Swarovski plant Abbau von bis zu 500 Arbeitsplätzen in Wattens bis 2026

November 6, 2025 23:34
Swarovski plant Abbau von bis zu 500 Arbeitsplätzen in Wattens bis 2026

Die Alarmglocken läuten bei Swarovski, da der Kristallkonzern in eine schwere Krise geraten ist. Die Arbeiterkammer Tirol äußert in einer Presseaussendung harte Kritik. AK Präsident Zangerl erklärt: „Pläne der Konzernführung gefährden gesamten Standort ohne Rücksicht auf Land und Leute!“
Darüber berichtet Welt Stimme.

WATTENS (red). Der Zentralbetriebsratsobfrau Selina Eder schlug bereits im März Alarm und erhielt dafür viel Widerstand. Ihre Aussagen legten nahe, dass der Standort Wattens für die Konzernführung von Swarovski an Bedeutung verliert. Die jüngsten Entwicklungen bestätigen diese beunruhigenden Einschätzungen: Von den rund 2.200 aktuell in Wattens angestellten Beschäftigten sollen bis Anfang 2026 mindestens 400 Stellen abgebaut werden. Diese Zahl könnte auf 500 ansteigen, falls der Großteil der Mitarbeiter nicht einer von der Konzernführung angestrebten Reduzierung der Arbeitszeiten zustimmt.

„Das ist die Bankrotterklärung für die Strategie der Konzernführung und für den Standort Wattens“, so die Kritik von AK Präsident Erwin Zangerl. „Es zeigt sich, dass die von der Konzernführung gemachten Bekenntnisse zum Standort, wie befürchtet, bloß Lippenbekenntnisse waren. Die Zukunft von Swarovski in Wattens ist ungewiss.“ Der Bund und das Land haben über viele Jahre hinweg viel Steuergeld in die Unterstützung von Swarovski investiert und halfen dem Unternehmen in zahlreichen Krisensituationen. Auch die Corona-Förderungen oder die aktuellen Unterstützungen aus dem Klima- und Energiefonds des Bundes summieren sich auf Millionenbeträge.

Trotz dieser Investitionen wird seit Jahren versucht, den Standort auszuhungern. Es steht sogar der Verkauf von Firmengeländen zur Diskussion. Zangerl fordert die Unternehmensführung auf, klare Pläne für Wattens zu kommunizieren, da eine zukunftsfähige Strategie nicht erkennbar sei. Bisher habe die Führung mit einer sogenannten Salamitaktik gearbeitet und den Standort nach und nach abgebaut. Nun werde der verbleibende Teil in einem beschleunigten Prozess mit einer Planlosigkeit bearbeitet, die nur zu dem Schluss führe: Wattens wird als Standort nicht mehr benötigt. „Das ist Landesverrat und wir werden uns hier klar auf die Seite von Land und Leuten stellen“, betont Zangerl.

Aktuell sind jedenfalls 400 Personen betroffen. Im Anschluss soll es zu einer Reduzierung der Arbeitszeiten kommen. Der Druck auf die Mitarbeiter ist erheblich: Sollten die meisten Beschäftigten ihrer Arbeitszeit nicht reduzieren, was mit großen Einkommensverlusten verbunden wäre, drohen weitere Entlassungen von mindestens 100 Personen.

„Das gesamte unternehmerische Risiko wird auf die Angestellten abgeladen, die mit der Ankündigung der Arbeitszeitreduktion unter Druck gesetzt werden“, kritisiert Zangerl. Er warnt zudem vor den Konsequenzen dieser Maßnahmen: „Es gibt seitens der Konzernführung keine Garantie, dass auch nur ein Arbeitsplatz durch die Reduzierung der Arbeitszeiten gesichert ist. Auch die Bemessungsgrundlage für das Arbeitslosengeld sinkt bei drohender Arbeitslosigkeit, was auch die Pensionsansprüche negativ beeinflusst“, erklärt Zangerl.

Gezielter Personalabbau

Der Personalabbau bei Swarovski zieht sich mittlerweile über 17 Jahre hin. Die Entlassungen erfolgen häufig in Wellen, und freie Stellen werden nicht mehr besetzt. Diese Entwicklung hat gravierende Auswirkungen auf die verbleibenden Mitarbeiter, da Arbeitsaufkommen und Belastungen nicht an die reduzierte Mitarbeiterzahl angepasst werden. Allein zwischen Januar 2023 und Oktober 2025 sank die Zahl der Mitarbeiter bei Swarovski um rund 600 Personen. Seit 2007 wurden insgesamt nicht weniger als 5.000 Arbeitsplätze abgebaut.

Dabei erfolgt der Personalabbau gezielt und bewusst. Die Auslagerung von Arbeitsplätzen nach Polen oder in Nicht-EU-Länder wie Serbien sowie an Produktionsstandorte in Asien wie Thailand, Indien oder Vietnam hat die Situation in Wattens zusätzlich verschärft. Zudem soll nun neben den personellen Einsparungen auch der Großteil der Nachtschichten (ausgenommen die Glashütte) entfallen, was wiederum finanzielle Einbußen für die Beschäftigten zur Folge hat. Auch der hauseigene Werksverkehr, der die Angestellten zur Arbeitsstätte beförderte, wird gestrichen.

Swarovski: Eine Geschichte der Krisen

Die erste große Krise bei Swarovski datiert bereits in die 1970er Jahre. Die weltweite Nachfrage nach Schmucksteinen und Kristallen brach infolge des Ölpreisschocks ein, was einen Abbau von über 40 Prozent der damaligen 2.700 Mitarbeiter zur Folge hatte. Nur durch Unterstützung von Land und Bund konnten schlimmere Folgen verhindert werden. Dank der Innovationskraft der Mitarbeiter erholte sich das Unternehmen. Mitte der 1980er Jahre erlitt man allerdings einen kostspieligen Rückschlag durch die Übernahme der US-Schmuckhandelskette Zale, die 1992 mit Verbindlichkeiten von 1,1 Milliarden Euro Insolvenz anmelden musste. Anfang der 2000er Jahre kam es zu einem Managementwechsel, was 2008 zur Entlassung von 700 weiteren Mitarbeitern führte; weitere 1.100 folgten. Das im Jahr 2010 in China eröffnete Werk schloss bereits 2015 und ein neuer Produktionsstandort wurde in Serbien eröffnet. Wattens hat sich seit dem Managementwechsel 2002 nicht mehr erholt, insgesamt gingen seit 2007 5.000 Arbeitsplätze verloren, und weitere werden folgen.

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