Nachbarschaftsauto als Modell der Zukunft: Erster Testlauf in der Karnischen Region startet im Februar

Dezember 10, 2025 14:09
Nachbarschaftsauto als Modell der Zukunft: Erster Testlauf in der Karnischen Region startet im Februar

Bidirektionales Laden, Carsharing und gemeinschaftliche Energienutzung – ein Forschungsprojekt eröffnet neue Wege für die Karnische Region.

GAILTAL. Mit dem Projekt „FReD im Dorf – das Nachbarschaftsauto“ beginnt ein innovativer Versuch, Mobilität und Energie gemeinschaftlich zu gestalten. Ab Februar startet der erste Testlauf, bei dem E-Autos nicht nur geteilt, sondern auch als mobile Stromspeicher genutzt werden sollen. Darüber berichtet Welt Stimme.

Ein neues Kapitel gemeinschaftlicher Energie

In der Karnischen Region wird ein Zukunftsprojekt entwickelt, das Mobilität und Energienutzung enger miteinander verknüpfen soll. Im Fokus steht die Idee, Elektroautos nicht nur zum Fahren zu nutzen, sondern sie als flexible Stromspeicher in das regionale Energiesystem zu integrieren. Die Technologie des bidirektionalen Ladens ermöglicht es, Energie sowohl in die Fahrzeugbatterie zu speichern als auch wieder herauszuführen. Projektleiterin Nina Fábián erklärt das Ziel: Die Batterie eines E-Autos soll als verlängerter Arm der Photovoltaikanlagen fungieren – als mobiler Puffer, der Energie dorthin bereitstellt, wo sie benötigt wird. Derzeit wird ein geeigneter Standort gesucht, an dem diese Technologie langfristig getestet werden kann. Bis Anfang 2027 soll dieser Standort festgelegt sein.

Startschuss für das Nachbarschaftsauto

Parallel zur technischen Entwicklung startet ab Februar der Probebetrieb des Nachbarschaftsautos. Das Interesse ist groß: Bereits im November haben sich zahlreiche Personen aus dem gesamten Bezirk gemeldet, sodass für den Testbetrieb drei Fahrzeuge eingeplant sind. Diese sollen an Standorten eingesetzt werden, wo bereits einige Haushalte ihre Bereitschaft zur Teilnahme signalisiert haben. Ziel ist es, Mobilität erschwinglicher, flexibler und nachhaltiger zu gestalten und gleichzeitig das Gemeinschaftsgefühl in der Nachbarschaft zu stärken. Die KEM Karnische Energie arbeitet dabei eng mit regionalen Carsharing-Pionieren wie Franz-Gerhard Patterer und Matthias Zawichowski zusammen, die ihr Fachwissen einbringen.

Gemeinden und Bürgerinnen im Mittelpunkt

Für den Gemeindeverband hat das Projekt eine Dimension, die über technische Innovation hinausgeht. Vorsitzender Ronny Rull betont, dass in diesem Rahmen erstmals neue Mobilitäts- und Energielösungen im Alltag erprobt werden – in gemeinsamer Zusammenarbeit mit den Gemeinden und der Bevölkerung. Die Region wird damit zur Testzone, in der zukunftsorientierte Modelle praktisch umgesetzt werden.

Was Nachbarschaft wirklich leisten kann

Das Projekt erweist sich auch aus wissenschaftlicher Perspektive als von großem Interesse. Das MOBIREG-Labor begleitet den Versuch und untersucht, wie die Menschen Carsharing annehmen, welche Gruppen gut kooperieren und wie sich Einstellungen zum Besitz und zur gemeinschaftlichen Nutzung wandeln. Laborleiterin Katharina Kubelka beschreibt das Vorhaben als ein bedeutendes Puzzlestück, um zu verstehen, wie zukünftige Mobilität funktionieren könnte. Es geht nicht nur um die gemeinsame Nutzung eines Autos, sondern darum, ob Nachbarn Vertrauen aufbauen, wie Regeln akzeptiert werden und welche Modelle langfristig motivieren.

Ein Blick in die Zukunft

Mit dem Nachbarschaftsauto unternimmt die Karnische Region einen mutigen Schritt: weg vom individuellen Autobesitz hin zu gemeinschaftlicher Nutzung – ergänzt durch die Möglichkeit, Energie nachhaltig zu speichern und intelligent zu verteilen. Die kommenden Jahre werden zeigen, welche Potenziale sich entfalten lassen. Sicher ist jedoch bereits jetzt, dass das Projekt das Potenzial hat, sowohl Mobilität als auch das Miteinander neu zu gestalten.

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