Tischler aus Waidhofen/Thaya wartet monatelang auf Lohn – Arbeiterkammer interveniert erfolgreich

März 6, 2026 05:19
Tischler aus Waidhofen/Thaya wartet monatelang auf Lohn - Arbeiterkammer interveniert erfolgreich

Die Arbeiterkammer Waidhofen/Thaya hat ihre Bilanz für das Jahr 2025 präsentiert, in der der Fall eines Tischlers aus dem Bezirk behandelt wurde, der monatelang auf Lohn und Abfertigung warten musste. Darüber berichtet Welt Stimme.

WAIDHOFEN/THAYA. Ein Tischler musste über Monate hinweg auf seinen Lohn warten, bevor er die Arbeiterkammer Niederösterreich kontaktierte. „Wir haben dem Unternehmen eine Zahlungsfrist gesetzt, die nicht eingehalten wurde“, erklärte AK-Bezirksstellenleiterin Sabine Draxler. Eine Insolvenz des Unternehmens war im Raum gestanden, was den Tischler dazu veranlasste, auf einen Teil seiner Abfertigung zu verzichten, um Klarheit über seine berufliche Zukunft zu gewinnen. „Aufgrund der finanziell schwierigen Situation des Unternehmens hat er sich bereiterklärt, auf drei Viertel seiner Abfertigung zu verzichten. Er hätte also nur drei statt zwölf Monatsentgelten bekommen“, schilderte Draxler. Das Unternehmen kam jedoch seiner Zahlungsverpflichtung erneut nicht nach, wodurch die Arbeiterkammer gezwungen war, die ausstehenden Beträge vor dem Arbeitsgericht einzufordern. Das Gericht verpflichtete das Unternehmen zur Zahlung von 21.000 Euro, die der Tischler aber ebenfalls erst nach mehreren Monaten in unregelmäßigen Teilbeträgen erhielt. „Aber immerhin, mittlerweile hat er das Geld erhalten“, fügte Draxler hinzu.

Fast eine Million für Mitglieder

Die Bezirksstelle verzeichnete 2025 eine hohe Nachfrage, wie Bezirksstellenleiterin Sabine Draxler berichtete: „7.294 Menschen haben vergangenes Jahr mit uns Kontakt aufgenommen. Manchmal ging es nur um rasche Auskünfte zu einvernehmlicher Lösung, Kündigung, Homeoffice und Freistellung wegen Kinderbetreuung.“ In fast 2.900 Fällen benötigten die Menschen jedoch weiterführende Beratung und Unterstützung der AK-Expertinnen und – Experten. „Das vergangene Jahr hat einmal mehr deutlich gemacht, wie wichtig wir als regionale Anlaufstelle sind“, zieht Draxler Bilanz. Insgesamt hat die Bezirksstelle Waidhofen im Vorjahr fast eine Million Euro für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Region gesichert.

Leistungen im Überblick:

  • In der Bezirksstelle angedockt: 7.294
  • Konkrete Beratungen in Problemfällen: 2.863
  • Im Arbeits- und Sozialrecht eingebracht: 552.403 Euro
  • Für die Mitglieder insgesamt erreicht: 948.245 Euro

Herausforderndes Jahr

Das Jahr 2025 stellte eine Herausforderung für die Arbeitnehmer:innen im Bezirk dar. Mehrere Insolvenzen und Konkursverfahren führten zu einem erhöhten Beratungsbedarf für die Arbeiterkammer. „Gerade zu Beginn des Jahres war die Nachfrage hoch. Auch im Rest des Jahres bleibt es schwierig,“ so Draxler. Besonders Frauen suchten vermehrt Rat bezüglich des Pensionsantritts. Zudem berichtete die Bezirksstellenleiterin über Fortschritte bei den Renovierungsarbeiten in der Bezirksstelle, deren Fertigstellung für Ende Mai geplant ist.

Arbeits- und Sozialrechtsberatung ist gefragt

„Die Expert:innen der AK Niederösterreich konnten beinahe 143 Millionen Euro für die Betroffenen sichern,“ bilanzierten Kammerrätin Michaela Schön und Kammerrat Andreas Hitz. Unbezahlte Überstunden, nicht ausbezahlte Ansprüche beim Ende des Arbeitsverhältnisses, fristwidrige Kündigungen sowie Beratungsbedarf bei Home Office und Teleworking stehen ganz oben auf der Problemliste der Arbeitnehmer:innen, die im Vorjahr die Unterstützung der AKNÖ suchten.

Eine besondere Herausforderung waren Verfallsfristen in Kollektivverträgen: „Für viele Betroffene konnten wir zustehende Ansprüche wie unbezahlte Überstunden erst in letzter Minute sichern, weil der jeweilige Kollektivvertrag nur relativ kurze Verfallsfristen von drei oder sechs Monaten für offene Ansprüche vorsieht“, schildern Schön und Hitz. Arbeitnehmer:innen in der Gastronomie waren besonders häufig auf Unterstützung angewiesen, da die vorherrschenden Arbeitsrechtsverstöße in diesem Sektor unbezahlte Überstunden, Arbeitszeitverstöße, unter dem Kollektivvertrag liegende Bezahlung sowie fehlende Lohnzettel umfassen.

Dauerbrenner Insolvenzen

Insolvenzen heimischer Unternehmen sorgten für erheblichen Beratungsbedarf. „Insgesamt haben wir für etwas mehr als 4.500 Beschäftigte in NÖ offene Entgeltforderungen beim Insolvenzentgeltfonds eingebracht“, teilen Schön und Hitz mit. „Durch unsere schnelle Arbeit wurden die offenen Forderungen so rasch wie möglich ausbezahlt. Häufig geht es da um mehrere Monatsgehälter. Ohne unsere Beratung und Rechtsvertretung wären die meisten Betroffenen nicht zu ihrem Geld gekommen“, fassen Michaela Schön und Andreas Hitz zusammen.

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