Politik und Wirtschaft reagieren auf die Industriestrategie 2035 mit Lob und Kritik

Jänner 16, 2026 16:47
Politik und Wirtschaft reagieren auf die Industriestrategie 2035 mit Lob und Kritik

Österreichs Industriestrategie 2035: Kritik und lobende Stimmen

Die am Freitagvormittag präsentierte Industrienstrategie 2035 hat das Ziel, die Branche in Österreich innerhalb von zehn Jahren wieder auf den Vormarsch zu bringen. Die Strategie, die von Innovationsminister Peter Hanke (SPÖ), Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) und Deregulierungsstaatssekretär Sepp Schellhorn (Neos) vorgestellt wurde, hat jedoch nicht nur positive Resonanz aus der Politik und Wirtschaft hervorgerufen, sondern auch deutliche Kritik. Darüber berichtet Welt Stimme.

Die Strategie umfasst sechs Ziele, sieben Felder, 114 Maßnahmen sowie neun Schlüsseltechnologien. Diese Agenda soll einen Weg aufzeigen, um die Deindustrialisierung zu stoppen und eine Neu-Industrialisierung in Österreich einzuleiten. Verschiedene Organisationen und politische Akteure haben die Strategie bereits kommentiert.

Roland Prettner, Obmann des Fachverbandes der Fahrzeugindustrie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), äußerte: „Wir freuen uns über das Bekenntnis der Politik zur Fahrzeugindustrie als wesentlichen Bestandteil der österreichischen Wirtschaft.“ Der Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), Wolfgang Katzian, beschrieb die vorgestellte Strategie als wichtigen Schritt zur Zukunftsfähigkeit des Standorts Österreich.

Für Oesterreichs Energie, die Interessenvertretung der österreichischen E-Wirtschaft, ist die Strategie ein positives Signal für einen wettbewerbsfähigen Industriestandort. Generalsekretärin Barbara Schmidt betont, dass die Verbindung von Industrie, Energie und Infrastruktur entscheidend sei. Besonders begrüßt wird der Fokus auf den Ausbau der Wasserkraft.

Umsetzung als entscheidender Faktor

Die Industriellenvereinigung fordert eine zügige Umsetzung der Maßnahmen und warnt vor zusätzlichen Kosten sowie Bürokratie. Präsident Georg Knill erklärt: „Angesichts der budgetären Lage sind dringend notwendige strukturelle Reformen überfällig, um Effizienz zu erhöhen, Kosten zu senken und Wachstum zu ermöglichen.“

Wirtschaftsbund-Generalsekretärin Tanja Graf bezeichnet die Strategie als Schritt in die richtige Richtung, macht jedoch deutlich, dass Ankündigungen allein nicht genügen. Die Umsetzung der Maßnahmen müsse schnell und ohne bürokratische Hürden erfolgen.

Politische Kritik an der Strategie

Gleichzeitig kommt eine starke Kritik von den Grünen. Jakob Schwarz, Budgetsprecher der Grünen, merkt an, dass die vorgestellte Strategie den massiven Herausforderungen nicht gerecht wird. Er kritisiert, dass es an der notwendigen Entschlossenheit fehle, um klare Prioritäten für die Zukunft zu setzen. Insbesondere die Ausweitung der Schlüsseltechnologien von fünf auf neun wird als suboptimal gesehen; stattdessen müsse der Fokus gebündelt werden. Im Bereich Mobilität wird die Unterstützung fossiler Energien als problematisch betrachtet.

FPÖ nennt Strategie ambitionslos

Der FPÖ-Industriesprecher Axel Kassegger bezeichnet die Strategie als „wirtschaftspolitischen Offenbarungseid“. Er kritisiert das Maßnahmenpaket als verspätet und realitätsfern, da zentrale Probleme wie hohe Energiepreise und Lohnnebenkosten nicht effizient angegangen werden. Zudem bemängelt er das Fehlen konkreter Entlastungen für Unternehmen, die aktuell um ihr wirtschaftliches Überleben kämpfen.

Kassegger stellt klar, dass eine Industriestrategie mit 114 Maßnahmen und Milliardenankündigungen bedeutungslos ist, wenn zentrale Probleme ignoriert werden. Er hebt hervor, dass die „schwarz-rot-pinke Verliererkoalition“ den Ernst der Lage nicht erkannt hat, was letztlich zu Lasten der Unternehmen und Arbeitnehmer in Österreich geht.

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