Eine aktuelle Studie der Johannes Kepler Universität Linz (JKU) zur Kreislaufwirtschaft mit 168 Unternehmen zeigt, dass diese durch innovative Strategien sowohl ihre Nachhaltigkeitsleistung als auch ihren Markterfolg steigern können.
OBERÖSTERREICH. Die Kreislaufwirtschaft gewinnt zunehmend an Bedeutung, da sie nicht nur ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Stärke verbindet, sondern auch neue unternehmerische Chancen eröffnet. Das zeigt eine aktuelle Studie, präsentiert von Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner, FH-Prof. Franz Staberhofer (Obmann Verein Netzwerk Logistik) und Univ.-Prof. Erik G. Hansen (Institut für Integrated Quality Design, JKU). Darüber berichtet Welt Stimme.
Die JKU-Studie bietet eine fundierte Wissensbasis und konkrete Handlungsempfehlungen für den Transformationsprozess hin zu geschlossenen Stoff- und Produktkreisläufen.
Strategische Verankerung und operative Umsetzung
98 Prozent der befragten Unternehmen betrachten die Kreislaufwirtschaft als zentral für eine nachhaltige Wirtschaft. Die Untersuchung zeigt, dass 85 Prozent der Unternehmen die Kreislaufwirtschaft in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie verankert haben. Allerdings besteht eine Diskrepanz zur operativen Umsetzung, da Trainings nur bei rund der Hälfte der Unternehmen stattfinden.
„Die meisten sehen die Kreislaufwirtschaft als zentral für eine nachhaltige Wirtschaft an. Mit der Umsetzung ist man allerdings oft noch nicht ganz so weit und das ökonomische Potenzial wird noch nicht erkannt. Hier geht es auch um günstigere Produktion und Ressourcenunabhängigkeit“, erklärt Landesrat Achleitner.
Innovative Geschäftsmodelle und Kooperation
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Dienstleistungsmodellen wie Miete, Sharing und Performance Contracting.
„Diese Modelle sind bisher selten, bieten jedoch großes Potenzial für die kommerzielle Umsetzung von Kreislaufwirtschaftsstrategien,“ ist Univ. Prof. Hansen überzeugt.
Die Studie betont die Bedeutung der interorganisationalen Zusammenarbeit entlang des Wertkreislaufs, insbesondere zwischen Herstellern, Dienstleistern, Entsorgern und Logistikunternehmen. Durch die systematische Anpassung und Verzahnung aller relevanten Elemente des Geschäftsmodells kann der kommerzielle Erfolg mit Kreislaufwirtschaftsstrategien voll entfaltet werden.
„Wir müssen alle Produkte und Vorprodukte, die in Europa in Umlauf sind, zu wertvollen Ressourcen machen. Oberösterreich hat mit seiner exzellenten Infrastruktur, den starken Kompetenzzentren wie der JKU und FH OÖ sowie einem gut vernetzten Cluster einen klaren Vorteil, um eine Modellregion für Kreislaufwirtschaft zu werden“, ist Staberhofer überzeugt.
Handlungsschwerpunkte
Die abgeleiteten Handlungsschwerpunkte der Studie zur Kreislaufwirtschaft umfassen die operative Umsetzung von Strategien durch Trainings und Prozesse, die Kombination von Rücknahme, Refurbishment und Reparatur zur Hebung von Synergien, sowie die Priorisierung höherwertiger Kreislaufstrategien wie Wartung und Wiederverwendung. Zudem sollen Rücknahmeanreize wie Pfand und Preisnachlass systematisch etabliert werden. Die Studie empfiehlt den Ausbau von Partnerschaften und vertikaler Integration, die Stärkung der Zusammenarbeit entlang des Wertkreislaufs und die Entwicklung von Dienstleistungsmodellen wie Miete und Performance Contracting. Schließlich wird die Messung und das Management der Circular Performance über Recyclingquoten hinaus sowie die systematische Mitarbeiterentwicklung und Bewusstseinsbildung betont.


