WIFO-Chef Gabriel Felbermayr fordert grundlegende Reformen zur Bekämpfung der Inflation. Darüber berichtet Welt Stimme.
ÖSTERREICH. Der Kampf gegen die anhaltend hohe Inflation in Österreich bleibt eine zentrale Herausforderung. Laut Aussagen von Gabriel Felbermayr, dem Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO, steht vielen Pensionisten eine Erhöhung ihrer Rente bevor, die unter der Inflationsrate liegt. In einem Interview mit den Salzburger Nachrichten am Donnerstag, dem 11. September, plädiert Felbermayr für eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel. Er unterstreicht, dass rein finanzielle Ausgleichszahlungen nicht ausreichen, um den Menschen spürbare Entlastungen zu bringen.
„Menschen nicht nur Opfer abverlangen“
Felbermayr betont die Notwendigkeit, den Bürgern nicht nur Opfer abzuverlangen, sondern aktiv gegen die Inflation vorzugehen. Er schlägt vor, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von zehn auf fünf Prozent zu senken, was auch für Mieten gelten könnte. Diese Maßnahme soll keine vorübergehende Lösung sein, sondern Teil einer grundlegenden Reform des Mehrwertsteuersystems werden. Um die ausbleibenden Einnahmen durch die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel zu kompensieren, sollten bestehende Ausnahmen gestrichen werden, während der höhere Mehrwertsteuersatz von 20 Prozent moderat angehoben werden könnte.
Obwohl eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes nicht die Gesamtinflation direkt reduzieren würde, hätte sie doch einen signifikanten Einfluss auf die tägliche Lebensrealität der Menschen. Felbermayr merkt an, dass der alltägliche Warenkorb, der das subjektive Empfinden der Konsumenten prägt, in den Supermärkten spürbar günstiger werden könnte. Um sicherzustellen, dass die Einsparungen nicht von den Unternehmen nicht an die Verbraucher weitergegeben werden, könnten gesetzliche Vorgaben hilfreich sein, so Felbermayr in den Salzburger Nachrichten.
Pensionen: „In die richtige Richtung“
Bezogene auf die Rentenerhöhungen stellt Felbermayr fest, dass es angemessen sei, wenn diese nicht vollständig in Höhe der Inflation von 2,7 Prozent angehoben werden, sondern lediglich um 2,3 Prozent. Dies würde Einsparungen in Höhe von 350 Millionen Euro zur Folge haben. Laut Felbermayr gehe diese Anpassung „in die richtige Richtung“. Bei höheren Renten, beispielsweise für Beamte, könnte „mehr getan“ werden als bei den mittleren ASVG-Pensionen, betont der WIFO-Chef.
Felbermayr hebt auch hervor, dass die Wirtschaft viel mit Psychologie zu tun hat. Vertrauen und Zuversicht seien entscheidend, damit Investitionen getätigt werden können. Dies könne gelingen, vorausgesetzt, die Sparmaßnahmen seien in ein umfassenderes Konzept eingebettet, ist Felbermayr überzeugt.


