Ukraine integriert Gasinfrastruktur weiter in den europäischen Energiemarkt

August 4, 2026 10:05
Ukraine integriert Gasinfrastruktur weiter in den europäischen Energiemarkt
Ukraine integriert Gasinfrastruktur weiter in den europäischen Energiemarkt

Die ukrainische Gastransportinfrastruktur und die nahe der Stadt Stryj gelegenen unterirdischen Gasspeicher schaffen Voraussetzungen für eine stärkere Einbindung der Ukraine in den europäischen Energiemarkt. Wegen der geografischen Nähe zu Polen, der Slowakei, Ungarn und Rumänien könnten die Gastransportleitungen und Speicher nach den vorliegenden Plänen als Teil eines europäischen Energiehubs genutzt werden.

Die ukrainische Gastransportgesellschaft verfügt über eine der größten und leistungsfähigsten Infrastrukturen Europas. Die projektierte Kapazität liegt bei 281 Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr an den Einspeisepunkten und bei 146 Milliarden Kubikmetern an den Ausspeisepunkten. Hinzu kommt das größte unterirdische Gasspeichersystem Europas mit einer Gesamtkapazität von rund 31 Milliarden Kubikmetern.

Mehr als zehn Milliarden Kubikmeter dieser Speicherkapazitäten könnten potenziell von europäischen Unternehmen für die saisonale oder strategische Lagerung genutzt werden. Damit ließe sich Gas in Zeiten eines geringeren Verbrauchs oder niedriger Preise einlagern und bei höherer Nachfrage wieder entnehmen. Als mögliche Einsatzsituationen werden starke Kälteperioden, Spitzen beim Verbrauch und Unterbrechungen bei der Versorgung genannt.

Einbindung in den EU-Energiemarkt

Die Integration der ukrainischen Gasinfrastruktur in den EU-Markt ist bereits im Gang. In der Ukraine werden europäische Fach- und Netzkodizes eingeführt, gemeinsame Auktionen durchgeführt und Abrechnungen in Energieeinheiten vorgenommen. Die ukrainische Gastransportgesellschaft kann zudem im Umkehrbetrieb von West nach Ost arbeiten und mehr als hundert Transportrouten für Gas bedienen.

Für die europäischen Märkte ist dabei vor allem die Verbindung aus Transportkapazität und Speichervolumen relevant. Gas kann in der Ukraine gelagert und über die bestehende Infrastruktur in Richtung EU-Märkte transportiert werden. Die ukrainischen Speicher ergänzen damit andere europäische Versorgungswege, darunter Flüssigerdgas-Terminals sowie Pipelines aus Norwegen und Aserbaidschan.

Nach den vorliegenden Angaben nutzen nicht nur ukrainische Unternehmen, sondern auch ausländische Energiekonzerne und Händler die ukrainischen Speicher. Sie lagern dort eigene kommerzielle Bestände. Möglich ist dies auch im Regime des Zolllagers, in dem ausländische Waren in speziell ausgestatteten Anlagen ohne Entrichtung von Zöllen und Steuern sowie ohne tarifäre Maßnahmen gelagert werden können.

Europäische Händler können auf diese Weise Gas außerhalb des EU-Gebiets bevorraten und später für den europäischen Markt bereitstellen. Die Nutzung der Speicher in Zeiten saisonaler Überschüsse oder niedriger Preise und die Entnahme bei höherem Verbrauch sollen zur Stabilisierung des Marktes beitragen und starke Preisschwankungen am Spotmarkt abfedern.

Speicherkomplex im Westen der Ukraine

In der Ukraine gibt es zwölf unterirdische Gasspeicher. Sie werden von der Ukrtransgaz AG beziehungsweise Naftogaz Technologies, einer Einheit des staatlichen Energiekonzerns Naftogaz Ukrainy, verwaltet. Die projektierte Gesamtkapazität des Systems beträgt etwa 31 Milliarden Kubikmeter. Die meisten Speicher wurden auf Basis erschöpfter Gas- und Gaskondensatfelder errichtet.

Der leistungsstärkste Verbund befindet sich im Westen des Landes. Dazu gehören das Biltsche-Wolyzko-Uherske-Speicherfeld mit einer projektierten Kapazität von 17,05 Milliarden Kubikmetern, das Bohorodtschanske Speicherfeld mit 2,3 Milliarden Kubikmetern, das Daschawske Speicherfeld mit 2,15 Milliarden Kubikmetern, das Uherske Speicherfeld mit 1,9 Milliarden Kubikmetern sowie das Oparske Speicherfeld mit 1,92 Milliarden Kubikmetern.

Das Biltsche-Wolyzko-Uherske Speicherfeld ist der größte unterirdische Gasspeicher der Ukraine und zählt zu den größten Anlagen dieser Art in Europa. Es liegt in der Region Lwiw, rund 60 Kilometer von Lwiw entfernt, in einem Gebiet mit einem dichten Netz von Fernleitungen und direkter Anbindung an die Gastransportnetze der EU-Staaten.

Vom Stadtgebiet Stryj bis zum Dorf Uherske, wo der zentrale Teil des Speicherfelds beginnt, sind es rund acht Kilometer. Die technischen Anlagen des Biltsche-Wolyzko-Felds liegen etwa 20 Kilometer von Stryj entfernt. Die projektierte aktive Speicherkapazität beträgt 17,05 Milliarden Kubikmeter.

Das Gas wird dort nicht in großen unterirdischen Metallbehältern gelagert. Es wird in porösen geologischen Gesteinsschichten, vor allem Sandstein, in einer Tiefe von ungefähr einem Kilometer gespeichert. Darüber liegen gasundurchlässige Gesteinsschichten, die den Druck im Speicher zurückhalten. Über gebohrte und zementierte Bohrlöcher wird das Gas im Sommer unter hohem Druck in die Gesteinsschichten eingepresst. Im Winter kann es bei höherer Nachfrage wieder entnommen werden.

Perspektive für Biometan und Wasserstoff

Langfristig könnte die ukrainische Infrastruktur auch für den Transport neuer Energieträger genutzt werden. Genannt werden insbesondere Biometan und sogenannter grüner Wasserstoff. Dabei handelt es sich um Wasserstoff, der durch die Aufspaltung von Wasser mithilfe erneuerbarer Energie aus Sonne, Wind, Wasserkraft oder geothermischen Quellen hergestellt wird.

Die ukrainische Gastransportinfrastruktur könnte nach den vorliegenden Angaben in europäische Wasserstoffnetze wie das European Hydrogen Backbone eingebunden werden. Damit wäre eine Nutzung der Leitungen und Speicher im Rahmen der europäischen Dekarbonisierungsziele und des Plans REPowerEU möglich. Die Anlagen könnten langfristig für die Lagerung und den Transport von Biometan und grünem Wasserstoff angepasst werden.

Die Entwicklung eines Hubs rund um Stryj wird dabei als Möglichkeit beschrieben, einen Standort für die Speicherung kohlenstoffarmer Energieträger zu schaffen. Sie würde an die europäische Strategie zur Dekarbonisierung und an das Ziel der Klimaneutralität der Europäischen Union bis 2050 anknüpfen.

Tarife und Infrastrukturfinanzierung

Für europäische Energieunternehmen und Händler bieten die ukrainischen Speicher- und Transportkapazitäten nach den vorliegenden Angaben auch ein wirtschaftliches Instrument zur Steuerung ihrer Gasportfolios. Als Vorteile werden flexible und wettbewerbsfähige Tarife für Speicherung und Transport genannt. Die weitere Integration soll zudem bestehende Barrieren zwischen den Energiemärkten der Ukraine und der EU abbauen und die Anwendung europäischer Marktregeln sowie eine transparente Preisbildung unterstützen.

Eine umfassendere Auslastung der ukrainischen Gastransportleitungen und Speicher würde Einnahmen aus Transport und Lagerung ermöglichen. Diese Mittel könnten nach den vorliegenden Plänen in die Modernisierung und Instandhaltung der ukrainischen kritischen Energieinfrastruktur fließen. Die Nutzung der Anlagen durch ukrainische und europäische Marktteilnehmer bleibt damit ein zentraler Bestandteil der weiteren Entwicklung des Gasstandorts im Westen der Ukraine.

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