Im Bezirk Schärding sind Fahrradmechatroniker, Orthopädietechniker und Forsttechniker die seltensten Lehrberufe. Darüber berichtet Welt Stimme.
BEZIRK SCHÄRDING. Der 20-jährige Valentin Einfinger verfolgt das Ziel, Mechaniker in einem Profi-Radteam zu werden. Er absolviert eine Lehre zum Fahrradmechatroniker bei E-Action in Andorf und ist damit der einzige Lehrling in diesem Bereich im Bezirk Schärding. „Ich habe bei E-Action geschnuppert und wusste, dass es der richtige Beruf für mich ist“, erklärt Valentin. Seine Leidenschaft für das Radfahren unterstützt ihn dabei, und er plant, seine Lehre im kommenden Jahr erfolgreich abzuschließen.
Fahrradmechatroniker: „Ein Beruf mit Zukunft“
Chefin Ann-Kathrin Mayrhofer äußert sich überzeugt: „Das ist ein Beruf mit Zukunft, weil das Fahrrad – insbesondere das E-Bike – eine Schlüsselrolle in nachhaltiger Mobilität spielt.“ Laut Mayrhofer werden Fachkräfte, die Mechanik und Elektronik kombinieren, stark nachgefragt. Valentin ist der zweite Lehrling bei E-Action. Interessierte Bewerber sind laut Mayrhofer herzlich willkommen.
Doch was sind die Aufgaben eines Fahrradmechatronikers? „Die Tätigkeiten umfassen klassische Reparaturen und Wartungen sowie die Diagnose moderner E-Bikes. Neben Schaltungen und Bremsen gehören auch Akkus, Software-Updates und Elektronik zu unserem Alltag“, beschreibt die E-Action-Geschäftsführerin die Anforderungen.
Forsttechniker: Frische Luft und große Maschinen
Der 18-jährige Felix Has, ebenfalls aus dem Bezirk, bildet sich zum Forsttechniker beim Forstunternehmen Mittermeier in Taufkirchen an der Pram aus. Felix, der im dritten Lehrjahr ist, muss für die Berufsschule bis nach Tirol reisen und ist der erste Lehrling der Firma. Täglich an der frischen Luft zu arbeiten, ist für ihn ein großer Anreiz. „Ich freue mich, den Umgang mit großen Maschinen zu lernen, das bringt viel Abwechslung in die Arbeit“, sagt der 18-Jährige.
Die großen Maschinen, die es zu bedienen gilt, umfassen Harvester und Forwarder. Zudem erlernt Felix den Umgang mit der Motorsäge und die Waldpflege, die Pflanzung und das Ausmähen von Jungkulturen beinhaltet. Dabei ist zu beachten, dass es sich um einen Lehrberuf in gewerblichen Forstunternehmen handelt; für die Ausbildung in landwirtschaftlichen Forstbetrieben existiert laut AMS eine eigene Kategorie: Facharbeiter Forstwirtschaft.
Profis in Sachen Anatomie: Orthopädietechniker
Eine weitere Rarität in der Berufslandschaft ist der Orthopädietechniker. Aktuell wird dieser Beruf ausschließlich im Sanitätshaus Lambert in Schärding ausgebildet, jetzt sogar mit zwei Lehrlingen. Orthopädietechnikermeister Dominik Schachl betont, dass die lokale Ausbildung dazu beiträgt, ein kompetentes Team zu formen. „Orthopädietechniker stellen medizinische Hilfsmittel wie Prothesen, Orthesen, Bandagen und Rehabilitationsgeräte her und passen sie individuell an“, erklärt Schachl. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre, und für die Berufsschule müssen die Lehrlinge nach Graz reisen.
Einfühlungsvermögen ist hier unbedingt erforderlich
Die Motivation seiner Lehrlinge zeigt sich an ihren langen Anfahrtswegen: „Eine pendelt aus Gepoltskirchen nach Schärding, die andere aus Neuhofen im Innkreis“, so Schachl. Elisabeth Humer, die bald ihre Ausbildung abschließt, ist überzeugt, den richtigen Beruf gewählt zu haben. Sie schätzt die Vielseitigkeit ihrer Tätigkeit, die neben handwerklichem Können auch medizinisches Wissen erfordert. „Am anspruchsvollsten ist das individuelle Anpassen der Produkte an die Bedürfnisse der Patienten“, beschreibt sie ihren Arbeitsalltag. Ihr Ziel ist es, Menschen mit Behinderung eine uneingeschränkte Teilhabe am Leben zu ermöglichen.
Schachl betont, dass Lehrlinge unbedingt Einfühlungsvermögen im Umgang mit Menschen und Interesse an Medizin und Anatomie mitbringen sollten. Aktuell sucht das Sanitätshaus Lambert wieder einen neuen Lehrling, da Elisabeth Humer bald fertig ist.


