Steigende Insolvenzen in Niederösterreich
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Niederösterreich hat im Jahr 2026 weiter zugenommen. Laut einer Hochrechnung des KSV1870 waren in den ersten drei Quartalen insgesamt 891 Unternehmen betroffen, was einem Anstieg von 73 Fällen oder 8,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
In Niederösterreich entfallen somit etwa 17 Prozent der insgesamt 5.139 Insolvenzen in Österreich. Im Durchschnitt bedeutet dies rund drei Firmenpleiten pro Tag. Für das Gesamtjahr wird mit knapp 1.200 Unternehmensinsolvenzen gerechnet; im Jahr 2025 gab es 1.105 Insolvenzen.
Nicht eröffnete Insolvenzverfahren stark angestiegen
Besonders markant ist der Anstieg der nicht eröffneten Insolvenzverfahren. In diesem Jahr wurden 373 Verfahren aufgrund mangelhafter Vermögensdeckung nicht eröffnet, was einem Anstieg von 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dies betrifft etwa 42 Prozent aller Insolvenzen in Niederösterreich, während die Zahl der eröffneten Verfahren um 7,3 Prozent auf 518 fiel.
Laut KSV1870-Experte Jürgen Gebauer sind verschiedene Faktoren für die derzeitige wirtschaftliche Lage verantwortlich. Hohe Energie- und Personalkosten, Inflation, eine zurückgehende Konsumnachfrage sowie geopolitische Spannungen setzen viele Unternehmen zunehmend unter Druck.
Insolvenzen nach Branchen
Die meisten Insolvenzen wurden im Handel mit 135 Fällen gemeldet, gefolgt von der Bauwirtschaft mit 133 Fällen und der Gastronomie mit 91 Insolvenzen, die im Vergleich zum Vorjahr um etwa 15 Prozent gestiegen ist.
Die Insolvenzverbindlichkeiten in Niederösterreich belaufen sich auf rund 512 Millionen Euro, was einem Anstieg von 25,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Wesentlichen Einfluss hatten hierbei die Insolvenzen dreier Gesellschaften der Pollmann-Gruppe aus Karlstein an der Thaya.
Einordnung
Die steigenden Insolvenzzahlen verdeutlichen die zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen Unternehmen in Niederösterreich konfrontiert sind. Die sinkende Zahl eröffneten Verfahren und der drastische Anstieg nicht eröffneter Insolvenzverfahren könnten auf eine sich verschärfende Krise hindeuten, die weitreichende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft in der Region hat.


