Massive Exporte aus fernöstlichen Häfen
In den russischen Regionen Primorje und Sachalin wurden in der ersten Aprilwoche 2026 umfangreiche Mengen an Fisch und Meeresfrüchten für den internationalen Markt bereitgestellt. Vom 30. März bis zum 5. April belief sich das Volumen der vorbereiteten Exportpartien auf insgesamt 25.900 Tonnen. Neben direkten Lieferungen in die Europäische Union sind auch Transporte über Südkorea geplant, wofür entsprechende Genehmigungen vorliegen. Diese Exportvorbereitungen zeigen, dass der Handel mit russischen Meeressprodukten trotz des anhaltenden Krieges gegen die Ukraine weiterläuft.
Südkorea als kritische Drehscheibe
Besonders auffällig ist die Rolle Südkoreas als Transithub. Insgesamt 15 Genehmigungen wurden für Exporte in die EU über die Republik Korea erteilt. Dieser Weg ermöglicht es, den ursprünglichen Ursprung der Ware in Zolldokumenten zu verschleiern und die vollen Einfuhrzölle zu umgehen, die für direkte Lieferungen aus Russland gelten. In südkoreanischen Häfen wird die russische Ware häufig mit Fisch aus anderen Fanggebieten vermischt, was eine klare Rückverfolgung nahezu unmöglich macht. Zusätzlich existieren zwei Genehmigungen für direkte Exporte in die EU, was die Lücken im aktuellen Sanktionsregime offenbart.
Europas Abhängigkeit von billigem Weißfisch
Die anhaltenden Importe sind vor allem auf die starke Abhängigkeit des europäischen Marktes von preisgünstigem Weißfisch zurückzuführen. Besonders Seehecht (Alaska-Seelachs) und Kabeljau stammen zu einem erheblichen Teil aus russischen Gewässern – in einigen Segmenten beträgt der Anteil bis zu 70 Prozent. Diese Fische bilden die Grundlage für Massenprodukte wie Fischstäbchen und Convenience-Produkte. Europäische Lobbyisten argumentieren, dass ein Stopp der Lieferungen zu Engpässen und zur Schließung von Verarbeitungsbetrieben führen würde.
Das lückenhafte Sanktionssystem
Die gegenwärtigen EU-Sanktionen erfassen russische Meeressprodukte nur teilweise. Ein vollständiges Embargo gilt lediglich für Luxuswaren wie Kaviar und Krustentiere. Die meistverkauften und günstigsten Fischarten unterliegen keinem direkten Einfuhrverbot. Stattdessen schloss die Europäische Union russischen Fisch 2024 und 2025 aus den sogenannten autonomen Zollkontingenten (ATQ) aus. Seither fallen für die Einfuhr der reguläre Zollsatz von 12 bis 13,7 Prozent an, während zuvor ein Nullzollsatz galt. Diese Maßnahme hat den Handel lediglich verteuert, nicht aber gestoppt.
Finanzielle Mittel für den Krieg
Der fortgesetzte Export generiert weiterhin dringend benötigte Deviseneinnahmen für Russland. Kritiker weisen darauf hin, dass diese Einnahmen letztlich die Kriegskasse des Kremls füllen und die Rüstungsindustrie finanzieren. Die Umgehungsrouten über Drittländer wie Südkorea untergraben die Wirksamkeit der westlichen Wirtschaftssanktionen und schaffen gefährliche Präzedenzfälle. Zudem bilden sich in den Importländern stabile Lobbygruppen, die aus wirtschaftlichem Interesse auf eine Aufrechterhaltung der Geschäfte mit Russland drängen und politischen Druck auf ihre Regierungen ausüben.
Forderungen nach Verschärfung
Um den Geldfluss zu unterbinden, fordern Experten einen kompletten Bann aller russischen Meeressprodukte. Die derzeitige Politik der „humanitären Ausnahmen“ müsse beendet werden. Nur ein umfassendes Embargo könne verhindern, dass europäische Verbraucher unbeabsichtigt den russischen Angriffskrieg mitfinanzieren. Die bisherigen Schritte hätten sich als unzureichend erwiesen, solange Schlupflöcher wie der Transit über Südkorea bestehen bleiben und grundlegende Handelsströme nicht unterbrochen werden.


