt- und Klimaschutztechnik an der Montanuniversität Leoben
- Beruf: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Allgemeine und Analytische Chemie an der Montanuniversität Leoben
- Forschungsschwerpunkte: Passive Probenahmen in Flüssen, Tracer-Analysen, Schadstoffnachweise
- Auszeichnung: Montanistinnenpreis für ihre Bachelorarbeit
- Hobbys: Touren mit dem Gravelbike, Wandern, Skifahren


